Hochwasser in Bonn: Rheinpegel in Bonn sinkt langsam wieder - Die Auswirkungen

Hochwasser in Bonn und der Region : Der Rheinpegel fällt, die Einschränkungen bleiben

Am Donnerstag hatte er seinen Höchststand erreicht, jetzt sinkt der Rheinpegel langsam wieder. Einschränkungen im Bahn- und Fährbetrieb gibt es am Wochenende aber weiterhin. Alle Infos zum Hochwasser gibt es hier.

Der Rheinpegel in Bonn soll zum Wochenende hin weiter langsam sinken. Am Freitag gegen 11.15 Uhr fiel das Hochwasser zuletzt auf 7,15 Meter, wie die Hochwassermeldezentrale auf ihrer Internetseite mitteilte. Zuvor hatte das derzeitige Hochwasser am Donnerstag mit 7,41 Meter seinen Höchststand erreicht. Die Tendenz sei fallend. Den Angaben zufolge könnte am Sonntag (9.2.) die Marke sogar wieder auf bis zu 5,35 Meter zurückgehen. Einschränkungen bei Bahn und Fähre wird es in den nächsten Tagen dennoch geben.

Linie 66 weiter ab Clemens-August-Straße eingestellt

Stadt Bonn sperrt Rathenauufer wegen Hochwasser ab

Selbst wenn sich der Rhein zurückzieht, fährt die Stadtbahnlinie 66 fährt am Wochenende voraussichtlich weiter nur bis zur Haltestelle Clemens-August-Straße. Dann werde der Bahnverkehr nach Bad Honnef eingestellt, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke Bonn. „Wir müssen die Anlage ja auch reinigen.“

Fährverkehr weiter teilweise betroffen

Mitte der Woche hatte die Rheinfähre zwischen Niederkassel-Mondorf und Bonn-Graurheindorf ihren Betrieb eingestellt. Das soll bis Montagmorgen aller Voraussicht nach so bleiben, sagte Ingo Schneider-Lux, Leiter Fährbetrieb der Lux-Werft und Schifffahrt GmbH in Mondorf. Dann soll das Transportschiff pünktlich zum Fahrplanbeginn um 6.30 Uhr wieder regulär fahren. Man habe nicht nur mit dem Hochwasser zu kämpfen: „Wir haben sehr viel mit Treibgut zu tun“, erklärte Schneider-Lux. Das Schiff könne bei einem Pegelstand zwischen 6,40 und 6,50 Metern (Bonner Pegel) wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Die Rheinfähre zwischen Königswinter und Bonn-Mehlem fuhr am Freitag um zehn Uhr bereits wieder. Unterbrochen werde der Verkehr bei einem Pegel von 6,50 Metern (Pegel Oberwinter), sagte ein Sprecher des Fährbetriebs. Und dazu komme es drauf an, wie schnell das Wasser fällt. Die Fähre hatte nur am Donnerstag ihren Betrieb eingestellt. Dort war die Höchstmarke von 7,40 Metern (Pegel Bonn) erreicht worden.

Auch die Auto- und Personenfähre zwischen Remagen-Kripp und Linz war am Freitag (ab 15 Uhr) wieder einsatzbereit: „Der Pegel bei Andernach liegt schon unter der kritischen Marke von 7,15 Meter und damit für unseren Fährbetrieb im grünen Bereich“, erklärte Udo Scholl, Geschäftsführer der Rheinfähre Linz-Kripp GmbH. „Wir können unsere Kunden also wieder wie gewohnt sicher übersetzen.“ Für die Fähre zwischen Remagen und Erpel hingegen gibt es noch keine Entwarnung: Hier sei ein Pegel von 6,40 Meter mit fallender Tendenz notwendig.

So sah das Hochwasser am Mittwoch aus

Die Studenten in der Unibibliothek saßen am Mittwoch in der ersten Reihe: Wer morgens zum Pauken Platz nahm, konnte bis zum Abend verfolgen, wie der Rheinpegel von 6,60 auf rund 7,30 Meter stieg. Am Donnerstag wurde am Pegel Bonn die Marke von 7,40 Metern erreicht, seit dem Nachmittag sank er langsam wieder. Der Anstieg des Rheinpegels verlief für manche rasanter als gedacht, wie die Studentinnen Wiebke und Mina berichteten. „Wir kamen raus und waren überrascht, wie schnell das geht“, erzählte Mina.

Für Huan Fu Zhang, der das Restaurant im Chinaschiff in Beuel betreibt, bedeutete der steigende Pegel erst einmal Arbeit. Sein herkömmlicher Steg stand längst unter Wasser, weshalb er einen Behilfssteig aus Baugerüsten bauen musste. „Das geht mittlerweile schnell, wir brauchen vielleicht anderthalb Stunden dafür“, sagte er. Da war es fast aufwendiger, die beiden Lichterketten an den Metallstangen zu befestigen und Lampen einzuschrauben. „Viele glauben das ist Deko, aber es ist tatsächlich eine Auflage, weil wir den Steg beleuchten müssen.“ Manch einer fremdelte trotzdem mit dem Gang übers Wasser, so wie eine koreanische Familie. Während Mutter und Kinder ins Restaurant gingen, blieb der Vater an Land. „Er hat sich das einfach nicht getraut“, erzählte Zhang.

Stadt Bonn räumte Rathenauufer

Die Stadt bereitete sich schon den ganzen Mittwoch darauf vor, dass der Pegel an der Acht-Meter-Marke kratzen könnte. Der eigens eingerichtete Krisenstab koordinierte alle Maßnahmen, wozu auch die Räumung des Rathenauufers gehörte. Alle dort abgestellten Autos mussten so schnell wie möglich weg, weshalb es sogar eine Radiodurchsage gab. Zwölf parkende Autos schleppte die Stadt ab, Knöllchen hat jedoch niemand zu befürchten. „Die Halter müssen das Abschleppen nicht bezahlen. Die Autos sind ja abgeschleppt worden, um sie zu schützen“, sagte Markus Schmitz vom Presseamt. Die Autos seien auf einem städtischen Grundstück abgestellt worden, von wo sie abgeholt werden können. Etwa 40 Fahrzeughalter hatten Glück: Das Ordnungsamt konnte sie ermitteln und kontaktieren, sodass diese ihre Autos selbst wegfahren konnten.

 Auch bei den Tiefbauern Jörg Göbel und Marco Spörl musste es unterhalb des Alten Zolls schnell gehen. Sie waren seit einigen Tagen damit beschäftigt, die Gullys auf der Fahrbahn zu erneuern. „Einen hatten wir gerade aufgemacht, als die Hochwasserwarnung kam“, erzählte Göbel. Hätten sie den Gully, der das Regenwasser in die Kanalisation leitet, nicht rechtzeitig geschlossen, hätte das einfließende Hochwasser die Kanäle fluten können. Deshalb wurden die Gullys entlang des Rheins bei Hochwasser mit speziellen Kunststoffmembranen abgedichtet, so wie es der Hochwasserschutzplan der Stadt vorsieht. An einer anderen Uferbaustelle in Höhe der Hatschiergasse hatten die Planer ebenfalls vorgesorgt: Die mehrere Meter tiefe Baugrube ist mit Spundwänden gesichert, sodass kein Wasser durch das Erdreich eindringen kann.

Linie 66 wurde ab Clemens-August-Straße getrennt

An der Rheinallee in Königswinter mussten zahlreiche Gebäude mit Bretterwänden und Sandsäcken vor den braunen Fluten gesichert werden. Am Mittwoch ab 11 Uhr war die Straße ab der Einmündung Clemens-August-Straße für den Verkehr gesperrt. Die Stadtbahnlinie 66 stellte ab 12 Uhr ab der Haltestelle Clemens-August-Straße den Bahnverkehr nach Bad Honnef ein. Die Stadtwerke Bonn setzen ersatzweise Busse ein.

In Bad Honnef wurde der Fußweg der Rheinpromenade zwischen der Brücke Am Spitzenbach und dem Mühlenweg gesperrt. Später ging dann auch an der Unterführung Am Steinchen nichts mehr. Das Ordnungsamt der Stadt, die Freiwillige Feuerwehr, das Abwasserwerk und die Honnefer Bäder hielten angesichts der Entwicklung der Pegelstände engen Kontakt.

Den ganzen Dienstag und den Mittwochvormittag war ein Hausmeister-Service mit mehreren Mitarbeitern in Königswinter damit beschäftigt, die Fassade des Gebäudes Rheinallee 9, in dem sich das Baynunah Hotel Drachenfels und das Restaurant-Café Rheinpromenade sowie zahlreiche Eigentumswohnungen befinden, mit Brettern und Sandsäcken gegen das Hochwasser abzudichten.

„Wir verhindern, dass das Wasser in die Tiefgaragen eindringt“, sagte Mitarbeiter Kevin Baum. In zwei weiteren Objekten, für die das Unternehmen zuständig ist, wurden die Keller geflutet und das Wasser abgepumpt. Nebenan verfolgte Heinz Kremer, dessen Frau Heike Ottersbach die H& H Wein- und Bierwirtschaft betreibt, die Hochwasserprognosen im Fernsehen und führte genau Protokoll.

„Bei einem Pegel in Oberwinter von 6,70 Metern müssen wir die Theke und die Möbel nicht wegschaffen“, sagte er. Zuerst seien 6,90 Meter angekündigt worden, dann nur 6,70 Meter. Kremer stand deshalb in ständigem Kontakt mit einer Bad Honnefer Möbelspedition, die das Lokal innerhalb von zwei Stunden komplett räumen kann. Vor zwei Jahren im Januar musste man das sogar zweimal. Der höchste Pegel in Oberwinter hatte damals bei 7,41 Metern gelegen.

In Unkel stand die Rheinpromenade unter Wasser. Die Bundesstraße 42 war streckenweise nicht befahrbar, Bahnunterführungen liefen voll. Überflutet waren unter anderem die Ortseinfahrten nach Kasbach und Leubsdorf sowie die Unterführung zum Burgplatz in Linz.

Gelassen reagierten die Anlieger auf die Überflutung der Uferpromenaden in Remagen, Kripp und Bad Breisig. In Kripp leckt der Rhein an den Terrassenstufen des Hotels Rhein-Ahr, der Radwanderweg ist komplett geflutet. „Nichts zum Aufregen“, sagte eine Anliegerin in Kripp. Sie wohnt gegenüber der Fähre und kennt den Strom: „Wenn die Garagen volllaufen, macht das nichts. Die Sauerei kommt erst dann, wenn das Haus dran ist.“ Davon ist das derzeitige Hochwasser jedoch noch einen Höhenmeter entfernt. Die Kripperin ist wie viele ihrer Nachbarn „Profi“ im Umgang mit dem Rhein, kennt seine schönen und eben auch weniger schönen Seiten. „Wer hier wohnen will, der muss das wissen.“

Der Höchststand der Ahr ist bereits vorüber. Mit 1,61 Metern am Pegel Altenahr gab die Ahr am Dienstag lediglich ein kurzes Gastspiel auf dem Parkplatz an der dortigen Winzergenossenschaft. Mehr nicht. Den Notfallplan für Hochwasser des Rheins hat die Stadt Niederkassel aktiviert. „Wir bereiten uns auf die acht Meter vor, die für das Wochenende vorhergesagt sind“, sagte Stadtsprecher Markus Thüren. Dazu gehöre etwa, dass Absperrungen an den Promenaden eingerichtet und Parkplätze gesperrt würden. Über die Ufer getreten ist an einigen Stellen auch die Sieg. In der Siegaue waren zum Teil die Wege überschwemmt.

Der Bauhof der Stadt Sankt Augustin hatte bereits am Dienstag alle Wege zur Sieg gesperrt und davor gewarnt, die Absperrungen zu umgehen. Die Stadt Siegburg sah dafür am Mittwoch noch keinen akuten Handlungsbedarf. „Der Pegel Eitorf wird von den Mitarbeitern des Umweltamts im Blick gehalten“, sagte Björn Langer, Sprecher der Stadt. Das Sieghochwasser sei noch relativ kleinräumig und könne  gut umgangen werden. Zudem gebe es die Tendenz, dass die Pegel wieder fielen. Langer: „Sollte sich an der Situation etwas ändern, wird natürlich reagiert. Zudem gebe es tendenziell fallende Pegel. „Sollte sich an der Situation etwas ändern, wird natürlich reagiert.“