Fehlende Hygienekontrollen?: Foodwatch-Report kritisiert Mängel in Bonn

Fehlende Hygienekontrollen? : Foodwatch-Report kritisiert Mängel in Bonn

Ein Foodwatch-Report kritisiert Mängel in Bonn. Die städtische Lebensmittelüberwachung bestreitet die Vorwürfe. Laut Foodwatch sollen im Jahr 2018 nur 58 Prozent der vorgesehenen Betriebe tatsächlich überprüft worden sein.

Die Wellen schlugen hoch, als die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch im Dezember ihren Bericht über Lebensmittelkontrollen in Deutschland veröffentlichte. Noch war der Skandal um die listerinverseuchten Fleischwaren der hessischen Wurstfabrik Wilke nicht verdaut. Unter dem Titel „Kontrolle ist besser“ legte die sich selbst als „Essensretter“ bezeichnete Non-Profit-Organisation einen 66-seitigen Bericht über „Anspruch und Wirklichkeit der Lebensmittelkontrollen in Deutschland“ vor. Auch Bonn kam in dem Papier schlecht weg.

Die Organisation war darin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Lebensmittelkontrollbehörden in Deutschland eklatant unterbesetzt seien. Die überwiegende Mehrheit der fast 400 zuständigen Ämter in den Städten, Landkreisen und Bezirken, so hieß es, könnten ihren Aufgaben nicht nachkommen. Bundesweit, so sei es aus den Foodwatch vorliegenden Daten hervorgegangen, wären im Jahr 2018 mehr als eine Viertelmillion vorgeschriebener Betriebskontrollen ausgefallen. Etwa ein Drittel der vorgegebenen Amtsbesuche hätten nicht stattgefunden. Womit die Behörden „massiv gegen die Vorgaben zum Verbraucherschutz verstoßen würden.

58 Prozent der 1925 vorgesehenen Betriebe überprüft

Laut Foodwatch hat auch die Bundesstadt Bonn bereitwillig Auskunft erteilt. Foodwatch interpretierte die Zahlen so, dass die Bonner Kontrollbehörde im Jahr 2018 nur 58 Prozent der 1925 vorgesehenen Betriebe tatsächlich überprüft hätte. Dieses Ergebnis ließ den früheren Stadtdirektor und heutigen Ratsherr Bernhard Wimmer vom Bürger Bund Bonn eine Anfrage an die Stadtverwaltung stellen.

Die Stadtverwaltung indes weist die Darstellung von Foodwatch entschieden zurück. So hätten die elf hauptamtlich mit der Lebensmittelkontrolle in Bonn beschäftigten Mitarbeiter ihr Probenkontingent im Jahr 2018 zu 100 Prozent erfüllen können. Bei der von Foodwatch genutzten Statistik, heißt es in der Stellungnahme der Stadt, habe es sich um die Auswertung einer Software gehandelt, die in nahezu allen Bundesländern von den Lebensmittelüberwachungsämtern genutzt werde. Nach Auskunft der Softwareentwickler habe die durch dieses Programm erzeugte Statistik allerdings die Frageweise von Foodwatch nicht bedienen können. „Der Versuch, Rückschlüsse aus dieser Statistik in der durchgeführten Art und Weise zu ziehen, führt deshalb zu einer fehlerhaften Analyse“, lässt Bonns stellvertretender Pressesprecher Marc Hoffmann wissen. Insofern sei eine prozentuale Auswertung der Soll- und Ist-Plankontrollen – wie von Foodwatch vorgenommen – nicht möglich und auch nicht aussagekräftig.

Auf Anfrage des GA nimmt Martin Rückert, Geschäftsführer Foodwatch Deutschland, umfassend Stellung zur Darstellung der Bonner Stadtverwaltung: Die von Foodwatch publizierten Daten stammten ausschließlich von der Bonner Stadtverwaltung selbst. Dem GA liegt der Bescheid des Bonner Amts für Recht und Versicherungen vom 21. Mai 2019 vor, in dem es als Antwort auf den von Foodwatch gestellten Fragenkatalog heißt: „Im Jahr 2018 hätten 1925 Routinekontrollen in Lebensmittelbetrieben nach Maßgabe der in der AVV Rahmenüberwachung (Anm. d. Red: Abk. für Allgemeine Verwaltungsvorschrift) genannten Kontrollhäufigkeit erfolgen müssen. Die Zahl der tatsächlich erfolgten Routinekontrollen liegt bei 1115 Kontrollen.“

Damit bestätigt der Bescheid die von Foodwatch publizierte Soll-Erfüllungsquote der Bonner Lebenmittelüberwachung von lediglich 58 Prozent. Rückert erklärt weiterhin, dass Foodwatch die Fragestellungen des Reports unter anderem mit den Administratoren der Balvi-Software entwickelt habe. Eventuelle statistische Unschärfen, die es tatsächlich geben könne, räumte Rückert ein, habe man in dem Report transparent gemacht. „Insofern können wir keinen begründeten Zweifel an der Aussage erkennen, dass die Stadt Bonn drastisch zu wenig Kontrollen in Lebensmittelbetrieben durchführt“, so Rückert.

Jens Martin Birkenstein, Abteilungsleiter der Hochschulgastronomie des Bonner Studierendenwerks, kann sich nicht über mangelnde Kontrollen in den Mensen der Stadt Bonn beklagen. Dass er sie für wichtig hält, zeigt auch die Tatsache, dass man sich zu der amtlichen Überprüfung – neben dem Hygienebeauftragten Nicholas Buset – auch eine zweimal jährlich stattfindende Selbstkontrolle durch den Tüv Süd leistet. Zudem verweist er auf das HACCP-Konzept (englisch für: hazard analysis and critical control points), das für alle Unternehmen, die mit der Produktion, der Verarbeitung und dem Vertrieb von Lebensmitteln beschäftigt sind, eine lückenlose Dokumentation vom Wareneingang über die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung verpflichtend verlangt. „Da kann nur wenig schiefgehen“, so Birkenstein.