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Bonner Friedhöfe: Gärtner wollen Kapellen übernehmen

Bonner Friedhöfe : Gärtner wollen Kapellen übernehmen

Die Genossenschaft der Friedhofsgärtner will die Verödung der 40 städtischen Friedhöfe stoppen. Der Plan: Sie will unter anderem die Kapellen übernehmen und betreuen.

Die „grünen Perlen“ Bonns haben ihren Glanz längst unter einer dicken Patina-Schicht eingebüßt. „Wir müssen alle gemeinsam dafür sorgen, dass die Friedhöfe, die grünen Perlen innerhalb der Stadt, wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken“, fordert Hans Möhle, Vorsitzender der Friedhofsgärtner-Genossenschaft. „Das kann man jedoch nicht erreichen wenn die Anlagen immer mehr verkommen, die Gebühren gleichzeitig aber immer weiter anziehen.“

Dabei will der Zusammenschluss von 15 Friedhofsgärtnereien nicht nur Kritik üben. „Nein“, betont Geschäftsführer Klaus Schneider. „Wir wollen uns aktiv daran beteiligen, dass die Verödung der 40 städtischen Friedhöfe gestoppt wird.“ Denn schließlich geht es um Grünanlagen mit einer Gesamtfläche von rund 1,2 Millionen Quadratmetern und etwa 14 500 Bäumen.

Mit neuen Ideen und Angeboten will die Genossenschaft dem Wandel in der Bestattungskultur begegnen. „Derzeit gibt es nur zwei Arten von Beerdigungen“, führt Möhle aus. „Entweder man wählt eine Minimallösung, anonym und ohne einen Ort der Erinnerung. Oder die Verwandten legen Wert auf ein Grab, das sie regelmäßig besuchen können, um ihre Trauer zu bewältigen“, sagt er.

Natürlich ist auch den beiden Vertretern der Bonner Friedhofsgärtner klar, dass die Branche auf den demographischen Wandel und eine veränderte Bestattungskultur reagieren muss. „Deshalb haben wir ein paar Vorschläge erarbeitet, wie die Attraktivität der städtischen Friedhöfe gesteigert werden kann“, so Schneider. Denn, darin sind sich beide einig, das neue Friedhofskonzept biete keine Lösungen, sondern beschreibe nur den momentanen Zustand. „Wenn die Friedhöfe gepflegt sind, dann entscheiden sich auch wieder mehr Bonner dafür, einen Angehörigen traditionell bestatten zu lassen und nicht in den Friedhain einer Nachbarkommune abzuwandern“, so Möhle. Denn dadurch würden der Stadt enorme Einnahmen entgehen.

Um dabei zu helfen das Image der Bonner Friedhöfe wieder aufzupolieren werden sich Friedhofsgärtner und Bestatter zu einer „Memoriam-Garten Bonn GbR“ zusammenschließen. Die Gesellschaft will sich darum kümmern, dass auf mehreren Friedhöfen Memoriam-Gärten angelegt werden. Dabei übernehmen die Friedhofsgärten die Pflege eines Urnengemeinschaftsgrabes. „Wir unterstützen außerdem die Idee, ein NaturRuh-Feld anzulegen“, stellt Schneider die weiteren Pläne für ein Pilotprojekt vor. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Urnengemeinschaftsgrab, das allerdings nachhaltig und ökologisch bepflanzt wird. Wichtig ist den beiden jedoch, dass zu jedem Grab auch ein Name gehört. „Das gebietet nicht nur der Respekt gegenüber den Toten, sondern auch gegenüber den Angehörigen“, meint Schneider.

Nicht tatenlos zusehen wollen die Gärtner bei der geplanten Schließung von mehreren Friedhofskapellen. „Wir würden uns gerne um die Kapellen kümmern“, bietet Möhle an. Wir sorgen dafür, dass sie sauber, intakt und gepflegt sind. Dann werden sie auch wieder für Trauerfeiern genutzt“, ist er sicher. „Es ist besser, die vorhandenen Anlagen attraktiver zu gestalten, als nur den Rotstift anzusetzen“, fügt der Vorsitzende der Genossenschaft hinzu. Denn die städtischen Friedhöfe in Bonn würden über eine sehr gute Infrastruktur verfügen. „Und die müssen wir nutzen“, fordern beide.