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Bonner Jugendliche beim Kirchentag: Heiße Tage, kurze Nächte, tolle Stimmung

Bonner Jugendliche beim Kirchentag : Heiße Tage, kurze Nächte, tolle Stimmung

"Die Tage sind heiß und lang, die Nächte entsprechend kurz und die Stimmung toll." Mit diesen Worten fasst der Beauftragte des Kirchenkreises Bonn für den Kirchentag, Pfarrer Jörg Zimmermann, die Stimmung unter den Bonner Jugendlichen zusammen, die am vergangenen Mittwoch mit dem Bus zum 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Stuttgart aufbrachen - und am Sonntagmorgen bereits um 6 Uhr wieder ihre Schlafmatten in einer Grundschule in Kornwestheim verlassen mussten, um rechtzeitig zum großen Schlussgottesdienst auf dem Cannstatter Wasen zu sein.

Gegen Mittag hieß es dann Abschied nehmen von einem Kirchentag, den die Bonner Jugendlichen so schnell nicht wieder vergessen werden. Malte Kleiß (14): "Bei Großveranstaltungen des Fußballs sind immer zwei Gruppen gegeneinander, hier sind alle miteinander." Die Jugendlichen aus Bonn erhielten von ihren Kirchenkreisen eine finanzielle Unterstützung für die Teilnahme. Insgesamt schätzt Bonns Pressepfarrer Joachim Gerhardt, dass rund 2000 Menschen aus der Bonner Region an dem Treffen unter der Losung "damit wir klug werden" teilnahmen - als Besucher, als Ordner, als Bläser oder als Programmgestalter.

Zimmermanns Kollege aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, Pfarrer Siegfried Eckert, war vor allem wieder auch auf diesem Kirchentag als Programmgestalter gefragt. Zum Abschluss moderierte er am Samstagabend die Großveranstaltung in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle mit dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und dem Arzt Eckart von Hirschhausen.

Am Vormittag hatten die Konfirmanden aus Poppelsdorf noch einen Platz in der 10.000 Menschen umfassenden Schleyer-Halle zur Bibelarbeit mit von Hirschhausen ergattert. Die meisten von ihnen kannten den Bonner nur als Arzt im Komikergewand, nun erlebten sie den Pfarrerssohn als nachdenklichen Ausleger der Bibel.

Pfarrer Gerhardt, dessen Tochter Luisa es sich nicht nehmen lassen wollte, als Konfirmandin erstmals an einem Kirchentag teilzunehmen, sagte: "Keine Frage: Kirchentag ist gerade für die Jugendlichen ein großes, unbeschwertes Fest auch der persönlichen Freiheit. Aber auch politische Themen spielen eine Rolle, etwa soziale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung." Die große Hitze, die während des Kirchentages über Stuttgart lag, machte auch den jungen Bonnern zu schaffen. Als der General-Anzeiger die Poppelsdorfer Konfirmanden im Jugendzentrum nahe der großen Arenen besuchte, hatten sie einen schattigen Platz unter Zeltplanen gefunden und warteten darauf, dass die von ihnen in die Stadt geschickten Kameraden endlich mit dem Mittagessen zurückkehrten.

Das Mittagessen wurde von den Jugendlichen selbst zusammengestellt und eingekauft. "Das Geld dafür kommt aus der Kirchenkasse", erklärte Pfarrer Gerhardt. Angesichts der Hitze hatte er auch Verständnis dafür, dass seine Konfirmanden an einem Nachmittag das Programm der insgesamt 2500 Veranstaltungen Programm sein ließen und sich auf den Weg zum Schwimmbad machen wollten. Schließlich mussten sie abends wieder für das Musikprogramm fit sein. "Besonders gefragt, wie hätte es anders sein können, waren die Wise Guys."

Christian Groteklas und Oliver Pohle (beide 15) fanden es "ganz cool", Bundespräsident Joachim Gauck gesehen zu haben. Und Gerhardts Tochter Luisa, die kommenden Sonntag in der Lutherkirche von ihrem Vater konfirmiert wird, sagte: "Da ist das gemeinsame Singen hier doch schon mal eine super Einstimmung." Moritz Schultheis hat besonders der Auftaktgottesdienst auf den Schlosswiesen am Mittwochabend und der "Abend der Begegnung" mit dem riesigen Meer aus 150 000 Kerzen beeindruckt: "Ich habe noch nie mit so vielen Menschen zusammen gebetet." Und für Amelie Petersen (13) steht nach den erlebnisreichen Stuttgart Kirchentagen schon jetzt fest: "Beim nächsten Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg möchte ich unbedingt wieder dabei sein."