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Klimaschutz in Zeiten von Corona: Fridays for Future konferiert jetzt im Jugendzimmer

Klimaschutz in Zeiten von Corona : Fridays for Future konferiert jetzt im Jugendzimmer

Die Fridays for Future dürfen aktuell nicht mehr auf der Straße demonstrieren und finden, dass der Klimawandel durch die Corona-Krise in den Hintergrund rückt. Sie Antworten mit Webinaren und Videokonferenzen.

An die Arbeit von Zuhause aus haben sich schon viele Bonner gewöhnt. Aber wie organisiert man den Kampf gegen den Klimawandel vom Sofa aus? Die Gruppe Fridays for Future setzt voll auf Videokonferenzen, versucht, die Bevölkerung über das Internet zu informieren. „Die Klimathematik ist durch Corona in den Hintergund gerückt, sie ist aber immer noch genau so wichtig und real wie zuvor“, sagt Michael Hindert. Er hat für die Bonner Aktivisten einen Videochat eingerichtet, der leicht zu bedienen und zugleich kostenlos ist.

Donnerstagabend, 19 Uhr. Fast pünktlich betritt einer nach dem anderen den Raum. Aber statt sich wie gewohnt mit einer Umarmung oder per Handschlag zu begrüßen, muss ein Wink in die Kamera reichen. Mit Headsets sitzen die jungen Bonner vor dem Laptop oder dem Handy, die Diskussion im Plenum beginnt – nur eben über ganz Bonn verteilt und online. Für Michael Hindert hat das einen Vorteil: Er muss von Wachtberg aus nicht in die Stadt fahren und kann in seinem Jugendzimmer bleiben. „Aber lieber wäre es mir natürlich, alle persönlich zu treffen“, erzählt er.

Nächste internationale Streiktag ist am 24. April

Pause machen die Fridays-for-Future-Aktivisten nicht. „Nur weil wir nicht auf die Straße können, ist nicht alles auf Eis gelegt“, sagt Hindert. Es gibt zum Beispiel Webinare, also Bildungsangebote im Netz. „Unter der Woche gibt es zwei Personen, meist Wissenschaftler, die dann für eine Stunde live streamen und etwas über ihre Tätigkeit erzählen“, sagt Hindert. Sich zu informieren sei wichtig, um sich nach der Krise wieder in die politischen Diskurse einbringen zu können. Die Planungen für neue Aktionen würden bereits laufen – am 24. April steht der nächste internationale Streiktag an. „Wenn es möglich ist, machen wir kleinere Aktionen mit weniger Menschen.“

 Dass die Demonstrationen wegfallen, hat durchaus Folgen. „Auf jeden Fall fehlt uns die Reichweite, die wir sonst durch einigermaßen regelmäßige Streiks organisieren konnten.“ Der einzige Draht nach draußen seien die sozialen Medien und speziell Instagram. „Unsere Message, wie viele wir sind, lässt sich nur über die Straße übertragen“, sagt Hindert.

Derzeit gehe es darum, Hintergrundinfos zu verbreiten. „Ein spezielles Beispiel sind die großen Corona-Hilfsgelder, die beschlossen wurden.“ Man erarbeite nun Lösungen und Forderungen, wie man damit nicht nur Firmen retten, sondern auch die Klimakrise im Blick haben könne. Der bisherige Konsens: Man müsse nachhaltig investieren. Damit verbunden ist auch eine Hoffnung der „Fridays for Future“-Bewegung: Dass sich die Entschlossenheit und Willenskraft der Corona-Krise auch auf den Klimaschutz überträgt.