Hakenkreuz-Grundriss: Volksbank-Gebäude in Bonn auf Wanderkarte

Auf Wanderkarte des Rhein-Sieg-Kreises : Gebäude in Bonn sieht auf Karte aus wie Hakenkreuz

Das Gebäude der Volksbank am Hochkreuz in Bonn ist auf einer Wanderkarte des Rhein-Sieg-Kreises als Hakenkreuz eingezeichnet. Eine schnelle Korrektur lehnt der Kreis ab.

Jahrelang ist wohl niemanden aufgefallen, dass auf der Wanderkarte vor dem Löwenburger Hof im Siebengebirge ein Hakenkreuz versteckt ist. Bis GA-Leser Christian König darauf stieß und sich in der Redaktion meldete. Auf dem offiziellen Dokument ist der Grundriss des Bonner Volksbank-Hauses an der Heinemannstraße als Hakenkreuz eingezeichnet, was nicht nur die Volksbank Köln-Bonn, sondern auch die Behörden wundert. Niemand kann sich erklären, wie es dazu gekommen ist. Einen schnellen Umtausch wird es nicht geben.

Erinnert vom Satelliten aus nur entfernt an ein Hakenkreuz: Das Volksbank-Haus an der Heinemannstraße. Foto: Google Earth

Eigentlich wollte König einigen Ortsunkundigen nur kurz eine Route erklären und warf einen Blick auf eine der großen Wanderkarten, die er sonst nie beachtet. Unterhalb der Rheinaue blieb er hängen, auf einem schwarzes Hakenkreuz. Als König den Grundriss mit anderen Karten verglich, stieß er auf das Gebäude der Volksbank Köln-Bonn. "Ich musste unwillkürlich an die Geschichte von der US Navy Amphibious Base in Coronado bei San Diego denken." Dort gab es ein Gebäude mit ähnlichem Grundriss, was erst durch Satellitenbilder von Google Maps auffiel (siehe "Umbau für 600.000 Dollar“). Das war Washington derart peinlich, dass man die Kaserne umbaute. Auch König wandte sich an die Verantwortlichen. "Ein Versuch, der Bank eine Änderung der Wanderkarten schmackhaft zu machen, ist leider misslungen", erzählt er.

Volksbank: Selbstverständlich unangenehm

Auch Volksbank-Sprecher Wilhelm Wester ist die Sache unangenehm. "Es versteht sich von selbst, dass uns nichts ferner liegt, als mit dem Grundriss des Volksbank-Hauses ein Statement und schon gar nicht eins zu verbinden, dass auch nur annäherungsweise in die Richtung von verbotenen Nazi-Symbolen weist", sagt er. Doch in diesem Fall seien der Bank die Hände gebunden: Man sei für die Wanderkarte schlichtweg nicht verantwortlich.

Eröffnet wurde das Volksbank-Haus 2001 anlässlich des hundertjährigen Bestehens der damaligen Volksbank Bonn Rhein-Sieg. Es besteht aus vier Bauteilen, die um einen zentralen Innenbereich, das Volksbank-Forum, gruppiert sind. "Diese vier Bauscheiben beherbergen im Erdgeschoss Konferenz- und Beratungsräume, Schulungsräume, eine SB-Stelle sowie ein Kasino mit Küche", erklärt Wester. In den darüberliegenden Geschossen sind Büros, und im fünften Obergeschoss, das leicht zurückgesetzt ist, gibt es weitere Konferenzräume sowie die Büros des Vorstandes mit den dazugehörenden Arbeitsbereichen der Assistenzen.

Insgesamt ist Platz für rund 240 Mitarbeiter. Dort sind alle Back-Office-Abteilungen der Volksbank zusammengezogen. "Das Forum wird gern für Konzerte - wegen der guten Akustik -, Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art wie Abiturfeiern oder im September für die Ideenbörse genutzt", sagt Wester. Wie die kuriose Markierung entstanden ist, lässt sich in anderen Karten zumindest teilweise nachvollziehen. Die Gebäudearme ähneln tatsächlich dem Symbol, allerdings ist das Zentrum des Hauses viel größer - wodurch es auf Satellitenbildern keineswegs wie ein Hakenkreuz aussieht. Offenbar wurde es stark reduziert eingezeichnet. "Wir wollen den Hinweis aufgreifen und den Verschönerungsverein Siebengebirge ansprechen, damit bei einer Neuauflage der Wanderkarte das Volksbank-Haus neutral dargestellt wird", so Wester.

Kreis verwendet historische Karten

Doch der Verschönerungsverein Siebengebirge (VVS) ist nach eigenen Angaben nicht zuständig. "Ich verwahre mich gegen die Unterstellung, dass es sich bei der Wanderkarte um eine Karte des VVS handeln würde", sagt Vorsitzender Werner Stieber. Er verweist auf den Rhein-Sieg-Kreis als Untere Naturschutzbehörde, der an eine externe Firma den Auftrag erteile, die im Siebengebirge aufgestellten Wandertafeln mit den Wanderkarten zu versehen.

Der Kreis hat dafür historische Karten von Geobasis NRW, dem früheren Landesvermessungsamt, verwendet. "Es handelt sich um amtliches Kartenwerk, dass wir für solche Zwecke immer zugrunde legen", sagt Kreissprecherin Rita Lorenz. Man habe nach dem Hinweis beraten, ob man die Karten austauscht. "Aber das würde bei der großen Zahl der Tafeln Kosten verursachen, die vom Fachbereich nicht als gerechtfertigt angesehen werden." Zudem gebe es hinter dem Grundriss "keine politische Aussage". Bei Neuauflagen der Wanderkarten wolle man das Gebäude anders einzeichnen.