Finanzierung des Festspielhauses: Gartiser stellt sich Fragen

Finanzierung des Festspielhauses : Gartiser stellt sich Fragen

Peter Gartiser, Chef der Metrum Managementberatung GmbH aus München, hat sich am Donnerstag im Kulturausschuss kritischen Fragen zum Festspielhaus gestellt.

Seine Firma hatte im Auftrag der Deutschen Post DHL den Businessplan für das Projekt arbeitet. Dieser dient dem Rat als Entscheidungsgrundlage für den Beitritt der Stadt zur geplanten Betriebsstiftung sowie für die Bereitstellung des Baugrundstücks. Vorher soll ein unabhängiger Gutachter den Businessplan prüfen.

Gartiser, Ehemann von Ilona Schmiel, der früheren Intendantin des Beethovenfestes, machte den Anspruch der Auftraggeber und der Festspielhaus-Initiativen deutlich: Es soll das einzige Konzerthaus der Welt werden, das Beethovens Erbe an einem authentischen Lebensort des Komponisten pflegt. Ein spektakulärer "High End"-Saal, der im internationalen Konzertkalender ein "Muss" werden soll.

Sind Auslastung und Besucherzahlen solide ermittelt?

Schon 2007 habe man mit McKinsey anhand von Alter, Bildung und Kaufkraft das theoretische Nachfragepotenzial der Region ermittelt - einschließlich der Klassik-Hörer, die in die Kölner Philharmonie fahren. Zusätzlich seien für den Businessplan die Besucherzahlen in zwölf anderen Konzerthäusern berechnet und ins Verhältnis zu Bonn gesetzt worden. "Wir halten das für realistisch."

Ist die Konkurrenz in der Nachbarschaft zu stark?

"Die Philharmonie ist der Platzhirsch", so Gartiser. Deswegen müsse das Beethoven-Festspielhaus eine besondere Architektur bekommen und sich anders als die anderen NRW-Häuser auf Festivals konzentrieren: Neben dem Beethovenfest sieht der Businessplan zwei weitere Festivals im Dezember und zur Osterzeit vor. "Kultur ist ein Angebotsmarkt", sagte der Berater. "Je attraktiver die Veranstaltung, umso mehr Besucher kommen."

Ist der Ertrag aus dem Stiftungskapital zu riskant geplant?

Mit drei Prozent Rendite ab dem Jahr 2020 zu kalkulieren, sei ein "beherrschbares Risiko", räumte Gartiser ein. "Ambitioniert, aber nicht unerreichbar", nennt Artur Grzesiek, Chef der Sparkasse Köln-Bonn, dieses Ziel im Businessplan. Falle der Ertrag, der in die Betriebskosten fließen soll, geringer aus, müsse der Intendant rechtzeitig am Programm oder beim Personal sparen, erklärte der Berater den Fraktionen.

Wie sollen Synergie-Effekte mit der Internationale Beethovenfeste GmbH gehoben werden?

Die Personalkosten des Konzerthauses sollen dadurch im Jahr 500 000 Euro niedriger ausfallen, als sie ohne Kooperation wären. Das könne zum Beispiel durch gemeinsames Marketing erreicht werden, sagte Gartiser. Ein Konzept gebe es noch nicht. Durch eine gemeinsame Organisationseinheit mit dem Beethovenfest, das 15 Planstellen hat, Geld zu sparen, sei eine Forderung der beiden Hauptsponsoren gewesen (Post und Telekom). Kulturdezernent Martin Schumacher bestätigte: Bei "optimalem, engem Miteinander" könne man grob geschätzt 20 Prozent Sparpotenzial heben. Schumacher: "Jetzt müssen wir klären, in welcher Form das gehen kann."

Ist die Instandhaltungsrücklage zu niedrig kalkuliert?

Normal sind 1,5 Prozent der Bausumme. Im Businessplan ist es in den ersten fünf Jahren mit jährlich 500 000 Euro nur halb so viel. Aus Sicht der Post sei das in Ordnung, erläuterte Gartiser. In den ersten Jahren sei beim Neubau nur mit Klein- und Gewährleistungsreparaturen zu rechnen. Ab 2025 müsse die Rücklage dann aber wohl verdoppelt werden.

Businessplan und Bauprojekt

Der Businessplan sieht ab 2020 jährlich 190 Konzerte im Festspielhaus vor, davon 150 mit Klassik. Auch Jazz, Weltmusik und hochkarätiger Pop sollen in dem Saal mit 1500 Plätzen stattfinden können, der auf 800 Plätze verkleinerbar sein soll. Die Metrum Managementberatung, die den Plan im Post-Auftrag erarbeitet hat, rechnet mit einer Auslastung von durchschnittlich 78 Prozent und etwa 180 000 Besuchen im Jahr. Davon sollen rund 140.000 auf klassische Musik entfallen. Derzeit gibt es in Bonn laut Metrum jährlich 90.000 Klassikbesuche.

Neben dem Beethovenfest sollen zwei weitere Festivals mit Beethoven-Bezug etabliert werden. Das Festspielhaus soll 27 Vollzeitkräfte haben. Eingerechnet sind von 2020 bis 2024 jährlich 1,5 Millionen Euro Sponsorengelder der Telekom.

Der Neubau selbst muss privat finanziert werden. Die Deutsche Post, die die Kosten auf 70 Millionen Euro beziffert, hält 30 Millionen Euro bereit. Die Beethoventaler-Genossenschaft will sich an der Finanzierung beteiligen. Der Förderverein um Wolfgang Grießl sammelt Spenden für die technische Innenausstattung und hat nach eigenen Angaben Zusagen über rund neun Millionen Euro.

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