Notizen aus B.: Hoffen soll der Mensch

Notizen aus B. : Hoffen soll der Mensch

Alles neu macht der Mai, heißt es. Schon sehr alt ist die Tradition, dass die Junggesellen ihrer Liebsten in der Nacht zum 1. Mai einen Maibaum aufstellen. Nur im Schaltjahr ist das anders.

Dann haben nämlich die Frauen die sprichwörtlichen Hosen an und beglücken ihrerseits ihre Auserwählten mit einer buntgeschmückten, jungen Birke. Genau. Deshalb prangen auf den roten Herzen jetzt auch überall Jungsnamen. Max, Karl, Pit und Joe. Wir wissen nicht, wie lange es diesen Brauch gibt. Aber unsere Oma, lebte sie noch, würde jetzt sagen: So ein neumodischer Kram. Ehrlich gesagt, wo sie recht hat, hat sie recht. Unsereins kann sich mit diesem Bäumchen-wechsle-dich-Spiel auch nicht so richtig anfreunden. Mädels, die an Regenrinnen hochklettern...

Überhaupt nicht neu sind die Pläne für den Abriss und Neubau des Tausendfüßlers. Trotzdem hat es uns dann doch überrascht, wie schnell jetzt alles gehen soll. Wahnsinn! 2019 sollen die Abrissbagger schon vorfahren. Rein rechnerisch kracht die Autobahnbrücke nämlich 2022 zusammen. Sagen jedenfalls die Experten.

Apropos Rechnen: Bislang weiß man bei der Stadtverwaltung leider noch nicht so genau, wie hoch die Personalkosten nach dem jüngsten Tarifabschluss für den Öffentlichen Dienst sein werden. Wir haben schon mal vorsichtshalber den Rotstift gespitzt. Viel zu holen ist im Stadthaus bekanntlich allerdings nicht mehr. Sie ahnen schon, wo die Reise hingeht? Nach der Steuererhöhung ist vor der Steuererhöhung, sagt der Kämmerer. Oder so ähnlich.

Nur Mut. Den brauchen wir unbedingt, um nicht missmutig zu werden (Johann Wolfgang von Goethe). 2019 startet in Bonn nicht nur ein Riesenbauprojekt – siehe oben. Sondern ein Jahr später auch eine Megafeier. Ludwig van Beethoven wird 250. Dann lassen wir es richtig krachen. Freude schöner Götterfunken. Allein in die Beethovenhalle stecken wir 65 Millionen Euro. Rein rechnerisch jedenfalls. Und praktisch? Noch mal einen Goethe, weil es so schön passt. „Wo fehlt's nicht irgendwie auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.“

Den Spruch sollte sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan über die Rathaustür hängen lassen. Für alle Fälle. Der rebellische Stadtsportbund ist ihm dabei sicher gerne behilflich. Ach, was soll das ganze Theater. Am Samstag erfreuen sich die Leute am Rhein-in-Flammen-Spektakel. Am Sonntag ist Muttertag. Und an allen Tagen schönes Wetter. Und überhaupt: Hoffen soll der Mensch, er frage nicht (Beethoven).