Für Bonner Opfer des Nationalsozialismus: Gedenkstätte soll in Endenicher Kloster umziehen

Für Bonner Opfer des Nationalsozialismus : Gedenkstätte soll in Endenicher Kloster umziehen

Schon lange hegt der Verein der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus den Wunsch, im Endenicher Kloster eine dauerhafte Bleibe zu finden. Der Wunsch könnte in wenigen Jahren Wahrheit werden.

Die Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus kann in einen Teil des ehemaligen Benediktinerinnen-Klosters Maria Hilf in Endenich umziehen. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und Generalvikar Markus Hofmann haben diesem langgehegten Wunsch des Gedenkstätten-Vereins grünes Licht erteilt. Das teilte Oberbürgermeister Ashok Sridharan am Freitagmittag in einer Pressekonferenz als Ergebnis mehrerer Gespräche mit Woelki und Hofmann mit. Wann der Umzug stattfinden kann, ist indes noch ungewiss, da noch viele Fragen geklärt werden und die inhaltliche wie auch finanzielle Konzeption jetzt erst in Angriff genommen werden müssen.

Anlass der Pressekonferenz war der Besuch von Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft, in der Gedenkstätte. Sie befindet sich derzeit im Gebäude des ehemaligen Viktoriabads an der Franziskanerstraße, wo auch das Stadtmuseum zu Hause ist. Kaiser lobte die Arbeit der Gedenkstätte.

Mit Blick auf den wieder wachsenden Antisemitismus auch in Deutschland sagte er: „Diese Arbeit der Gedenkstätte ist wichtiger denn je“. Er zeigte sich beeindruckt von der Ausstellung, vor allem von dem Gedenkraum, „wo die Opfer einen Namen bekommen“. Der Staatssekretär versprach die tatkräftige Unterstützung seines Ministeriums, insbesondere bei der konzeptionellen Planung für die neue Gedenkstätte. Erst wenn die stehe, könne beim Bund der Antrag auf Förderung eingereicht werden. Vereinsmitglied Sabine Deres leitet das Referat „Aufarbeitung des Nationalsozialismus“ bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und ist dienstlich mit diesen Förderanträgen befasst. Als realistisches Zeitfenster für einen Umzug nannte sie das Jahr 2021.

Vereinsvorsitzende Andrea Hillebrand und Gedenkstätten-Geschäftsführerin Astrid Memel zeigten sich trotzdem überaus glücklich über diese gute Nachricht und dankten OB Sridharan, der ebenfalls Vereinsmitglied ist, für seinen Einsatz beim Erzbistum. Sie erinnerten an die historische Bedeutung des Klosters am Fuße des Kreuzbergs gerade für ihre Arbeit: In der Klosteranlage, in der bis 2001 die Benediktinerinnen lebten und arbeiteten und in dem seither das Priesterseminar Redemptoris Materin untergebracht ist, hatten die Nazis während des Zweiten Weltkriegs 474 Bonner Juden interniert. Sie wurden später in Konzentrationslager gebracht und dort ermordet. Nur sieben von ihnen überlebten den Holocaust.

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