Fertigstellung bis 2021: Halbzeit bei den Bauarbeiten auf der Viktoriabrücke in Bonn

Fertigstellung bis 2021 : Halbzeit bei den Bauarbeiten auf der Viktoriabrücke in Bonn

Die Stadt Bonn und Tiefbauchef Peter Esch hoffen für Ende 2021 mit der Fertigstellung der Bonner Viktoriabrücke. Autofahrer müssen bis dahin zeitweise mit Sperrungen rechnen. Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Arbeiten.

Wer die Viktoriabrücke überquert, kann deutliche Baufortschritte erkennen. Gerade erst hat ein rund 60 Tonnen schwerer und 20 Meter hoher Bohrer einen Stützpfahl nach dem anderen in den Boden gesetzt. Auch der neue, vier Meter breite Fußweg auf der östlichen Brückenhälfte ist nahezu fertiggestellt. Ende 2021, so hofft Tiefbauamtsleiter Peter Esch, soll dann die Nachfolgerin der 1949 gebauten und 1963 verbreiterten Viktoriabrücke freigeben werden.

Lange Zeit hatte man den Eindruck, auf der Baustelle tue sich nichts. Jetzt schreiten die Arbeiten voran. Ende Mai soll die östliche Brückenhälfte komplett fertig sein. Dann soll der Abriss der westlichen Hälfte der Brücke folgen. Der Neubau ist nötig, weil die Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet war. Seit 2010 ist die Brücke für den Schwerlastverkehr gesperrt. Seit Beginn der Abbrucharbeiten fließt der Verkehr halbseitig auf einer Spur in jede Richtung. Radfahrer und Fußgänger teilen sich den leicht verbreiterten Bürgersteig auf der westlichen Seite in beide Richtungen.

Esch rechnet damit, dass der Bau der zweiten Brückenhälfte deutlich unkomplizierter wird. „Wegen der Sperrpausen der DB, die wir unbedingt benötigen, haben wir damals mit dem Bau angefangen, ohne die Planung fertiggestellt und alle Gewerke ausgeschrieben zu haben“, erklärt er den anfänglichen Stillstand auf der Baustelle. Das erkläre auch die Kostensteigerung von geschätzten 24,6 Millionen auf nun 45 Millionen Euro. „Ich gehe davon aus, dass wir mit keinen weiteren Erhöhungen mehr rechnen müssen, weil wir einen Puffer eingebaut haben.“

Die Arbeiten schreiten sichtlich schneller voran als in den vergangenen Monaten. Foto: Benjamin Westhoff

Arbeiten für den Neubau

Gespannt wartet Esch nun auf den November. Dann soll der schwierigste Teil des Neubaus erfolgen: Es wird der östliche Brückenbogen, der aus sechs Teilen besteht, über die DB-Gleise auf die sogenannten Brückenwiderlager gelegt. „Das Einheben der Brückenbögen wird eine Riesengeschichte“, sagt Esch. Für diese Arbeit muss eigens ein großer Kran mit Hilfe eines anderen Krans aufgebaut werden. Möglicherweise müsse die Brücke zeitweise für den Verkehr gesperrt werden. Es soll aber vorwiegend nachts gearbeitet werden, schließlich ist die Brücke eine der wichtigsten Verbindungen in Bonn – und darunter fahren Züge.

Hat alles geklappt, ist die andere Seite der Brücke an der Reihe. Wie gehabt wird der Radverkehr auch während dieser Arbeiten wieder über den Fußweg geführt, doch bietet der neue, vier Meter breite Bürgersteig deutlich mehr Platz als der bisherige Weg auf der gegenüberliegenden Seite . „Der ist gerade mal 1,50 Meter breit“, weiß Esch. Radfahrer auf der Straße radeln zu lassen, wie ursprünglich geplant, ist zu gefährlich.

Hellere und breitere Rad- und Fußgängerunterführung

Bis Herbst 2020 soll der westliche Teil abgebrochen sein, dann beginnen dort die Arbeiten für den Neubau. Im August/September 2021 müsse die Brücke auf jeden Fall für mehrere Tage gesperrt werden, weil dann die beiden Hälften miteinander verbunden und verschweißt werden. „Das funktioniert nicht, wenn auf einer Seite der Verkehr rollt“, erklärt Esch. Er hofft, dass diese Arbeit möglichst in den Sommerferien 2021 erfolgen kann. „Das wäre der Idealfall.“ Bis zur Eröffnung der neuen Brücke soll auch die neue Rad- und Fußgängerunterführung von der Endenicher zur Rabinstraße fertig sein. Sie soll laut Esch doppelt so breit wie die bestehende und viel heller ausgestaltet sein.

Für die Rampe von der Viktoriabrücke zur Thomastraße werde die Stadt demnächst die Planfeststellung bei der Bezirksregierung beantragen. Dies sei erforderlich, weil es sich um ein neues Projekt handele und davor Betroffene, wie etwa Anlieger, angehört werden müssten. „Wenn alles glatt läuft, können wir die Rampe nächstes Jahr parallel zum Brückenbau errichten.“ Ob der ebenfalls geplante Lichterbaldachin bei der Einweihung über der Brücke leuchten wird, ist indes fraglich. „Das hat das Architekturbüro zwar sehr schön geplant, aber ich wüsste bisher niemanden, der so etwas bauen kann“, zeigt Esch sich skeptisch.

Wie der General-Anzeiger berichtete, hatte die Verwaltung sich ursprünglich gegen den Lichterhimmel, die Politik aber auf Empfehlung des Gestaltungsbeirats dafür ausgesprochen. Inzwischen hat der Verwaltung zufolge die DB ihre Zustimmung zum Baldachin gegeben. Der soll wie ein Netz gespannt und an Stützen befestigt werden. Was dieser Lichterhimmel letztlich kosten wird, weiß Esch noch nicht.

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