Simple Minds in Bonn: Fangesänge der anderen Art

Simple Minds in Bonn : Fangesänge der anderen Art

Simple Minds, die rockenden Schotten, haben auf dem KunstRasen Bonn die Fans begeistert. Nahezu alle großen Hits waren zu hören.

Zwei Tage vor dem großen WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien dreht sich nahezu alles um Fußball. Bewusst oder unbewusst. Und auch wenn diese Assoziation fast schon etwas zu bemüht sein dürfte: Als Simple-Minds-Frontmann Jim Kerr auf dem KunstRasen "Alive and Kicking" anstimmt, kommt unweigerlich das Bild der Nationalmannschaft im Spiel gegen Brasilien in den Sinn.

Auch wenn der Titel auf die rockenden Schotten zutreffen würde, die mit ihrer Celebrate-Tour erneut zu Protokoll geben wollen, dass sie noch da und durchaus in der Lage sind, die Massen zu begeistern. "Don't you forget about me" mahnt Kerr die rund 3000 Besucher denn auch, die sich bei erfreulicherweise trockenem Wetter in den Rheinauen eingefunden haben. Als würden die Fans das jemals tun.

Obwohl von der Original-Besetzung nur noch Kerr und Gitarrist Charlie Burchill mit dabei sind, klingen die Minds noch mehr oder weniger so wie in der zweiten Hälfte der 80er, der Zeit ihrer größten Erfolge und zugleich ihrer Zersplitterung und Neuformierung: Bedächtige New-Wave-Konzepte schweben über knackigen Gitarren-Riffs und massiven Sythi-Klängen, Progressive Rock, Elektronische Musik und Pop sind ebenfalls in diesem Amalgam enthalten.

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Alt klingt der Sound aber nicht, hat ganz im Gegenteil nichts von seinem Zauber verloren. Einige neue Songs (darunter "Blood Diamonds" und "Broken Glass Park") reihen sich nahtlos in die Klassiker ein, ertönen zwischen "Someone somewhere in Summertime", "The American" oder "Sanctify Yourself".

Dazu darf Background-Sängerin Sarah Brown mit einer faszinierenden, elektronisch aufgepeppten Cover-Version von Patti Smiths "Dancing Barefoot" glänzen - eine schöne Ergänzung, auch wenn die Minds selbst mehr als genug eigenes Material zur Verfügung hätten.

Im Mittelpunkt steht aber unbezweifelbar Frontmann Jim Kerr, eine Rampensau mit trotz der Temperaturen lässig um den Hals geworfenem Schal, kontinuierlichen Forderungen nach winkenden Händen und vor allem lasso-ähnlichem Mikro. Ein Zeichen: Hier herrscht Fliehkraft statt Schwerkraft, ist man eher abgehoben denn geerdet.

Nicht überheblich, dafür ist Kerr viel zu offen, bezieht das Publikum auch immer wieder mit ein (und hat bei gewissen "Hey Hey Hey"-Rufen" ohnehin keine andere Chance) - aber eben in einer eigenen Welt. Sphärische Abstraktheit in Text und Sound dominiert (von wegen "Simple Minds"), zumal ausgerechnet "Belfast Child" im Programm als einziger Riesen-Hit fehlt. Schade. Aber was soll's - Spaß macht das Konzert trotzdem.

Die Menge genießt den treibenden Beat, geht gut mit, bejubelt jeden Song. Schade nur, dass Kerr sich abgesehen von Standard-Floskeln nicht mit dem Publikum in Verbindung setzt. Es wäre das Sahnehäubchen gewesen.

GA-Leser treffen Simple Minds

Unmittelbar vor dem Konzert ist für zwei Leser des General Anzeigers ein Traum wahr geworden: Dank einer Verlosung konnten Norbert und Annette Breidbach für einige Minuten "Simple Minds"-Leadsänger Jim Kerr bei einem Meet and Greet ganz nah kommen. "Wir haben ja damals schon die Anfänge sehr genau verfolgt, etwa die Tour mit Peter Gabriel", erklärt Fan Norbert. Eigentlich hatte dessen Sohn gewonnen - "aber der musste leider arbeiten", fügte seine Frau hinzu. So hatten sie die Gelegenheit, ein Foto mit Kerr zu bekommen.

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