1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonner Amtsgericht: Falscher Drehbuchautor zockt Geliebte ab

Bonner Amtsgericht : Falscher Drehbuchautor zockt Geliebte ab

Richter haben einen 36-jährigen Hochstapler zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt. Im Herbst 2015 wurde eine Bonnerin Opfer seiner Masche.

Es war immer dieselbe Masche, mit der es dem 36-Jährigen gelang, Frauen einzufangen. Erst gab er den einfühlsamen Seelentröster, dann den begabten Liebhaber, und schließlich log er ihnen das Blaue vom Himmel herunter: Er sei ein erfolgreicher Drehbuchautor mit Großprojekten für die Kinoleinwand, aber auch für Fernsehspiele, derzeit leider ein wenig klamm und für eine kleine finanzielle Unterstützung für seinen neuen großen Script-Auftrag dankbar.

Die Geliebten, von der künstlerischen Passion ihres neuen Freundes überzeugt, zahlten, bis ihre Ersparnisse aufgebraucht waren. Oder sie dem Betrug auf die Spur kamen. Das Bonner Amtsgericht hat den falschen Drehbuchautor jetzt wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren Haft verurteilt. Nach seinem Geständnis wurde die Strafe sogar zur Bewährung ausgesetzt.

Der erste aktenkundige Fall spielte 2012 in Aachen: Eine 32-jährige Hotelfachfrau saß in Tränen aufgelöst in einem Lokal, der Angeklagte tröstete sie und hörte ihr zu. „Er war für mich da, das hat mir gut getan“, schilderte die Frau, die an einem Burnout litt, später als Zeugin. Bald schon hoffte sie auf eine gemeinsame Zukunft: „Ich wollte ihm helfen, ich habe ihn geliebt.“ Sie gab ihm 14.517 Euro, bis sie misstrauisch wurde und Nachforschungen anstellte.

Denn sie fragte sich: Warum erscheint sein Name nie im Abspann der Filme, für die er angeblich Autor oder Ghostwriter war? Bei der Recherche stieß sie auf eine Schweizerin, die ihr erzählte, dass der Angeklagte bereits von anderen Frauen Geld geliehen und nie zurückgezahlt habe. Die 32-Jährige forderte ihr Geld zurück, aber da war nichts mehr. Verzweifelt erzählte sie ihren Eltern, dass sie einem Betrüger aufgesessen sei und alles verloren habe. Der Fall brachte sie sogar in die Psychiatrie.

Im Herbst 2015 wurde eine Bonnerin zum Opfer des Schwindlers, der mal als Kameraträger gearbeitet hatte und von einer großen cineastischen Karriere träumte. Auch die 40-Jährige verliebte sich und lieh dem angeblichen Scriptschreiber insgesamt 15.515 Euro.

Nachdem auch sie ihn durchschaut hatte und nicht mehr zahlen wollte, erpresste er sie, so hieß es noch in der Anklage: „Ich erzähle Deinen Eltern, dass Du mir hinterherläufst und mir schon viel Geld gegeben hast.“ Die Drohung reichte, damit sie ihm weitere 4825 Euro in bar gab. Dieser Fall jedoch wurde jetzt eingestellt, weil der Angeklagte zugab: Das sei „nicht nett“ gewesen, aber die Frau habe freiwillig gezahlt. Ihr Geld wird die 40-Jährige kaum wiedersehen.