Kommentar zur Bonner Bäderfrage: Fragt die Bonner

Kommentar zur Bonner Bäderfrage : Fragt die Bonner

Die Lösung der Bäderfrage nur im Stadtrat zu erarbeiten, wäre fahrlässig, meint unser Autor. Die Bürger sollten beteiligt werden - trotz der hohen Kosten.

Rund 50 ausgewählte Bonner sollen ein Problem lösen, an dem sich der Rat seit Jahrzehnten die Zähne ausbeißt. Sie sollen Bonn zu einem Bäderkonzept verhelfen, das bezahlbar ist, allen Nutzergruppen hilft und nicht sofort wieder von einem Bürgerbegehren zerschossen wird. Kann das funktionieren?

Ja, kann es. Hoffentlich. Denn die Gegenfrage lautet: Gibt es eine Alternative zu umfassender Bürgerbeteiligung in einer Stadtgesellschaft, die in der Bäderfrage derart zerrissen ist? Zwei Bürgerentscheide, zwei gegensätzliche Ergebnisse: Eine jeweils knappe Mehrheit stimmte gegen die Rettung des Kurfürstenbades – aber auch gegen die Alternative, einen Neubau in Dottendorf. Dass Stadtverwaltung und Ratsfraktionen danach etwas ratlos wirkten, ist kein Wunder. Jetzt einfach eine neue Lösung im Rat zu diskutieren und zu beschließen, wäre nach diesen Erfahrungen fast schon fahrlässig.

Wie auch immer der Vorschlag der erwählten Bürger aussieht – mit Widerstand ist in Bonn immer zu rechnen. Außerdem steht Ende 2019 der nächste Kommunalwahlkampf unmittelbar bevor, und nicht jede Partei wird der Versuchung widerstehen, dabei das Bäderthema auszuschlachten. Es wäre deshalb konsequent, wenn die Ratsmehrheit dem Vorschlag der Grünen folgen würde, nach der Bürgerbeteiligung einen Ratsbürgerentscheid auszulösen.

Ja, wenn alle Bonner zur Abstimmung abgerufen werden, kostet das etwa 300.000 Euro. Und ja, damit geben die Ratspolitiker einen Teil der Verantwortung ab, die ihnen die Wähler übertragen haben. Aber bei einem positiven Ausgang des Entscheids wäre klar, was die Mehrheit der Bonner will. Zwei Jahre lang wäre es danach unmöglich, den Beschluss mit neuen Bürgerbegehren zu kippen – ein wichtiges Zeitfenster, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Denn Eile ist mehr als geboten. Fällt das marode Frankenbad aus, bricht das Schulschwimmen in Bonn endgültig zusammen.

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