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Oper und Kammerspiele: Gewaltiger Sanierungsstau bei Bonner Kulturstätten

Oper und Kammerspiele : Gewaltiger Sanierungsstau bei Bonner Kulturstätten

Architekten legen im Bonner Kulturausschuss erste Untersuchungsergebnisse über den baulichen Zustand der Bonner Oper und der Bad Godesberger Kammerspiele vor. Heikles Thema ist die völlig veraltete Brandschutzanlage.

Sabine Netter und Thomas Lüdicke von der Planungsgesellschaft Daberto und Kollegen haben im Kulturausschuss Tacheles zum Zustand von Oper und Kammerspielen geredet. „Es gibt Baustellen, die müssen sofort in Angriff genommen werden“, sagte Lüdicke. Er und Netter präsentierten die ersten Ergebnisse ihrer Untersuchungen zum Zustand der beiden Gebäude. Zusammenfassend muss man wohl sagen: Es ist so schlimm wie befürchtet.

Die geplante Instandsetzung beider Häuser betrifft Bühnentechnik, Brandschutz, Haustechnik und Architektur. Noch vor dem Beethovenfest im Jahr 2020 muss aus Sicht der Architekten etwas für den Brandschutz getan werden, am besten in den Spielpausen. Wie der Technische Direktor des Bonner Theaters, Jens Lorenzen, dem GA sagte, seien beispielsweise die Brandschutzklappen völlig veraltet. Diese Vorrichtungen in der Brandschutzanlage verhindern, dass Flammen bei einem Feuer schnell auf andere Räume übergreifen können.

Mit Fotos zeigten die beiden Gutachter exemplarisch, wo Probleme liegen: Der Warmwasserkessel in der Oper ist verkalkt und undicht, ein darunter aufgestellter Plastikbehälter fängt die Tropfen auf. Die Anlagen ist von Legionellen befallen. In den Verteilerkästen für die Bühnenbeleuchtung der Kammerspiele sind Kabel nach heutigen Gesichtspunkten nicht normgerecht verlegt.

Sicherheitsrisiken bei der Bühnentechnik

Kabel, die nicht den heutigen Brandschutzbestimmungen entsprechen, verlaufen durch die Fluchtwege. Teile der Aluminiumaußenfassade sind ausgebrochen und das Holz darunter verrottet. Dort könnte laut Lüdicke „Gefahr im Verzug sein“. Die Bühnentechnik in Bad Godesberg entspricht nicht modernen Standards. Innerhalb der Aufführungen kann die Bühne nur bewegt werden, wenn die Darsteller das Podium verlassen. In der Oper wiederum setzen die Techniker einen Wagenheber mit selbstgebautem Antrieb ein; die Gutachter sehen darin ein mögliches Sicherheitsrisiko.

Die Münchner halten es deshalb für sinnvoll, die Kammerspiele für etwa ein Jahr zu schließen. Genannt wurde das Jahr 2019, um detailliert vorplanen und vor dem Beethovenjahr 2020 wieder auf die Spielstätte zugreifen zu können. Die Produktionen müssten in diesem Zeitraum an anderen Orten stattfinden. Denkbar wäre eine Ersatzspielstätte auf dem Grundstück des Bonner Theaters in Beuel an der Siegburger Straße zu schaffen, um sie später als Probebühne für die Oper zu verwenden.

Sanierungsstau bei Oper und Kammerspielen

Die Oper soll dagegen bei vollem Spielbetrieb instand gesetzt werden. Geschätzte Zeitdauer: sechs bis acht Jahre, die sich an das Beethovenfest 2020 anschließen könnten. Theaterintendant Bernhard Helmich hält das Weiterspielen aus wirtschaftlicher Sicht für notwendig, um weiter Einnahmen zu generieren. Der kaufmännische Direktor Rüdiger Frings betonte, diese Entscheidung sei auch wichtig für Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen. „Logistisch und künstlerisch wird das aber eine enorme Herausforderung“, sagte Helmich.

Ziel ist Instandhaltung, nicht Generalsanierung

Ziel sei es nun, bis zum Sommer dieses Jahres einen Leistungskatalog aller notwendigen Maßnahmen auszuarbeiten und damit auch die Kosten benennen zu können. Auf Nachfrage, wie teuer die Instandsetzung würde, erklärte Lüdicke am Mittwochabend: „Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös sagen.“

Der Kulturausschussvorsitzende Helmut Redeker (SPD) betonte während der anschließenden Diskussion, dass „eine Instandhaltung und keine Generalsanierung“ geplant sei. Tim Achtermeyer (Grüne) riet dazu, die Ergebnisse der folgenden Untersuchung abzuwarten und dann eine „für die Stadt günstige Lösung zu finden“. Den Wunschvorstellungen Maria-Theresia van Schewicks (CDU), beide Gebäude bis zum Beethoven-Jübiläum fertig zu stellen, entgegnete Helmich mit den Worten: „Da hätten Sie etwas früher aufstehen müssen.“ An beiden Spielhäusern ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel getan worden.