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Filmemacher Georg Divossen dreht Doku-Spielfilm über Beethoven

Dreharbeiten in Bonn : Georg Divossen realisiert Doku-Spielfilm über Beethoven

Filmemacher Georg Divossen dreht in Bonn einen Doku-Spielfilm über Ludwig van Beethoven. Es wird allerdings kein Film über das Leben werden, sondern über die letzten Jahre in Bonn bis zur Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen im Jahr 1794.

Maximilian Franz von Österreich gilt allgemein als der erste Mäzen Ludwig van Beethovens. Der Kurfürst stattete den aufstrebenden Musiker und Hoforganisten mit einem monatlichen Salär aus, schickte ihn zweimal nach Wien und machte ihn mit Haydn bekannt. Doch seine Bedeutung für Bonn geht weit über die vermeintliche Förderung des größten Sohns der Stadt hinaus: Er war es, der im Rheinland die Aufklärung etablierte und zahlreiche Reformen anstrebte, die nicht nur das kulturelle Leben maßgeblich prägen sollten. Eine faszinierende Figur, betont Filmemacher Georg Divossen – und nutzt einen Auftrag des Frauenmuseums dazu, sowohl Beethoven als auch Max Franz einmal genauer zu beleuchten.

Historische Kostüme und Interviews

Im Gegensatz zur ARD will Divossen keinen großen Spielfilm über das Leben Beethovens von der Kindheit bis zum Tod drehen, sondern eine etwa 45-minütige Dokumentation über die Zeit von 1784 bis 1794 mit so genannten Reenactment-Szenen ohne Dialoge. „Unsere Schauspieler stellen in historischen Kostümen die zentralen Gestalten wie Kurfürst Max Franz, Kapellmeister Christian Gottlob Neefe, Helene von Breuning oder eben Ludwig van Beethoven dar“, erklärt der Regisseur während einer Besichtigung der Redoute. „Dazu kommen Interviews mit Experten oder auch mit den Schauspielern in Zivil. Ziel ist es, das Klima der Aufklärung zu verdeutlichen, das durch den Kurfürsten maßgeblich gefördert wurde und das sich etwa in der entstehenden Salonkultur des Bürgertums zeigt. Auch Beethoven verkehrte in diesen Kreisen – für meinen Film sehe ich ihn als eine Art Katalysator.“

Seit Ende Oktober sind Divossen und sein Team dabei, das benötigte Filmmaterial zusammenzustellen. Keine leichte Aufgabe, sollen die Szenen doch auf der einen Seite der Epoche gerecht werden, auf der anderen Seite aber mit einem knappen Budget realisiert werden. „Der Trick ist, es teurer aussehen zu lassen, als es in Wirklichkeit ist“, gesteht Divossen lachend. „Eine der größten Herausforderungen war es, die richtigen Orte zu finden. Die ehemalige kurfürstliche Residenz ist ja durch die Tiefgaragenbaustelle im Hofgarten als Bildmotiv nicht zu nutzen. Wir waren für Außenaufnahmen in Brühl, aber im Inneren des Schlosses herrscht Drehverbot; und Schloss Morsbroich sollte Unsummen kosten. So sind wir in Schloss Miel gelandet.“ Dazu kamen das Bürgermeister-Stroof-Haus, die Gaststätte Treppchen, das Mehlemsche Haus – und jetzt eben in der Redoute, wo im Januar noch ein paar Aufnahmen mit Max Franz entstehen sollen. „Ich finde die Idee dieses Films toll und unterstütze sie gerne“, erklärt Bettina von Borries, deren Mann Pächter des Anwesens in Bad Godesberg ist.

Leopold Klieeisen spielt Beethoven

Obwohl der Film durchaus informativ sein soll, ist sich Georg Divossen sicher, dass er mit der ein oder anderen Szene anecken könnte. „Ich kann nicht anders, als auch mal etwas humoresk zu machen“, gesteht er. „Unser Beethoven hat mitunter durchaus etwas jugendhaft Verspieltes, da könnten sich einige Bürger schon dran stören. Auch haben wir uns die Freiheit genommen und die ein oder andere Szene gestellt, die nicht belegt ist. Die Zitate, die wir bringen, sind es hingegen schon.“ Gespielt wird die Hauptfigur übrigens vom Bonner Schauspieler Leopold Klieeisen, der im Jungen Theater Bonn seine ersten Erfahrungen auf der Bühne machte und 2012 in dem dritten „Hanni und Nanni“-Film zum Teenie-Star avancierte. Die Premiere des Films soll im März 2020 stattfinden.