Kommentar zur Solarenergie: Fatales Signal

Kommentar zur Solarenergie : Fatales Signal

Es ist schon ein fatales Signal, das die Bonner Stadtverwaltung zur Installation von Solaranlagen aussendet: Lohnt sich alles nicht. Ein Kommentar von GA-Redakteur Philipp Königs.

Diese Einschätzung bleibt hängen, obwohl sie nicht den Tatsachen entspricht. Wer es schafft, den sogenannten Eigenstromanteil, also den eigenen Verbrauchsanteil der auf dem Dach erzeugten Energie weitgehend selbst zu nutzen, kann von Strom aus Solaranlagen profitieren. Warum soll diese Rechnung bei Otto-Normal-Verbrauchern greifen, bei der Stadt aber nicht.

An dieser Stelle zieht das Argument nicht, dass die Stadtwerke Bonn (SWB) mit ihrer Expertise der Verwaltung überlegen ist und deswegen die Kosten beim Einkauf eigener Anlagen stärker senken kann. Denn diese kostensenkenden Möglichkeiten hat ja auch der Bürger nicht.

Man fragt sich schon, warum sieben Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, der anschließenden Abkehr von der Atomenergie und der damit verbundenen Energiewende städtische Liegenschaften wie Kindertagesstätten nicht längst einer belastbaren Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzogen wurden. An dieser Stelle hat die Stadt Bonn, die sich die Nachhaltigkeit so gerne auf die eigenen Fahnen schreibt, schlichtweg unnötig Zeit verstreichen lassen.

Dabei ist die grundsätzliche Haltung, Investoren für solche Projekte zu suchen, nicht verkehrt in einer hochverschuldeten Stadt. Mit den Stadtwerken hat man eine städtische Gesellschaft an der Hand, die so etwas umsetzen kann. Die SWB haben erst Ende vergangenen Jahres auf einem Hochwasserbehälter an der Robert-Koch-Straße eine Solaranlage in Betrieb genommen und suchen gerade nach weiteren Standorten auf eigenen Häusern.

Die Stadt sollte alles daran setzen, um ihren energiepolitischen Willen zu demonstrieren und den daraus folgenden Imagegewinn einzustreichen. Das Potenzial ist erheblich. Ein Blick nach Berlin zeigt: Dort sind auf 0,6 Prozent der Dachflächen Solarmodule installiert, schätzungsweise wären 25 Prozent geeignet. Es würde Bonn gut zu Gesicht stehen, wenn gerade in Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften, explizit mit der städtischen Vebowag, alles daran gesetzt würde, das Potenzial von Solarstrom für Bonn zu heben. Für einen solchen Schritt ist es nicht zu spät.