Hochzeitsmesse in Bonn: 1000 Besucher kommen zum "Tag der Hochzeit"

“Tag der Hochzeit“ : Viele Besucher bei Hochzeitsmesse in Bad Godesberg

Rund 1000 Heiratswillige sind zum „Tag der Hochzeit“ in der Redoute gekommen. Bei 30 Ausstellern konnten sie sich zu Kleidern, Ringen oder Essen beraten lassen.

Ganz schüchtern schleichen sich die Paare an die rund 30 Stände in der Bonner Redoute. Aus kleinen Plastikschälchen löffeln sie die Reste der süßen Kostproben der Konditorei Hünten, während sie sich bei der Brautstube von Melanie Rahman umsehen. Während ihre Schwester Steffi mit Rosen verzierte Lollis verteilt, an denen kleine Gutscheine angebracht sind, wandert der Blick einiger Bräute neugierig zu paillettenbesetzten Sneakern in rosa.

„Letztens habe ich noch eine ganze Oberstufe eines Gymnasiums damit ausgestattet. Sie sind auch im Alltag noch tragbar und erinnern Bräute an den schönsten Tag ihres Lebens“, sagt Melanie Rahman aus Troisdorf. Im Angebot hat die Brautstube gleich die passende Jeansjacke. Zwar schlägt bereits der Sneaker mit 159 Euro ein kleines Loch in die Hochzeitskasse, das spiele laut Veranstalter Hans-Joachim Fandel für viele Paare aber keine große Rolle: „Hochzeit ist heutzutage kein Muss mehr. Paare lassen sich Zeit. Auf dieser Messe ist für jeden etwas dabei: Für Paare, die mitten im Leben stehen, aber auch für solche, die weniger Budget zur Verfügung haben“, sagt er.

Angefangen hat alles vor gut 25 Jahren im Brückenforum, danach ging es in den Königshof, später ins Kameha. „Es ist für uns das zweite Jahr in der Redoute. Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Denn auch die Planung hat etwas mit Feeling zu tun“, erklärt der 59-Jährige. Das Ambiente passt. Hohe mit Stuck verzierte Decken rücken die Brautkleider ins rechte Licht. Im 1790 vom Architekten Martin Leydel entworfenen Ball- und Konzerthaus werden nun Hochzeiten gefeiert.

Einen Tag lang wie eine Prinzessin fühlen, das wollen 2020 viele Bräute: „Boho und Vintage sind immer noch angesagt, aber auch das Prinzessinnenkleid mit feinem Glitzertüll ist diese Saison stark gefragt“, sagt Fandel. „Der Trend geht zur Micro-Hochzeit. Klein und fein muss es sein. Wenn Paare nur mit 15 bis 20 Gästen feiern, darf es dann auch gerne exklusiver werden“, erklärt er. Ein weiterer Trend sind die Wiederholungstäter: „Meine Tochter sagte mir gerade noch: ,Papa – Die zwei habe ich letztes Jahr schon hier gesehen.’ Alles ist heute hier vertreten. Vom Messe-Hopper bis zum perfekt durchgeplanten Paar, das Location, Torte und Kleid schon hat und sich einfach noch mal vergewissern will“, sagt Fandel.

Zwischen DJ-Service und Maßschneiderei sitzt Arnd Hawlina und drapiert Leinwändchen auf kleinen Staffeleien. Kleine Karikaturen hat er auf den begrenzten Platz gezaubert. Er ist wie eine analoge Fotobox. „Nur dass ich zu den Leuten an den Tisch komme“, scherzt der Karikaturist, der auch schon die Sängerin und Schauspielerin Maite Kelly zeichnen durfte. „Ich hänge jetzt bei ihr im Gästeklo“, sagt Hawlina mit einem Schmunzeln. Für Hochzeiten gestaltet er Einladungen oder Gastgeschenke in Form von kleinen Staffeleien. Auf Hochzeiten selbst hat er schon einiges erlebt: „40 Hochzeiten mache ich im Schnitt im Jahr. Mich reizt daran, die einzelnen Familienmitglieder zu beobachten – ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede.“ Wer denkt, dass es enorm ins Geld geht, einen Künstler zu engagieren, der irrt sich. „Es gibt Hochzeitsfotografen, die nehmen das Drei- bis Vierfache. Das Gute am Karikieren ist, dass ich auch mit Tagespauschalen arbeiten kann“, erklärt er.

Nach dem ersten Glas Sekt verfliegt bei den Paaren die Schüchternheit. Mit Flyern und Visitenkarten ausgestattet machen sich Katja Pfeiffer und Raiko Helm auf den Weg nach Hause: „Zwar sind wir schon zehn Jahre zusammen, genaue Vorstellungen haben wir aber noch nicht. Was uns seit heute aber klar ist, sind die Eheringe. Die wollten wir am Anfang weglassen“, sagt sie. „Ich habe von meinem Zukünftigen Verlobungsohrringe bekommen. Nachdem wir einige Ringe anprobiert haben, finden wir das Gefühl nun aber doch schön.“