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Geisterfahrt der Linie 66: Verkehrsunternehmen gegen Umrüstung der Straßenbahnen

Nach Geisterfahrt der Linie 66 in Bonn : Verkehrsunternehmen gegen Umrüstung der Straßenbahnen

An der angekündigten Zwangsumrüstung aller Straßenbahnen in NRW kommt Kritik auf. Hintergrund ist die Geisterfahrt der Linie 66. Der Verband der Verkehrsunternehmen hält die Maßnahme für „nicht zielführend“. Das derzeitige Sicherheitssystem habe sich bewährt.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich gegen die Zwangsumrüstung aller Straßenbahnen in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen. Eine Nachrüstung aufgrund eines Einzelfalls sei „nicht zielführend“, teilte der Verband am Donnerstag auf Anfrage in Berlin mit. Es mache auch wenig Sinn, in Bahnen zu investieren, die bald ausgemustert werden. Man werde das Gespräch mit der Technischen Aufsichtsbehörde suchen.

„Dieser Zwischenfall ist bedauerlich, allerdings handelt es sich um einen absoluten Ausnahmefall“, sagte VDV-Geschäftsführer Martin Schmitz. „Weitere solcher Fälle sind uns bundesweit bislang nicht bekannt. Nach unserer Kenntnis hat sich der Fahrer in seiner Bewusstlosigkeit so unglücklich abgestützt, dass es zu einem Aushebeln zweier Sicherheitsfunktionen kam.“

Diese seien so konzipiert, dass jede davon normalerweise eine automatische Bremsung der Bahn ausgelöst hätte. Die zweistufige technische Sicherheitsvorkehrung habe sich über Jahrzehnte bewährt. Die Düsseldorfer Bezirksregierung hatte als landesweite Aufsichtsbehörde angekündigt, dass die sogenannte Totmann-Schaltung geändert werden müsse. Dies betreffe alle rund 1700 Straßenbahnen in NRW.

Anlass ist die kilometerlange unkontrollierte Fahrt einer Straßenbahn der Linie 66 in Bonn. Trotz bewusstlosen Fahrers war die Bahn mit 80 Stundenkilometern 6,5 Kilometer weit durch die Nacht gerast. Das Ziehen der Notbremse blieb wirkungslos. 20 Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon, weil es gelang, die Fahrerkabine aufzubrechen und die Bahn abzubremsen.

Die Untersuchung hatte ergeben, dass kein technischer Defekt vorlag. Als Konsequenz hatte die Bezirksregierung Düsseldorf eine Änderung der technischen Vorgaben angekündigt. Die sogenannte Totmann-Schaltung müsse künftig vom Fahrer alle 15 Sekunden ein Lebenszeichen erhalten. Andernfalls werde eine Zwangsbremsung eingeleitet. Bisher musste sie permanent betätigt werden. Die Nahverkehrsunternehmen sollen für die Umrüstung zwei Jahre Zeit bekommen.

(dpa)