Tag der Deutschen Einheit: Gefeiert wird nicht in Bonn

Tag der Deutschen Einheit : Gefeiert wird nicht in Bonn

Friedrich Nowottny und andere Bonner kritisieren, dass es in der ehemaligen Hauptstadt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober keine offizielle Gedenkstunde gibt.

Heute soll es wieder eng werden auf den Straßen. Weil der Bürger das verlängerte Wochenende massenhaft für Ausflüge nutzt. Aber war da heute nicht etwas Besonderes? Der Tag der Deutschen Einheit? Der lässt sich auf dem Bonner Veranstaltungsplan jedenfalls kaum ausmachen.

Allein das Haus der Geschichte lädt zum „Einheits“-Familienfest. Auch ein paar Kirchengemeinden haben sich dem Thema verschrieben. Gestern Abend schon feierte die „Jazz-Galerie“ zum „Tanz in die Einheit“.

Und die Konrad-Adenauer-Stiftung hat zum „Wasserwerk-Gespräch“ im früheren Plenarsaal Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, aufgeboten, allerdings als geschlossene Gesellschaft. „Die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedervereinigung waren Ausgangspunkte eines weltweiten Veränderungsprozesses. Welchen Herausforderungen müssen wir uns heute stellen?“, fragt die Stiftung.

Gibt es aber keine offizielle Gedenkstunde für den 3. Oktober in der ehemaligen Bundeshauptstadt? Friedrich Nowottny, ehemaliger Chefkorrespondent der ARD in Bonn, kann es kaum glauben.

Bonner Bürgermeister in Potsdam

Nein, „die Feierlichkeiten zum 3. Oktober finden abwechselnd in Bonn und in Potsdam statt“, sagt Marc Hoffmann, stellvertretender Stadtsprecher. Bürgermeister Reinhard Limbach spricht also dieses Jahr in Potsdam. Außerdem habe die Stadt Vertreter zu den Feierlichkeiten nach Dresden geschickt.

„Sind die Stadt und ihre politischen Oberhäupter über den Verlust, Hauptstadt zu sein, so sauer, dass sie nur sehr persönliche Gedenksekunden vorgesehen haben?“, stichelt deshalb Nowottny. Dafür gebe es jedoch kein Sitzungsgeld. Und dann formuliert er sein persönliches Bekenntnis: „Trotz Dresden und Bautzen ist der 3.Oktober für mich ein Tag von historischem Gewicht.“

Was auch Stephan Eisel (CDU) so sieht: „Für mich ist es immer noch wie ein Wunder, dass Deutschland in Freiheit wiedervereinigt ist. Ich kannte die DDR-Diktatur mit Mauer und Schießbefehl gut,“ erläutert der damalige Mitarbeiter von Bundeskanzler Helmut Kohl.

Eisel hat den Fall der Mauer und den Einigungsprozess im Kanzleramt aus der Nähe miterlebt. In Bonn seien die wichtigsten Entscheidungen gefallen. „Da ist es schade, dass wir daraus nicht mehr machen.“

Auch Beethovenfest ohne Einheitsgedenken

Auch das Beethovenfest mit dem Motto „Revolutionen“ hätte dazu doch Gelegenheit geboten, denn die erfolgreichste, weil völlig friedliche Revolution habe zum Zusammenbruch des Kommunismus geführt, kritisiert Eisel.

Das Beethovenfest bietet heute einen Workshop für Kinder, die Kammerspiele einen kanadischen Klangkünstler und die Oper mit „Evita“ mehr oder weniger südamerikanische Historie. „Nehmen wir nicht vieles allzu schnell als selbstverständlich hin, was gerade eben noch unvorstellbar war?“, fragt Eisel. Geschichtsvergessenheit sei freilich kein guter Kompass auf dem Weg in die Zukunft.

Dem versuchen die wenigen heutigen Bonner „Einheits“-Veranstaltungen entgegenzuwirken. Ja, das Wissen über historische Feiertage sei allgemein eher gering, gibt selbst Professor Hans Walter Hütter, Chef im Haus der Geschichte, zu. Deshalb „feiern wir heute die Wiedervereinigung mit einem Familienfest.“

Wegweiser auf Arabisch

Dass eine friedliche Revolution unter historisch günstigen Umständen das Ende einer Diktatur unblutig besiegelt habe, dürfte wohl immer noch faszinieren, hofft Hütter. Wobei das Museum den Blickwinkel dieses Jahr geweitet hat. „Wir bieten simultane Begleitungen in deutscher und arabischer Sprache an. Gerade ist auch der neue Wegweiser in arabischer Sprache fertig geworden.“

Wichtig sei doch die Fortentwicklung des Einheitsgedankens fürs aktuelle Zusammenleben, meint auch Pfarrer Jan Gruzlak, der in Bad Godesberg mit Monsignore Roman Mensing einen ökumenischen Gottesdienst leitet, anschließender Besuch der Al-Ansar-Moschee inklusive.

Im Impekovener ökumenischen Gottesdienst lassen derweil die Pfarrer Andreas Schneider und Georg Theisen zur Orgel sogar die Nationalhymne anstimmen – mit neuem Text: „Der Geschichte zu gedenken, damit sind wir stets betraut… Dass das Recht im Lande wohne, dass der Friede bleibt bestehn.“

Mehr von GA BONN