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Ist Botox schuld?: Gift soll Entensterben in der Rheinaue verursacht haben

Ist Botox schuld? : Gift soll Entensterben in der Rheinaue verursacht haben

Warum sind in diesem Sommer so viele Enten und andere Vögel in der Rheinaue verendet? Die Stadt Bonn hat jetzt eine Antwort.

Die Stadt gibt zunächst Entwarnung in Bezug auf die Befürchtung, dass es sich um Geflügelpest gehandelt haben könnte. Wahrscheinlich sei aber, dass die Tiere an Botulismus qualvoll gestorben seien. Ablagerungen am Grund des Rheinauensees fördern die Verbreitung gefährlicher Bakterien – mit schwerwiegenden folgen für die Enten.

Die ersten verendete Tiere hatte eine Frau der Stadt gemeldet. Die verwies sie allerdings nach eigenen Aussagen an den dort zuständigen Jäger, weil es sich bei Enten um Wildtiere handele. Derweil kamen drei Kadaver zur Untersuchung auf Geflügelpest in Chemische und Veterinäruntersuchungsamt nach Krefeld. Ergebnis negativ. Zehn weitere tote Enten wurden noch gemeldet. Eine höhere Zahl sei anzunehmen, teilt die Stadt mit.

So wie die Bürger die Symptome schildern, geht die Verwaltung von Botulismus aus: „In anderen Städten und Kreisen mit ähnlichen Seen war es bereits früher im Jahr zu auffälligem Sterben von Enten und anderem Wassergeflügel gekommen.“

Gift auch als Botox bekannt

Das Problem ist die viele organische Substanz im See, die die Verbreitung des Botulismusbakteriums (Clostridium botulinum) begünstigt. Diese Bakterien produzieren dann nach Auskunft der Bonner Umweltamtsleiterin Ute Zolondek ein Nervengift – besonders bei sommerlicher Hitze. „Das Nervengift ist übrigens aus kosmetischer Anwendung als Botox bekannt.“ Botulismus werde auch über Lebensmittel übertragen. So sinken beim Füttern die zunächst ungiftigen Brotreste auf den Grund, die dann auch die Ausbreitung von Botulismus fördern. So habe die Stadt nun Schilder bestellt, die das Füttern der Tiere verbieten, so Dieter Fuchs vom Amt für Stadtgrün.

Wie berichtet, algt der See jeden Sommer immer wieder zu. Die Stadt hatte in der vergangenen Saison zumindest schon Schlingpflanzen beseitigen lassen. Für kommendes Jahr ist dann geplant, das Wasser abzulassen, um den über Jahrzehnte angesammelten Schlamm am Boden zu entfernen. Wenn das Geld bewilligt wird, soll der See bis Sommer 2018 gereinigt sein.

Hanno von Raußendorf und Michael Faber von den Linken wollten auch wissen, ob „die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung erkrankter Tiere“ bestehe. Sie bräuchten eigentlich eine intensive und fachgerechte Pflege, zu der Veterinärverwaltung und Tierheim personell aber nicht in der Lage seien. Doch selbst wenn diese gewährleistet werden könne, „ist die Überlebenschance mutmaßlich gering“, erklärt das Umweltamt.