Befragung zum Thema Unterbringung: Flüchtlinge in Bonn wünschen sich am liebsten eigene vier Wände

Befragung zum Thema Unterbringung : Flüchtlinge in Bonn wünschen sich am liebsten eigene vier Wände

Das Diakonische Werk und Schüler des Hardtberg-Gymnasiums befragten Asylbewerber in einer Bonner Unterkunft zu ihren Wünschen. Eigener Wohnraum spielte dabei eine besonders große Rolle.

Die Suche nach einer eigenen Wohnung hat für Flüchtlinge in Bonn oberste Priorität. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage nach ethnographischen Methoden in der ehemaligen Poliklinik in der Wilhelmstraße. Lena von Seggern vom Diakonischen Werk Bonn hat dort zusammen mit Schülern des Hardtberg-Gymnasiums im Frühjahr 50 Geflüchtete nach ihren vordringlichen Zielen befragt. 34 von ihnen wünschten sich einen Auszug in die eigenen vier Wände.

Die weiteren Bedürfnisse rangieren dahinter. 22 der Befragten wünschten sich Arbeit. Ebenso viele wollten zunächst gutes Deutsch lernen. Und 18 Personen wünschten sich deutsche Gesprächspartner, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Weitere Punkte wie Schule, Kindergarten, Studium und Kinobesuche standen zur Auswahl, stießen aber auf geringere Nachfrage.

„Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass sich die Bewohner der Unterkunft gerne integrieren möchten. Sie wollen in Bonn eine Wohnung und eine Arbeit finden“, resümiert von Seggern.

Familienzuzug könnte Situation noch verstärken

Sollte die Zuzugsperre für Familienangehörige anerkannter syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge (im sogenannten subsidiären Schutz) im Frühjahr 2018 fallen, könnte sich der Wunsch nach der eigenen Wohnung unter vielen Personen noch erhöhen. „Was man alleine für eine gewisse Zeit erträgt, möchte man seinen Kindern nicht zumuten“, glaubt von Seggern.

Auch für die Bonner Psychologin und Psychotherapeutin Sabine Schwachula kommt diese Reihenfolge nicht unerwartet. „Das Wichtigste für Menschen mit traumatischen Erfahrungen ist eine geschützte Umgebung“, sagt sie. Flüchtlingsheime oder Notunterkünfte könnten diese Umgebung bei aller Fürsorge nicht bieten. „Da kommen Menschen aus verschiedensten Ländern auf engstem Raum zusammen. Nie gibt es Ruhe oder gar Privatsphäre. Im schlimmsten Fall treffen Opfer hier sogar auf Täter“, so die Psychotherapeutin.

Für Fortschritte beim Deutschunterricht und bei der Bewältigung der erlebten Traumata sei ein zeitnaher Umzug in eine eigene Wohnung damit die Grundvoraussetzung. Eine entsprechende Therapie, die das Erlebte aus der Verdrängung hole, könne die Traumata der Menschen sonst sogar noch verstärken.

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