Animagic in Bonn: Helden mit grellem Haar

Animagic in Bonn : Helden mit grellem Haar

Grellgrüne Haare, ein keckes Hütchen auf dem Kopf, Kleider und Accessoires in poppig-bunten Farben: Schon früh am Morgen pilgerte am Freitag ein seltsames Völkchen durch die Bonner City, argwöhnisch beäugt von ungläubigen Passanten.

Seit 2006 treffen sich die Manga- und Anime-Fans zur Animagic in Bonn. Dafür verwandeln sich viele Messebesucher mit fantasievollen und aufwendig gestalteten Kostümen in ihre Zeichentrick-Helden. Manche tragen Elfenohren oder haben kleine Hörner, andere halten seltsamen Waffen in Händen. Insgesamt erwarten die Messeveranstalter rund 16 000 Besucher aus ganz Europa. „Wir haben sogar eine Anmeldung aus Kanada“, freut sich Sophia Weiß über das Interesse an der Animagic.

Japanische Zeichentrickfilme, auch Anime genannt, haben mittlerweile eine große Fangemeinde auf der ganzen Welt. Anime, abgeleitet vom englischen Begriff Animation, gilt als Überbegriff für Techniken, mit denen im Film Zeichnungen zum Leben erweckt werden. Zusammen mit dem Manga, dem unbewegten japanischen Comic, begeistern die Filme ganz unterschiedliche Altersgruppen.

Bilderstrecke Animagic

Schon seit frühester Kindheit ist Stefan Fischer aus Siegburg ein Fan der japanischen Serie „Kill la Kill“. Da er erst im Herbst mit seinem Studium beginnt, hatte er in den vergangenen Wochen Zeit genug, um sich auf das Treffen mit Gleichgesinnten vorzubereiten. Für seine Rolle als Satsuki Kiryuin hat er in stundenlanger Arbeit sein eigenes Kostüm genäht. „Daran habe ich vier Wochen lang Tag für Tag gearbeitet. Ganz alleine“, erzählt er stolz. Damit ist er gleich am Eingang ein Blickfang – und wird von vielen anderen Besuchern fotografiert. Um mit seinem Outfit durch die Stadt zu laufen brauchte er jedoch auch eine große Portion Mut: Lediglich ein blau-weißes Bustier, ein paar Spitzenstraps und lange Overknees-Strümpfe trägt er als Satsuki Kiryuin. Dass der Tag auf jeden Fall schmerzhaft enden wird, war klar. „Ich brauchte natürlich blaue Ballerinas. Die habe ich nur in Größe 42 bekommen, obwohl ich normalerweise 47 trage“, erzählt der Siegburger. Begleitet wird er von seiner Freundin Luisa Schmitz. Passend zu Stefan ist sie als Ryuko Matoi unterwegs. Originalgetreu hat sie auch die Hälfte einer riesigen roten Schere dabei.

Für viele Manga- und Anime-Fans ist allerdings die Begegnung mit den bekannten Zeichnern aus Japan und Deutschland der Höhepunkt der Messe. „Ich will auf jeden Fall ein Autogramm von Shinichiro Kashiwada oder Seiji Mizushima haben. Allein dafür hat sich die Reise nach Bonn für mich schon gelohnt“, sagt Yannick Brehm, der aus Hannover angereist ist. Rund um das Festival wird zudem alles angeboten, was das Herz der Fans höher schlagen lässt: Taschen und Tassen mit den verschiedenen Figuren, Kissen, Luftmatratzen, T-Shirts, Puppen und Bücher. Selbst Plüschohren mit Glitzersteinen verziert oder Handyhüllen und Kopfhörer mit kleinen Cupcakes dekortiert werden angeboten.

Auf der Hauptbühne im großen Saal findet diesen Samstag zudem ein Cosplay-Wettbewerb statt, bei dem neben der Umsetzung des Kostüms vor allem die Verkörperung des dargestellten Charakters im Vordergrund steht. Außerdem zeigen Showgruppen aufwendige Stücke mit Anime/Manga-Bezug im Stil von Theater- und Musical-Darbietungen.

Die Animagic ist ausverkauft. Eventuell gibt es noch Restkarten an der Kasse vor der Beethovenhalle. Mehr Fotos gibt es auf www.ga-bonn.de/animagic