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Prozess am Bonner Landgericht: Hohe Haftstrafen für Automatenknacker

Prozess am Bonner Landgericht : Hohe Haftstrafen für Automatenknacker

Für fünfeinhalb Jahre muss der 35 Jahre alte Kopf der sogenannten Automatenknackerbande ins Gefängnis. Am Mittwoch wurde der Bonner vom Landgericht unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls und der Verabredung zu einem schweren Raub verurteilt.

Von Herbst 2012 an bis in den April 2013 hinein hatte die Bande bundesweit für Aufsehen gesorgt: An Bahnhöfen hatten die Männer die Fahrkartenautomaten aufgeschweißt oder aufgebohrt und die Geldkassetten gestohlen. Erbeutet wurden laut Urteil mehr als 125.000 Euro. Der entstandene Sachschaden lag weitaus höher: Er belief sich auf 410.000 Euro.

Zwei Mittäter müssen nun ebenfalls den Gang ins Gefängnis antreten: Der 20 Jahre alte Neffe des Bandenchefs erhielt eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren. Ein gleichaltriger Freund sogar drei Jahre und neun Monate. Zudem wurde ein 23-Jähriger, der vor allem als Fahrer fungierte, zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der 50 Jahre alte fünfte Angeklagte erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Zunächst hatte der schon mehrfach vorbestrafte Haupttäter mit seinem Neffen und dem 20-Jährigen versucht, Zigarettenautomaten zu knacken.

Schnell wurde dieser "Kernmannschaft" jedoch klar, dass sich der Aufwand nicht lohnt, so Richter Wolfgang Schmitz-Justen. Durch TV-Berichte kamen die Männer dann laut Urteil auf die Idee, Fahrkartenautomaten aufzubrechen. Das ging vor allem der 35-Jährige "intelligent und systematisch" an.

Zwei Automaten in Meckenheim und Merzenich wurden gestohlen und in eine Werkstatt gebracht. Dort tüftelte der Bandenchef, der bei einem früheren Gefängnisaufenthalt Schweißen gelernt hatte, aus, wie die Automaten schnell geöffnet werden können. Es folgten vor allem Taten in der Region, unter anderem in Hennef, Dattenfeld und Menden. Aber auch in Potsdam und im Sauerland schlug die Bande zu.

Dass sie telefonisch observiert werden konnte, lag vor allem an einer verpatzen Führerscheinprüfung. Da einer der Angeklagten 22 Fehlerpunkte hatte und darüber am Telefon sprach, konnte die Polizei beim Tüv die Identität des Verdächtigen herausfinden.

Im Prozess legten die Männer allesamt Geständnisse ab. Der Kammervorsitzende betonte, dass die Einwirkungsmöglichkeiten der Justiz auf den Bandenkopf "relativ gering" seien. Es gehe vor allem darum, die Gesellschaft eine Zeit lang vor seinen Machenschaften zu schützen.