Fridays for Future Bonn: Schüler und Studenten bereiten sich auf Demo vor

Demo am Freitag im Hofgarten : So bereiten junge Bonner die Fridays-for-Future-Proteste vor

Tausende werden am Freitag zu Demonstrationen für eine Ausweitung des Klimaschutzes erwartet. Seit Mitte Juli bereiten sich Schüler und Studenten aus Bonn dafür vor.

Politisch engagiert war Franzi Bassenge während ihrer Schulzeit nicht so wirklich. "Ich war mal auf einer Demo", sagt die 20-Jährige. "Heute organisiere ich die." Bassenge gehört zum Organisationsteam von "Fridays for Future". Die Bewegung hat für diesen Freitag zum globalen Klimastreik aufgerufen. Auf ihrer Internetseite sind 515 deutsche Städte verzeichnet, die mitmachen - auch Bonn. Deswegen hat Bassenge gerade viel zu tun. Fünf bis acht Stunden ist sie täglich damit beschäftigt, den Streik und die anschließende Aktionswoche zu organisieren. Nebenbei schreibt sie eine Hausarbeit und arbeitet in einem Bioladen. "Die zweite Hausarbeit verschiebe ich ins Semester", sagt sie. "Ich mache ja Politikwissenschaft, das lebe ich gerade praktisch." Das sei zwar ganz schön stressig, aber Aktivismus ihr Hobby. "Sport ist ja auch anstrengend", sagt sie.

Neben ihr gehören noch rund 30 junge Menschen zum Organisationsteam. Francis Kurt ist einer von ihnen. Zusammen mit Bassenge koordiniert er die Arbeit der einzelnen Gruppen, die sich seit Mitte Juli etwa um die Logistik oder das Programm kümmern. "Das ist eine ganz andere Liga", sagt der 19-Jährige. "Wir rechnen mit 10.000 Menschen, wir mussten noch nie Übernachtungen planen, es mussten noch nie Leute 24/7 bereitstehen."

Erstmals gibt es nämlich ein Streik-Camp. Die Demonstranten schlagen ihre Zelte auf der Hofgartenwiese auf, wo Vorträge, Workshops und Konzerte stattfinden. Kurt freut sich besonders auf den Dienstag, der unter dem Motto "Meals" steht. "Wie wir auf unseren Tellern die Welt verändern", heißt eines der Seminare. Abends findet dann die Krach-Demo statt. Dazu bringt Bassenge einen Kochlöffel und einen Topf aus ihrer WG mit. "Da kann man seinem Ärger mal anders Ausdruck verleihen", sagt sie. Sie hat sich auch vorgenommen, zum konsumkritischen Stadtrundgang zu gehen. "Gerade jetzt, wo sie den Primark vor den Hauptbahnhof gesetzt haben." Von der Hofgartenwiese startet am Freitag um 12 Uhr auch die große Demo durch die Stadt.

Foto: GA

"Das alles zu organisieren, ist viel Arbeit", sagt Kurt. "Ich mache gerade nichts anderes." Er freut sich schon auf Freitag. "Dann sind die meisten Leute da, die Stimmung wird sicher gut." Ab 6.30 Uhr bauen sie auf der Hofgartenwiese Zelte und Bühne auf. Bei den Vorbereitungen bekommen die Schüler und Studenten auch Hilfe von anderer Seite: etwa von "Parents for Future" und "Scientists for Future". Außerdem kooperiert die Bewegung mit der "Aktion Mensch", die etwa eine Rampe für Rollstuhlfahrer an der Bühne und eine Gebärden-Dolmetscherin stellt.

Auch Unternehmen beteiligen sich an den Demonstrationen. Am UN-Campus gibt es um 11.55 Uhr eine separate Aktion. Der Zeitpunkt - fünf vor zwölf - soll auf die Dringlichkeit des Themas hinweisen. "Wir wollen eine fröhliche Menschenkette bilden", sagt Christoph Jumpelt, Sprecher der Deutschen Welle. Bergfelds Biomarkt schließt seine drei Filialen von 11 bis 13 Uhr, und die Mitarbeiter gehen zur Demo. Am Nachmittag demonstrieren zudem rund 400 Personen gegen die "Erweiterung des City-Ring"

Auch von Schulen gibt es Unterstützung: Die Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel stößt mit einem eigenen Zug zur Hauptdemo. "Von den Schulen bekommen wir positives Feedback", sagt Kurt. "Die haben das mittlerweile akzeptiert", sagt Bassenge. Die ganze Diskussion ums Schwänzen sei ohnehin überholt. "Stattdessen sollten wir über Inhalte reden."