Im heutigen Auerberg: Historische Straßennamen in "Awenberg"

Im heutigen Auerberg : Historische Straßennamen in "Awenberg"

Eine neue Stele stellt die Geschichte der Wege im Bonner Norden dar.

An den "Galgenpfad" erinnert sich Norbert Neu noch. Eine Station seiner Ausbildung zum Industriekaufmann waren die Vereinigten Aluminiumwerke in Auerberg. Beim abschließenden Gespräch mit dem Abteilungsleiter hatte er sich im Ton vergriffen, so der heutige Ortsausschussvorsitzende. Gleich darauf wurde er vom Ausbildungsleiter an die Kölnstraße beordert. "Der Weg von den VAW zu ihm führte über den Galgenpfad. Und genauso habe ich mich damals auch gefühlt."

Dieser Weg verlief früher zu einem Hinrichtungsort: Auf dem "Awenberg" - unter diesem Namen wurde die Gemarkung im Bonner Norden 1572 erstmals urkundlich erwähnt - war eins von zwei Hochgerichten von Bonn. Der Galgen, an dem zwischen 1143 und 1777 dokumentierte Hinrichtungen stattfanden, lag gleich neben dem Schindanger, wo tote Menschen und Tiere beigesetzt wurden. Er führte quer durch das heutige Auerberg, das 1966 diesen Namen erhielt, von der Rheindorfer Burg über die heutige Pariser Straße und die Kölnstraße dorthin, wo heute der Nordfriedhof ist. Da stand der Galgen.

Diesen und andere Straßen- und Wegenamen gibt es heute nicht mehr: Der "Galgenpfad" fiel ganz weg, ebenso der "Unterste Höhweg". Andere Bezeichnungen wurden Anfang der 90er Jahre geändert: Der "Eselsweg" heißt heute beispielsweise "Kopenhagener Straße", der "Burgweg" "An der Rheindorfer Burg", der "Oberste Höhweg" wurde in "An der Josefshöhe" umbenannt, der Gerichtsweg, der von Bonn zum Hochgericht führte, in "Friedrich-Wöhler-Straße" und die "Coelner Chaussee" in "Kölnstraße".

Karl Wilhelm Starcke, der sich als Bezirksvorsteher, Ratsmitglied und Kulturausschussmitglied engagiert hat und 1992 das Buch "Bonn-Auerberg. Gestern - heute - morgen" zum 25-jährigen Bestehen der Stadtteilbenennung mit herausgegeben hat, wollte die Erinnerung an diese Straßenbezeichnungen bewahren. "Die Auerberger sollten darauf aufmerksam gemacht werden", findet er. Er hatte sich um die Stele bemüht, die seit einigen Tagen in der Neuen Mitte Bonn-Auerberg steht. Sie erklärt unter einer Darstellung der Straßenverläufe die Geschichten hinter den alten Namen.

Der Beschluss dafür sei schon am 9. April 2013 gefasst worden, so Starcke, der in Auerberg wohnt. Erst zwei Jahre später steht sie an ihrem Platz. Das Warten habe sich aber gelohnt. "Ich finde die Stele ausgesprochen gelungen." Dem schließt sich Neu an. Auch der Ort neben dem Wohnkomplex, der gerade gebaut wird, sei gut gewählt. "Das Neue korrespondiert gut mit dem Hinweis auf das Alte", sagt er. Das sollte auch die Alteingesessenen interessieren: "Wer seine Wurzeln nicht kennt, der kennt sich selber nicht."