Erneute Vorfälle mit NX-Zügen: Geisterzug fuhr eine Woche lang ab Mehlem

Erneute Vorfälle mit NX-Zügen : Geisterzug fuhr eine Woche lang ab Mehlem

In den vergangenen Tagen ist es wiederholt zu Verwirrung am Mehlemer Bahnhof gekommen. Passagiere stiegen in Züge ein, die eigentlich leer ins Depot zurückkehren sollten. Nun hat National Express das Rätsel um die Geisterzüge gelöst.

Nach der unfreiwilligen Fahrt von 22 Passagieren in einem Zug der Regionalbahn 48 nach Köln kam es in den vergangenen Tagen wiederholt zu Verwirrung am Mehlemer Bahnhof. Dort ist nach Angaben von Berufspendler Michael Schaefer am Donnerstagmorgen erneut eine Frau in einen Zug eingestiegen, der auf dem Weg ins Depot war. Auch in diesem Fall ließen sich die Türen nicht öffnen. Erst nach einem Hinweis ließ der Lokführer sie aussteigen. Der Betreiber der Linie, die National Express Rail GmbH (NX) mit Sitz in Köln, hat mehrere Tage nach den Gründen für das Durcheinander gesucht. Jetzt stellte sich heraus: Die Leerfahrt ab Mehlem gab es nur viermal – von Montag bis Donnerstag.

Wie berichtet, waren am Montag gegen 8.45 Uhr in den von der Deutschen Bahn gemieteten Doppelstockzug Fahrgäste eingestiegen, weil sie dachten, er fahre in Richtung Bonn und Köln los. Wohl aus Gewohnheit achteten sie nicht darauf, dass auf der Zugtafel der Schriftzug „Fußball“ zu lesen war – im Übrigen ein Versehen, so NX, es hätte „Leerfahrt“ heißen müssen. Es ist üblich, dass die NX-Züge ankommen, Pause machen und die neuen Fahrgäste für den Rückweg schon hineindürfen. So fuhren alle ohne Stopp bis kurz vor Köln. Dort erreichten sie telefonisch die Polizei, konnten den Geisterzug verlassen.

Auch Monica Müller-Chorus aus Wachtberg, die mit ihrem Mann im Zug saß, schöpfte vor der Abfahrt am Montag keinen Verdacht, zumal zuvor zahlreiche Leute ausgestiegen waren. „Es gab keine Durchsagen, dass man nicht einsteigen solle“, sagt auch Schaefer. Am Mittwoch habe die Beschriftung „Ersatzzug“ gelautet, was erst recht zum Einsteigen ermutigt habe. „Diesmal war aber ein Schaffner anwesend, der die Leute davon abhielt.“

Zug nur ausnahmsweise in Mehlem abgefahren

Wie berichtet, kam es Ende 2018 zum Ausfall von zwei der weißblauen NX-Züge Talent 2: Sie können nach einem nicht vom Unternehmen verschuldeten Rangierunfall für längere Zeit nicht fahren, sodass nun der von der Bahn gemietete rote Doppeldecker auf der RB 48-Trasse rollt, so NX. Seit Jahresanfang gebe es die betriebliche Leerfahrt morgens gegen 8.45 Uhr ins Depot, teilt NX-Geschäftsführer Marcel Winter mit – das Ende einer Verstärkungsfahrt im Berufsverkehr, die um diese Uhrzeit aus dem Takt herausgenommen werde. „Sie kommt dann wieder um 16.05 Uhr in Bonn zum Einsatz.“ Der Haken, der zur Verwirrung führte: Dieser Zug wird üblicherweise auf einem Nebengleis am Bonner Hauptbahnhof zurück ins Depot geschickt. Nur vergangene Woche sei er als Ausnahme und „aufgrund eines Baustellenfahrplans“ in Mehlem abgefahren. Dort stiegen die Leute dann auch ein.

Bei den Talent-Zügen kann man laut Winter „durch den Zug gehen, um den Führerstand zu wechseln“. Beim Doppelstöcker mit Elektrolokomotive müsse der Fahrer für den Richtungswechsel aussteigen. Außerdem habe er im Führerstand – wie sonst – keine Videoüberwachung. So sei es nicht einfach nachzuschauen, ob tatsächlich jemand eingestiegen sei. National Express bedauere die Zwischenfälle.

NX hatte die Strecke nach einer europaweiten Ausschreibung des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland erhalten. Laut Sprecher Holger Klein wird in einem Verkehrsvertrag geregelt, welche Leistungen der Betreiber zu erfüllen hat. Da geht es um Pünktlichkeit, Sitzplatzkapazitäten, den Fahrplan oder Standards zur Kundeninformation und Sauberkeit. „Wir ziehen Gelder ab, wenn bis hin zum Einzelfall etwas nicht erfüllt ist“, sagt Klein.

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