Kunstmuseum in Bonn: Gefährdete Videoschätze werden digitalisiert

Kunstmuseum in Bonn : Gefährdete Videoschätze werden digitalisiert

Sponsoren ermöglichen die Digitalisierung der gefährdeten Videoschätze des Kunstmuseums. Der Kunsthistoriker Maximilian Rauschenbach hat ein Jahr Zeit, um die Werke der Sammlung zu digitalisieren

Das Kunstmuseum Bonn besitzt eine Videosammlung, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland zählt. Im Depot liegen zahlreiche Schätze der Film- und Videokunst der 1960er und 1970er Jahre, die von der Kölner Galeristin und Mäzenin Ingrid Oppenheim dem Kunstmuseum 1989 vermacht wurden. Rund 400 Werke von Pionieren der Videokunst umfasst die Schenkung, darunter international bekannte Positionen wie Marina Abramovic, John Baldessari und Bruce Nauman. Aber auch die Pioniere der rheinländischen Medienkunst wie Klaus vom Bruch, Marcel Odenbach, Ulrike Rosenbach und Katharina Sieverding sind bestens vertreten.

Hinzu kommen dokumentarische Videos, etwa von Ausstellungen und Vernissagen aus einer Zeit, als das Kunstmuseum noch in einem Bürotrakt in der Rathausgasse untergebracht war. So spannend und wertvoll eine solche historische Sammlung ist, so leidvoll können auch konservatorische Erfahrungen damit sein.

Kurz: Bewegtbilder altern in der Regel ziemlich schlecht. Die Aufnahme- und Abspieltechniken haben sich in den letzten Jahrzehnten rasant verändert und zugleich bröselt so mancher Filmstreifen, der über die Jahre porös geworden ist, den Konservatoren unter den Fingern weg. „Hier gibt es eine Dringlichkeit, mit der wir handeln müssen“, sagt Rolf Clement, der Vorsitzende der „Freunde des Kunstmuseums Bonn“ bei einem Pressetermin.

Rund 150 Arbeiten fehlen noch

Die Lösung des Problems heißt Digitalisierung, sodass die Videosammlung auch für die Zukunft bewahrt wird. Zwar wurde der größte Teil des Bestandes bereits entsprechend archivierbar gemacht, aber rund 150 Arbeiten fehlen noch und vor allem bei einigen älteren Filmbändern drängt die Zeit.

„Wir konnten Sponsoren finden, die mit einer zweckgebundenen Spende die Finanzierung der Digitalisierung der Videosammlung unterstützen“, sagt Clement. Die richtige Person hierfür wurde auch bereits gefunden. Der Kunsthistoriker Maximilian Rauschenbach hat ein Jahr Zeit – so lange läuft der Werkvertrag – um die restlichen Werke der Sammlung zu digitalisieren. Das sei zu schaffen, meint Rauschenbach, der die letzten beiden Jahre das Kunstmuseum als Volontär kennenlernte und sich bereits mit der Videosammlung vertraut gemacht hat. Auch er weiß, dass dringend gehandelt werden muss.

„Manche Bänder kann man noch ein- oder zweimal abspielen, dann zerfallen sie buchstäblich.“ Hilfe holt er sich nicht nur bei der Restauratorin im Kunstmuseum sondern auch beim ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Dort gibt es Möglichkeiten, fast zerstörtes Filmmaterial zu retten oder auf längst ausgestorbenen Wiedergabegeräten sichtbar zu machen.

Die Technik sei inzwischen auch soweit, sagt Rauschenbach, dass man ohne Qualitätsverluste Kopien vom Original machen könne. Neben der digitalen Sicherung recherchiert er außerdem, falls möglich, die künstlerische Absicht. Also die Frage, wie der Künstler seine Arbeit gezeigt haben will. Und schließlich soll die gesamte Videosammlung verschlagwortet werden. Was wiederum Museumschef Stephan Berg besonders freut, denn hier kommt die wichtige aber unsichtbare Arbeit hinter den Museumskulissen dem Publikum zugute. „Dann kann der Besucher eines Tages in der Videolounge sitzen und per Schlagwort nach Filmen zu einem Thema suchen.“ Clement hat dazu auch schon einige Ideen.

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