Kommentar zu Beethovenfest: Flügel im Tiefflug

Kommentar zu Beethovenfest : Flügel im Tiefflug

Der Bürger Bund Bonn kritisiert ein Projekt des Beethovenfestes im vorigen Jahr. Ein hängender Konzertflügel hing im Foyer des WCCB. Wie sich jetzt herausstellte, hat die ungewöhnliche Installation 62.000 Euro gekostet.

Zunächst einmal: Diese pinkfarbenen Schwingen, die Ikarus gleich dem Licht entgegenstreben und die Georg Nussbaumer seine „Zukunftsschrei(b)maschine“ nennt, sind einfach großartig. Die Idee des österreichischen Klang- und Objektkünstlers für diese Arbeit in der Halle des WCCB ist so brillant: Der Flügel erinnert an Beethoven, und die Pendelform bezieht die Betrachter aktiv ein, damit sie damit die Zeit symbolisch beeinflussen – indem sie das Objekt an Bändern zum Schwingen bringen. Und ganz ehrlich sind 62.000 Euro für solch eine Kunstinstallation nicht zu viel Geld. Ich gehöre zu jenen, die Kunst im öffentlichen Raum unbedingt befürworten, die gerne Kunst um sich haben und dafür auch gerne Geld ausgeben. Indes bestimmt die Haushaltskasse unsere Ausgaben. Wir müssen uns am bestehenden Etat und an den anstehenden notwendigen Kosten fürs Leben ausrichten.

Ein solches verantwortliches Vorgehen scheint es nun in diesem konkreten Fall nicht gegeben zu haben. Denn praktisch sieht es so aus, dass die Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH für diese Installation Geld ausgegeben hat, das sie eigentlich nicht besitzt. Die Zuschauerzahlen der Beethovenfeste gehen seit der Intendanz von Nike Wagner bekanntlich kontinuierlich zurück. Und die entstandenen Fehlbeträge trägt großzügig die Stadt Bonn – und damit der Steuerzahler. Als Beobachter dieser Vorkommnisse fragt man sich, ob es eigentlich kein Controlling gibt? Doch: Das Beethovenfest ist personell hervorragend ausgestattet – mit Intendanz, einem kaufmännischen Geschäftsführer und selbstverständlich neben vielen anderen Positionen auch einem Controlling und einer Buchhaltung. Irgendwie schade, dass einem ein solch schönes Objekt bei diesem Hintergrund vermiest wird. Der Flügel setzt zum Tiefflug an.

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