Fridays for Future Bonn sorgte für Staus und Störungen im Nahverkehr

Verkehr am Nachmittag lahmgelegt : Rund 15.000 Teilnehmer bei Fridays-for Future-Demo in Bonn

In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis ist am Freitagvormittag die Klima-Aktionswoche der Protestbewegung „Fridays for Future“ angelaufen. In Bonn sollen fast 15.000 Demonstranten unterwegs gewesen sein. Der Nahverkehr lag am Nachmittag lahm.

Der junge Mann, der auf der improvisierten Bühne im Hofgarten neben dem Akademischen Kunstmuseum steht, schreit sich die Seele aus dem Leib. Die Lautsprecheranlage reicht längst nicht aus, um das, was er zu sagen hat, allen, die am Freitagmorgen auf der Wiese auf den Startschuss für den Demonstrationszug der „Fridays for Future“-Bewegung warten, zu Gehör zu bringen. Es ist kurz nach elf Uhr. Tausende haben sich bereits versammelt. Der Strom der Menschen, die in City kommen, reißt nicht ab. Die Veranstalter sprechen später von rund 15.000 Teilnehmern. Die Polizei ist – wie meist – zurückhaltender. „Es sind erheblich mehr als 10.000“, sagt Polizeisprecher Frank Piontek.

Bundesweit Tausende Demonstranten unterwegs

Die Stimmung ist ausgelassen, ja fast heiter. Das Wetter spielt mit. Sonnenschein und strahlend blauer Himmel. Prima Klima, möchte man meinen. Doch genau darum geht es beim bisher größten Klimastreik der „Fridays for Future“-Initiative in Bonn, die nicht nur in der Bundesstadt, sondern bundesweit Tausende auf die Beine gebracht hat. „Unsere Welt liegt im Sterben“, ruft der junge Mann auf der Bühne in die Menge. „Und die Politik sieht zu.“ Die sitzt derweil in Berlin und schnürt gerade ein Maßnahmenpaket für mehr Klimaschutz. Ein Mann hat gerade über Twitter erfahren, dass die Bundesregierung die Pendlerpauschale erhöhen will. „Was ist das denn für ein Unsinn?“, schimpft er.

25-Jähriger läuft als Erdkugel aus Pappe herum

Manche haben es sich auf Decken gemütlich gemacht und picknicken. Tausende von Schülerinnen und Schülern mit selbstgemalten Plakaten und anderen kreativen Demo-Utensilien bevölkern nicht nur den Hofgarten, sondern sind auch in der City unterwegs, um noch schnell ein Brötchen zu ergattern. Die Gastronomie boomt. Der 25-jährige Student Lasse ist besonders tapfer: Er läuft als Erdkugel aus Pappmaché herum. Auch zahlreiche Eltern mit Kinderwagen oder dem Nachwuchs an der Hand sind gekommen. Ebenso wie viele ältere Menschen. Eine Frauengruppe hält ein Schild hoch, auf dem „Omas für Future“ steht.

Mitarbeiter der Caritas und Diakonie demonstrieren mit

Von einer Bank aus verfolgen Doris Bachter und ihr Partner Klaus Sandrock das Spektakel. Sie wohnen in Hamburg, sind in Sandrocks alter Heimatstadt nur zu Besuch. „Wir haben beide Enkelkinder und finde das gut, was hier passiert“, sagt Bachter. Sie macht den Klimawandel unter anderem an folgenden Beobachtungen fest: „Die Bäume tragen weniger Blätter als früher und wir hören in unserem Garten keine Vogelstimmen mehr.“

Diakoniechef Ulrich Hamacher steht in der Nähe. Er hat wie sein Kollege von der Caritas, Jean- Pierre Schneider, den Mitarbeitern gestattet, an der Demonstration teilzunehmen. Ein bisschen ärgert er sich, als ein Redner erklärt, Deutschland solle vorübergehend auf Atomkraft setzen, um der Kohle ein Ende zu setzen. „Er blendet das Problem der Endlagerung einfach aus“, sagt Hamacher.

Veranstalter rechneten mit der Hälfte der Teilnehmer

Auch Mitarbeiter vieler anderer Unternehmen, wie der Post, der Telekom, der Stadtverwaltung und der Stadtwerke haben sich unter die Demonstranten gemischt. Mitorganisator Luca Samlidis spricht von rund 150 Bonner Unternehmen, die ihre Teilnahme am Klimastreik offiziell erklärt hätten. „Wir sind von dem Erfolg regelrecht überwältigt“, sagt der Student am Nachmittag sichtlich erschöpft. Ursprünglich hatte Fridays for Future mit gerade einmal der Hälfte der Teilnehmer gerechnet, sagt er. Jetzt seien es doppelt so viele.

Als der riesige Demonstrationszug sich Richtung Poppelsdorf in Bewegung setzt, kommt der Verkehr in der Innenstadt zum Erliegen. „Um 13.14 Uhr war die Spitze des Zuges an der Nussallee angelangt, das Ende befand sich noch am Koblenzer Tor“, sagt Piontek. Insgesamt zieht die Polizei ein positives Fazit. Die rund 100 eingesetzten Beamten mussten vor allem den Verkehr regeln und den Zug sichern. Darüber hinaus blieb der Tag für sie entspannt.

Noch bis in den Abend hinein habe sich die Demonstration auf Busse und Bahnen ausgewirkt, erklärt SWB-Sprecher Michael Henseler. „Die Demonstration war aber frühzeitig angekündigt, unsere Fahrgäste konnten sich also darauf einstellen.“

Mehr Fotos und ein Video gibt es auf ga-bonn.de/fridays.

Mehr von GA BONN