Bonner Kopf: Für den Bonner Ludwig Mond fing alles mit „Saturday Night Fever“ an

Bonner Kopf : Für den Bonner Ludwig Mond fing alles mit „Saturday Night Fever“ an

Der Bonner Ludwig Mond arbeitet deutschlandweit als Choreograf und Tänzer. Mit 27 Jahren gehört er zu den Jüngsten seines Fachs.

150 Personen laufen durchs Studio: Aufnahmeleiter, Bühnentechniker und Künstler. Mittendrin ist Ludwig Mond, der die Tänzer für den Auftritt instruiert und die letzten Details der Choreografie durchgeht. Nach dem Training und den Proben müssen die Bewegungen nun stimmen, jeder an seinem vorgegebenen Platz sein. „Da muss man sich durchsetzen können“, sagt Mond.

Der 27-jährige Bonner ist Tänzer und Choreograf und arbeitet jeden Monat an einem anderen Projekt – deutschlandweit. Sein Hauptauftraggeber ist der MDR. Für den Sender choreografiert er die Fernsehshows mit Florian Silbereisen. Im vergangenen Jahr waren es sechs Sendungen, die er mitgestaltet hat: „Ich suche die Tänzer aus, spreche die Kostüme ab. Ich mache Inszenierungsvorschläge, aber die Senderchefs entscheiden dann.“ So hat er unter anderem schon die Choreografien für die Fernsehauftritte von Helene Fischer, Vanessa Mai, Andrea Berg, The Weather Girls, David Hasselhoff und Marianne Rosenberg arrangiert.

"Zugabteil ist mein Zuhause"

„Das Zugabteil ist mein Zuhause“, sagt er scherzhaft. Seine beiden Wohnsitze hat er in Berlin und Bonn. Zuletzt hat er in Hamburg die Tanzeinlagen für die deutsche Erstaufführung des amerikanischen Musicals „American Idiot“ gestaltet. Täglich stand er ab zehn Uhr mit dem Ensemble auf der Bühne, probte die Tänze. Achteinhalb Stunden lang. Auch nach Feierabend ging die Arbeit weiter, gemeinsam mit dem Regisseur besprach er den nächsten Probentag, überlegte neue Bewegungsabläufe. Ein straffes Pensum.

Mit seinen 27 Jahren gehört er in der Branche zu den Jüngsten. Künstlern und Kollegen begegnet er mit Respekt und Diplomatie. Seine Leidenschaft fürs Tanzen weckte ein Musicalbesuch. Mit seinen Eltern sah er sich „Saturday Night Fever an“. „Danach habe ich zu der CD zu Hause rumgetanzt“, erinnert er sich. Für seine Eltern Grund genug, ihn für einen Kindertanzkurs in der Tanzschule Lepehne Herbst in Bonn anzumelden. Da war er elf. Bei dem Kinderkurs blieb es nicht. Er lernte Jazz Dance, Modern Dance, Show Dance und Street Dance. Nahm an Tanzturnieren teil und gewann.

Studium als zweites Standbein

Schon in der Zeit begann er die Choreografien für andere Gruppen aus der Tanzschule zu entwickeln, damals noch „semi-professionell“, wie er sagt. Bis zu seinem Abitur am Clara-Schumann-Gymnasium trainierte er fünf Mal pro Woche. Mit dem Schulabschluss in der Tasche stellte er sich die Frage: Reicht das Tanzen zum Leben? „Ich wollte mit dem Tanzen nicht aufhören, aber ich konnte mir damals noch nicht vorstellen, nur vom Tanzen zu leben“, sagt er. Stattdessen absolvierte er in Köln ein Medienmanagementstudium. Sein Studium finanzierte er sich – natürlich – mit dem Tanzen. Zwei Jahre lang spielt er eine Rolle in der RTL-Serie „Alles, was zählt“, übernahm in dem Musical „SnoWhite“ am Theater Bonn seine erste professionelle Theaterrolle.

Zwischen den Engagements kommt er immer wieder nach Bonn. Am liebsten ist er dann in der Südstadt. „Für mich der schönste Stadtteil“, sagt er. „An Bonn mag ich, dass ich das Gefühl habe, ich kenne alles gut.“ Sobald er aus dem Zug aussteige, spüre er das Gefühl von Heimat. „Das habe ich in Berlin so nicht“, so der 27-Jährige. In Bonn treffe man immer jemanden, egal ob in der Bahn oder auf der Straße, in Berlin sei so eine spontane Begegnung eine ausgesprochene Seltenheit. „Aber ich mag beides“.

Mittlerweile steht er seltener als Tänzer auf der Bühne, seit zwei Jahren hat er sich Stück für Stück seine Choreografentätigkeit aufgebaut. „Früher habe ich den Beruf des Choreografen als mein Endziel gesehen“, sagt Mond. Aber auch an der Gesamtorganisation und Koordination der Shows hat er Gefallen gefunden: „Ich interessiere mich auch sehr für die anderen Bereiche, die eine gute Show ausmachen, weil ich gerne das große Ganze betrachte – vielleicht geht es irgendwann in Richtung Showproduzent.“