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Flüchtlinge in Bonn: Stadt will zehn Flüchtlingskinder aufnehmen

Kritik von Hilfsorganisationen : Bonn will zehn Flüchtlingskinder aufnehmen

Oberbürgermeister Sridharan will bis zu zehn Kinder aus den Flüchtlingslagern in Griechenland und an der türkisch-griechischen Grenze nach Bonn holen. Hilfsorganisationen halten das allerdings für zu wenig.

Die Stadt hat sich dazu bereit erklärt, bis zu zehn Kinder aus den griechischen Flüchtlingslagern und den Camps an der griechisch-türkischen Grenze aufzunehmen. In einem offenen Brief hatte Oberbürgermeister Ashok Sridharan Anfang des Monats erklärt, die Stadt wolle bis zu zehn Kinder aufnehmen, die behandlungsbedürftig oder unbegleitet und nicht älter als 14 Jahre sind. Eine GA-Anfrage zu den Einzelheiten konnte das Presseamt am Dienstag nicht beantworten.

Hilfsorganisationen fordern Stadt auf mehr Kinder aufzunehmen

Bereits Anfang März hatten sich die Initiativen Seebrücke Bonn, Sea Eye Bonn und Jugend Rettet Bonn an den OB gewandt und ihn aufgefordert, ein Zeichen zu setzen. In einem weiteren offenen Brief kritisiert das Bündnis nun, dass die Stadt nicht mehr Flüchtlinge aufnimmt.  „Wir halten die Zahl für sehr gering. Bei 331 freien Plätzen, die die Stadt für Geflüchtete hat, wäre mehr möglich“, sagt Lailah Atzenroth von der Seebrücke.

Die Organisationen fordern, das Aufnahmeangebot nicht nur auf behandlungsbedürftige oder unbegleitete Kinder unter 14 Jahren zu beschränken. Zudem wollen sie, dass sich die Stadt gegenüber dem Bund bereit erklärt, weitere Flüchtlinge unterzubringen. Auch solle die Offerte, Kinder aufzunehmen, öffentlich gemacht werden, damit andere Kommunen dem Beispiel Bonns folgen.

In seinem Schreiben an das Büdnis weist Sridharan darauf hin, dass die Stadt in den letzten Jahren mehr Flüchtlinge aufgenommen hat, als sie nach dem bundesweiten Verteilungsschlüssel musste. Der OB schreibt über die Lage an den Grenzen der EU: „Die Europäische Union ist daher dringend gefragt, endlich zu einer Lösung zu kommen, um diese Situation zu beenden.“ Die Menschen könnten nicht so lange warten, bis die EU eine Lösung gefunden habe, entgegnet das Bündnis.

Coronavirus verschlimmert Lage in den Flüchtlingslagern der griechischen Inseln

Durch die Corona-Pandemie habe sich etwa die Lage in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln noch verschlimmert. „Die sind eigentlich für 7000 Menschen vorgesehen, 42.000 leben dort“, sagt Atzenroth. „Dort gibt es viel zu wenig Sanitäranlagen.“ Die Menschen lebten auf engstem Raum, könnten sich nicht regelmäßig die Hände waschen. Zudem hätten viele von ihnen durch ihre Flucht schon Vorerkrankungen. Dadurch sei das Coronavirus ein noch größeres Risiko.

 Das Virus beschäftigt auch die Integrationsbeauftragte der Stadt, Coletta Manemann: „Die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe ist natürlich nicht mehr so groß wie in den Jahren 2015 und 2016, aber nach wie vor sehr aktiv. Aktuell gilt, dass Aktivitäten aufgrund der Coronavirus-Infektionen nicht stattfinden können.“