Gericht in Bonn: Mann muss für Ohrfeige gegen Trainer 10.000 Euro zahlen

Fußballspiel in Beuel : Mann verpasst Trainer Ohrfeige und muss 10.000 Euro zahlen

„Patsch – da lag der Mann da“: Der Trainer kassierte eine saftige Ohrfeiger, der 45-jährige Vater eines Spielers nun dafür eine Geldstrafe von 10.000 Euro. Ihm gefiel nicht, wie der Trainer mit der Mannschaft seines Sohnes umging.

Im Fußball ist der Umgangston ja manchmal etwas rauer. Weil es ihm aber etwas zu rau erschien, wie ein Trainer mit der Mannschaft seines Sohnes umging, verpasste ein Bonner Vater dem Mann eine saftige Ohrfeige. Dafür fand er sich nun vor dem Amtsgericht wieder und wurde wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt.

Der Vorfall ereignete sich am 29. April vergangenen Jahres im Bonner Osten. Auf dem Fußballplatz an der Siebengebirgsstraße in Holzlar kickte gegen 11.15 Uhr gerade die D-Jugendmannschaft des BSV Roleber gegen den SC Volmershoven-Heidgen. Offenbar, weil die Gastelf nicht die Leistung abrief, die er von seinen Jungs erwartet hatte, nahm der SC-Trainer sie sich zur Brust: Weil eine Ecke nicht gut geklärt worden sei, habe er seinem Unmut durchaus sehr emotional und laut Ausdruck verliehen, erinnerte sich der gelernte Installateur vor Gericht.

Angeklagter: „Meine Mutter ist mir heilig“

Dass bei Spiel oder Training manchmal auch Kraftausdrücke gefallen seien, daraus machte der 62-Jährige auch als Zeuge keinen Hehl. Er sei aber niemals beleidigend geworden. Das sah der Angeklagte seinerzeit wohl anders: Er habe dem Trainer vom Spielfeldrand zugerufen, dass er so nicht mit den Kids reden könne, so der 45-jährige Unternehmer aus Alfter. Es habe sich ein heftiges Wortgefecht ergeben, und er sei wütend zu dem Trainer hinübergelaufen. Weil er unter anderem als Bastard bezeichnet worden sei, sei er dann derart in Rage geraten, dass er seinem Kontrahenten besagte Ohrfeige verpasst habe. „Meine Mutter ist mir heilig“, sagte er bei der Verhandlung. So lasse er sich nicht beleidigen.

„Patsch – da lag der Mann da“, erinnerte sich ein weiterer Zeuge – ein 55-jähriger Offizieller des Fußballverbands Mittelrhein – an die Eskalation. Der Angriff war offenbar so heftig, dass der Trainer zu Boden ging. Vor Schreck machte er sich direkt auf den Heimweg, nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte. Die Hämatome im Gesicht ließ er erst am nächsten Tag von einem Arzt begutachten.

Smartphone ging bei Auseinandersetzung zu Bruch

Und nicht nur das: Im weiteren Verlauf des Spiels sahen der Vater und ein Bekannter, wie eben jener Funktionär sie mit seinem Handy filmte. Es folgte eine weitere Auseinandersetzung bei der das Smartphone zu Boden und zu Bruch ging. Die gerufene Polizei wartete der Vater nicht mehr ab: „Ihr kennt mich ja und wisst, wo ich zu erreichen bin“, beschied er die Anwesenden und setzte sich in seinen Wagen. Das wussten sie tatsächlich, schließlich hatte er an jenem Tag den Kaffee für alle spendiert und ist vielen zudem als langjähriger Sponsor bekannt.

Dass der Trainer tatsächlich beleidigend geworden sei, konnte keiner der weiteren Zeugen bestätigen, und so blieb dem Vater nur, sich zumindest bei einer Spielermutter zu entschuldigen: Es tue ihm leid, ihm seien die Pferde durchgegangen. Sein Verteidiger hatte einen Freispruch gefordert. Die offen eingeräumte Ohrfeige sei eine Art Notwehr, weil er provoziert und beleidigt worden sei.

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