Noch kein Investor für Bonner: Frank Thelen schreibt Von Floerke ab

Noch kein Investor für Bonner : Frank Thelen schreibt Von Floerke ab

Der Bonner Investor Frank Thelen ("Höhle der Löwen") hat seine 17-Prozent-Beteiligung am Start-up Von Floerke komplett abgeschrieben. Die Rettung gestalte sich "schwieriger als angenommen".

Laut Investor Frank Thelen schwinden die Chancen auf eine Rettung des Bonner Start-ups von Floerke. Hoffnungen auf einen neuen Investor hätten sich vorerst zerschlagen: "Leider gestaltet sich die Rettung durch einen Restrukturierer schwieriger als angenommen. Bisher konnte keine Einigung mit allen Gläubigern, der Geschäftsführung und einem Restrukturierer gefunden werden", teilte Thelen auf Anfrage mit.

Der aus der TV-Sendung "Höhle der Löwen" bekannte Investor ist derzeit noch mit 17 Prozent an dem in Turbulenzen geratenen Bonner Mode- und Spirituosenhändler beteiligt. Den Wert dieser Beteiligung hat Thelen nach eigenen Angaben nun komplett abgeschrieben. "Meine Investment-Gesellschaft hat unsere Beteiligung intern bereits mit null Euro gebucht", so Thelen. Die Summe von Darlehen und Eigenkapital, das er von Floerke bereitgestellt habe, übersteige die 180.000 Euro, die in der TV-Gründershow zugesagt wurden.

Der Bonner Investor will die Beteiligung an seinem ehemaligen Vorzeige-Start-up offenbar nur noch ohne weiteren Ärger loswerden. "Aktuell besprechen wir parallel, wie wir unsere Anteile im Interesse der Kapilendo-Crowd einer Treuhand übergeben können", so Thelen. Er versucht damit, den Interessen der Kleinanleger entgegenzukommen, die sich über die Crowdinvestment-Plattform Kapilendo an von Floerke beteiligt haben - oft wohl auch deshalb, weil mit Thelen ein durch das Fernsehen bekannter Prominenter für das Bonner Mode Start-up geworben hatte. Nun stehen diese Kleinanleger vor einem Totalverlust, wenn von Floerke seine Rendite- und Rückzahlungszusagen nicht einhalten kann.

Gegen Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher laufen seit mehreren Wochen staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung. Doch offenbar reicht das Geld noch, bis Freitag lag dem Amtsgericht Bonn keine Insolvenzanmeldung vor. Vor allem durch nicht ausgelieferte Bestellungen von Spirituosen hatte sich das eigentlich auf bunte Herren-Accessoires spezialisierte Unternehmen den Zorn seiner Kundschaft zugezogen.

Der Bezahldienst Paypal hatte von Floerkes Konten eingefroren, nachdem zahlreiche enttäuschte Käufer ihr Geld zurückgefordert hatten. Doch Unternehmensgründer David Schirrmacher setzt weiter auf den Verkauf von Gin, Whiskey und Co. im Netz. Zuletzt hatte er einen neuen Vertriebsweg über das Internet-Kaufhaus Amazon eröffnet.

Jetzt wirbt er mit der Möglichkeit zur Bestellung auf Rechnung. Gegenüber dem General-Anzeiger will sich Schirrmacher nicht zu seinen Plänen äußern, auf Facebook ist das Unternehmen seit einigen Tagen dagegen deutlich redseliger. Mit Werbesprüchen wie "Kommt auch bald der Staatsanwalt, lässt das nicht die Preise kalt" oder "Die neue Von-Floerke-Anleihe, 40 Prozent * garantierte Rendite, *Volumenalkohol" sorgt er in der Facebook-Gemeinde wahlweise für Entrüstung oder Belustigung.

Über die für eine Firma in Schwierigkeiten ungewöhnliche flapsige Tonlage kann Investor Thelen zumindest nicht lachen: "Wir distanzieren uns von der aktuellen Social-Media-Kommunikation des Unternehmens. Gläubiger, Investoren oder Kunden mit vermeintlich lustigen Sprüchen zu provozieren, entspricht nicht unserem Stil", teilte er mit.

Von Floerke ist währenddessen auf neue Umsätze dringend angewiesen. Nach den drei Modeläden in Köln, Düsseldorf und Münster wurde nun auch die Firmenzentrale am Bonner Markt geschlossen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen laufen sämtliche Aktivitäten des Unternehmens nun vom Lagerstandort in Stadtlohn aus.

Von den ehemals 45 Mitarbeitern sei kaum jemand geblieben, die Geschäfte würden hauptsächlich von Gründer Schirrmacher und seiner Frau geführt. Wer die Bonner Nummer des Unternehmens wählt, gerät an eine Bandansage, auf der Schirrmacher verspricht, der Anrufer werde an einen seiner "Stilberater" weitergeleitet. Es folgt Endlosmusik in der Warteschleife.