Hauptbahnhof Bonn: Vorwürfe gegen Bundespolizei nach Massenschlägerei

Großeinsatz am Bonner Hauptbahnof : Vorwürfe gegen Bundespolizei nach Massenschlägerei

In Remagen waren Rechte und Linke noch strikt getrennt worden, in Bonn prallten sie aufeinander. Die Ermittlungen zu der Massenschlägerei am Hauptbahnhof dauern an, es gibt Kritik am Verhalten der Bundespolizei.

Nach der Massenschlägerei am Bonner Hauptbahnhof am Samstagabend hat die Polizei unter Verweis auf laufende Ermittlungen vorerst keine weiteren Informationen herausgegeben. Auch zu Fragen nach der Einsatztaktik der Ordnungshüter schweigen sich die Sicherheitskräfte bis auf weiteres aus. Die aber wird seitens einiger Beteiligter vehement kritisiert.

Am Samstag waren an Gleis 1 des Hauptbahnhofs rechte und linke Demonstranten aneinandergeraten. Beide Gruppen waren auf der Heimreise aus Remagen, wo sich die Rechten an einem Trauermarsch im Gedenken an die Opfer der alliierten Rheinwiesenlager, die Linken an einer Gegendemonstration beteiligt hatten. Laut Augenzeugen lieferten sich rund 100 Personen eine Massenschlägerei. Von nennenswerten Verletzungen wurde im Nachgang nichts bekannt.

Nicht nur in gesundheitlicher, auch in juristischer Hinsicht bleibt die Prügelei offenbar ohne gravierende Folgen. Anzeigen wegen Körperverletzung lagen der Bonner Polizei bis Montagnachmittag ebenso wenig vor wie wegen Sachbeschädigung. Wohl aber werde seitens des Bonner Staatsschutzes nun gegen rund 40 Personen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt. Die Bonner Ordnungshüter hatten spontan in der Innenstadt eingegriffen, wohin ein Teil der Kontrahenten während der Auseinandersetzung ausgewichen war. So wurden offenbar auch am Kaiserplatz und rund um das neue Maximilianzentrum Personen kontrolliert. Alle Beteiligten konnten ihre Heimreise danach ungehindert fortsetzen.

Videomaterial wird ausgewertet

Bis zum frühen Abend war die Bonner Polizei in die Demonstrationen in Remagen nicht involviert gewesen. Das Geschehen vor Ort überwachten die rheinland-pfälzischen Kollegen, an den Bahnhöfen ist die Bundespolizei zuständig. Vom Bahnhof Remagen wurden keine Zwischenfälle gemeldet, dafür dann um kurz nach 18 Uhr in Bonn.

Fragen nach ihrem Einsatzkonzept möchte die Bundespolizei derzeit allerdings nicht beantworten. „Auch das ist Gegenstand der Ermittlungen“ antwortete eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion in Köln am Montag auf die Frage, warum die Züge mit Demonstrationsteilnehmern nicht von Beamten begleitet worden seien. Sollten sie hingegen doch polizeilich begleitet gewesen sein, stellte sich wiederum die Frage nach der Wirksamkeit dieser Bewachung.

Zur Aufarbeitung der Ereignisse gehört nach Angaben der Sprecherin auch die Auswertung des Videomaterials sowohl von Bahnsteig 1 als auch aus dem Zug. Über die Qualität der Aufnahmen sei jedoch noch nichts bekannt. Dies gilt aus Sicht der Behörde ganz offenbar auch für die Frage, von wem die Aggression ursprünglich ausgegangen ist. Die Vertreter der linken Gruppen haben sich diesbezüglich unterdessen festgelegt und stellen ihre Sicht der Dinge in einer längeren Pressemitteilung dar, deren Absender ein „Antifaschistisches Bündnis“ ist. Demnach seien die Kontrahenten am Bonner Hauptbahnhof in den Zug eingestiegen und hätten dann unvermittelt Menschen angegriffen, die sie als Gegendemonstranten ausgemacht hätten. So sei etwa zu viert auf eine Frau eingeprügelt worden.

Antifaschistisches Bündnis verurteilt Polizeiverhalten

Anhand von Fotos versuchen die Urheber der Pressemitteilung zudem zu belegen, dass die mutmaßlichen Angreifer mit einem Totschläger aus Metall und einem mit Quarzsand gefüllten Lederhandschuh bewaffnet gewesen seien. Detailliert gibt die Erklärung des „Bündnisses“ zudem ebenfalls mittels Porträtfotos Aufschluss über Identität und Herkunft von mutmaßlichen Teilnehmern der rechtsextremen Demonstration, die im Umfeld der Partei „Die Rechte“ aus Oberhausen, Duisburg und Düsseldorf zu verorten seien.

Während von der Gegenseite am Montag keine Informationen zu erhalten waren, verurteilt das „Antifaschistische Bündnis“ das Verhalten der Polizei als skandalös. „So wurden die Neonazis in Remagen dieses Jahr nicht durchsucht, obwohl dabei in den letzten Jahren regelmäßig Waffen gefunden wurden“. Zudem habe die Polizei den Remagener Bahnhof „über Stunden gesperrt“, um ein direktes Aufeinandertreffen zu verhindern.