Kommentar zur Opern-Instandsetzung: Guter Plan, leider zu spät

Kommentar zur Opern-Instandsetzung : Guter Plan, leider zu spät

Nach zweieinhalbstündiger Debatte haben die Ratspolitiker am Dienstagabend den Grundsatzbeschluss zur Instandsetzung von Oper und Kammerspielen ohne Abstimmung verschoben.

Das ist ein mutiger Vorstoß der SPD. Mitten in die Diskussion um die Instandsetzung von Oper und Schauspiel platzen die Genossen mit der Frage, ob ein Neubau für beide Sparten nicht der bessere Weg wäre. Vermutlich ist die Idee völlig richtig: Anstatt 100 Millionen Euro – am Ende wohl eher noch mehr – in eine Instandsetzung der Altbauten ohne Attraktivitätsgewinn zu stecken, dürfte ein effizienter Neubau die zukunftsträchtigere Lösung sein, auch wenn der Umzug der Kammerspiele ein harter Schlag für die Kulturfreunde in Bad Godesberg wäre. Allein – es ist zu spät.

Der Prüfauftrag der SPD wird im Rat wahrscheinlich abgelehnt, weil die Mehrheit der Politiker sich vor Jahren für den Erhalt des Alten entschieden hat, das über Jahrzehnte vernachlässigt worden ist. Modernisierung der Beethovenhalle statt neues Festspielhaus mit Post-Unterstützung; Bestandsgarantie für die Kammerspiele statt Zusammenführen von Oper und Schauspiel an einem Standort.

Außerdem drängt die Zeit, vor allem wegen der massiven Brandschutzmängel. Ein Neubau wäre zudem teurer als das reine Beheben der gröbsten Mängel in den Altgebäuden. Ein solches Projekt kann sich die Stadt heute, mit 1,7 Milliarden Euro verschuldet, wohl nicht mehr leisten. Da Sozialausgaben und Kosten für das Stadtpersonal ungebremst weiter steigen, steht ja sogar hinter der Investition für die reine Instandsetzung ein dickes Fragezeichen.

Umso wichtiger, dass die Stadt nun nach der günstigsten Variante sucht. Generalintendant Bernhard Helmich hat natürlich das Interesse, seine Häuser offen zu halten. Vorübergehende Schließungen würden teurer, behauptet der Theaterchef. Da es aber auch um die Interessen der Bonner Steuerzahler und nicht nur der Opernfans geht, sollte diese Behauptung gründlich geprüft werden.

Einschränkungen für Oper und Schauspiel während einer Schließzeit von ein oder zwei Jahren können angesichts der Finanznot kein Tabu sein. Der Rat braucht harte Zahlen. Wenn das Städtische Gebäudemanagement sie nicht liefern kann, muss die Stadt eben leider wie geplant 2,2 Millionen Euro für externe Planer investieren.

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