Vor mehr als 60 Jahren: Fünf Säuglinge starben in Kessenich beim Brand

Vor mehr als 60 Jahren : Fünf Säuglinge starben in Kessenich beim Brand

Der Brand im Kessenicher Klösterchen liegt mittlerweile mehr als 60 Jahre zurück. Grund für das Unglück war nicht nur menschliches Versagen.

Grenzenlose Freude, unendliches Leid. Wie schnell aus einem absoluten Glücksgefühl unvorstellbarer Schmerz und tiefe Trauer werden können, das erlebten fünf Bonner Familien nur wenige Tage vor Weihnachten. Damals, am 14. Dezember 1956, starben fünf Säuglinge im Kessenicher Klösterchen.

Die Babys waren an beißendem Qualm, der sich nach einem Schwelbrand im Neugeborenenzimmer ausgebreitet hatte, erstickt. Ein als Fläschchenwärmer benutzter Expresskocher, so ergaben damals die Ermittlungen, hatte zwischen 22 und vier Uhr den Schwelbrand entfacht und den Fußboden verkohlt. Als das Unglück bemerkt wurde, war es schon zu spät. Bettina, Manfred, Bernhard, Michael und Thomas lagen tot in ihren Bettchen, die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Für die Kinder im Alter von vier, fünf, neun, zehn und 14 Tagen kam jede Hilfe zu spät.

„Selbst jetzt, nach mehr als 60 Jahren, erinnern sich noch viele Kessenicher an die Tragödie“, weiß Alfred Kerger, der selbst in direkter Nähe des damaligen kleinen Krankenhauses lebt. Gerade das Leid und die Trauer der Familien seien unvergessen. „Viele aus dem Dorf kannten die Eltern, waren mit ihnen befreundet oder verwandt“, ergänzt ein anderer Anwohner der Nikolausstraße. Schließlich war das Sankt-Franziskus-Hospital (wie das Klösterchen offiziell hieß) eine beliebte Entbindungsklinik.

Kocher ging in Flammen auf

Gleich mehrere Versäumnisse prangerte die Staatsanwaltschaft damals nach ihren Untersuchungen an. Neben menschlichem Versagen habe eine Verkettung unglücklicher Umstände die Katastrophe verursacht. Mehrmals sei an diesem Tag aufgrund von Kabelarbeiten der Strom abgestellt worden. Daher arbeiteten die Krankenschwestern teilweise bei Kerzenlicht. Drei der fünf Babys waren offenbar nach der Abendmahlzeit noch nicht satt und sollten später noch einmal gefüttert werden. Da der Strom wieder einmal abgestellt war, bemerkte eine damals 17-jährige Lernschwester offenbar nicht, dass der Kocher noch eingeschaltet war. Ein fataler Irrtum. Denn als erneut Strom lief, erhitzte sich das Gerät und setzte schließlich den Kocher in Brand. In Windeseile griff das Feuer auf Möbel und Fußboden über.

Kurz vor vier Uhr bemerkte eine Patientin, die in einem Zimmer im Stockwerk darüber lag, den Brandgeruch und schlug Alarm. Nur sieben Minuten später war die Feuerwehr vor Ort.

Ärzte und Schwestern hatten schon damit begonnen, das Feuer zu löschen. Für die Neugeborenen kam jedoch jede Hilfe zu spät. Die Feuerwehr musste vier Quadratmeter Fußboden hochheben und darunter liegende Brandnester löschen.

Eine Kette von Fehlern

Die Einschätzung des damaligen Staatsanwalts Wilhelm Zimmerath ist aus heutiger Sicht jedoch absurd. „Mit einer Asbestplatte, die für wenige Pfennige überall zu haben ist, hätte nichts passieren können und die Kinder wären noch am Leben“, schimpfte er zwei Tage später in einem Zeitungsinterview. Bemängelt wurde von den Ermittlern auch, dass die Neugeborenenstation nachts nichts besetzt war. Außerdem ergaben die Untersuchungen, dass die benutzte Steckdose nicht geerdet war.

Die Tragödie des Klösterchens beschäftigte die Kessenicher sehr lange. Bei Gottesdiensten und Andachten zu besonderen Anlässen gedachten sie noch viele Jahre der verstorbenen Säuglinge und deren Familien. Vier Mütter hatten damals ihr erstes Kind verloren, die Mutter der kleinen Bettina hatte gerade eine schwere Operation überstanden. „Dieser Vorfall war erschütternd und schmerzlich“, kommentierte der damalige Pfarrer Jansen von der Nikolausgemeinde. „Wir alle haben den Schmerz der Eltern zutiefst mitempfunden“, wurde er in der Zeitung zitiert.

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