Bonner Verkehr auf der Brückenbaustelle: Grüne: Viktoriabrücke soll Fahrradstraße werden

Bonner Verkehr auf der Brückenbaustelle : Grüne: Viktoriabrücke soll Fahrradstraße werden

Der Grünen-Fraktionschef Peter Finger hält jetzige Regelung für brandgefährlich. Der Landtagsabgeordnete Rolf Beu hegt Zweifel: Die Idee, die Viktoriabrücke zur Fahrradstraße zu machen, sei rechtlich nicht durchsetzbar.

Seitdem die Bauarbeiten für den stufenweisen Abriss und die Erneuerung der Viktoriabrücke vor zwei Monaten begonnen haben, reißt die Kritik an der Verkehrsführung nicht ab. Es geht vor allem um die Frage, wie der Radverkehr einigermaßen sicher über die nur noch halbseitig befahrbare Brücke geführt werden kann.

Die derzeitige Lösung, bei der sich Fußgänger und Radfahrer den Bürgersteig teilen müssen, führt nach Beobachtung von Grünen-Ratsfraktionssprecher Peter Finger immer wieder zu brenzligen Situationen. Er schlägt deshalb vor, die Brücke als Fahrradstraße auszuweisen.

Finger nutzt die Route über die Viktoriabrücke als passionierter Radfahrer täglich für seinen Weg zur Arbeit. „Es ist unglaublich, welche Szenen ich dabei schon mit ansehen musste“, sagt er dem GA. So seien Radler etwa beim Umkurven der Laternenmasten des Öfteren in Gefahr geraten, auf die Straße zu kippen und dabei von einem Auto erfasst zu werden. „Der Bürgersteig ist trotz der Verbreiterung viel zu eng, um Fußgänger und Radfahrer in beide Richtungen aufnehmen zu können“, sagt Finger.

Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung nach anfänglicher Duldung das Radfahren auf der Fahrbahn wegen hoher Unfallgefahr untersagt, die Radler sollten stattdessen ihr Gefährt über die Brücke schieben. Dagegen hatte unter anderem der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ein Veto eingelegt. Die Stadt Bonn ließ daraufhin für rund 60 000 Euro den Bürgersteig um 60 Zentimeter verbreitern und zu den Bahngleisen hin einen Bauzaun als Fangschutz errichten. Seither dürfen die Radfahrer über den Bürgersteig fahren.

„Wir können nicht abwarten, bis ein schlimmer Unfall passiert ist“, sagt Finger und schlägt vor, die Fahrbahn wieder für die Radler freizugeben. Damit sie aber nicht von Autofahrern überholt und dabei wieder in Gefahr gebracht werden, soll die Stadt die Viktoriabrücke während der Bauzeit in eine Fahrradstraße umwidmen. Dann hätten die Radfahrer auf jeden Fall Vorrang und dürften auch nebeneinander fahren.

Außerdem solle auf der Bücke nur noch Tempo 20 gelten. „Diese Überlegungen haben wir auch innerhalb der Stadtverwaltung diskutiert“, sagte Stadtbaurat Helmut Wiesner dem GA auf Nachfrage. Aus der Straßenverkehrsordnung hätten sich indes rechtliche Unsicherheiten ergeben, weshalb die Stadt Bonn die Bezirksregierung Köln um eine Einschätzung gebeten habe.

Demnach wäre eine Fahrradstraße „formalrechtlich“ wohl abzulehnen, sagte Wiesner. „Da es sich hier aus meiner Sicht aber um eine Sondersituation handelt, werden wir noch einmal das Gespräch mit der Bezirksregierung suchen“, versprach er.

Grünen-Landtagsabgeordneter Rolf Beu sieht da keine Chance: „Auf Bundesfernstraßen sind Fahrradstraßen nicht möglich“, weiß er. Hintergrund: Die Viktoriabrücke ist Teil der B 56. Beu hat indes einen anderen Vorschlag: Wenn man die Fahrbahn mit sogenannten Fahrbahntrennern unterteile, könnten Autofahrer die Radfahrer nicht mehr überholen. Diese könnten so sicherer auf der Fahrspur radeln.

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