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Diskussion in Bonn: Fake News und welche Gefahr sie mit sich bringen

Diskussion in Bonn : Fake News und welche Gefahr sie mit sich bringen

Journalisten, darunter GA-Chefredakteur Helge Matthiesen, und Politiker haben am Dienstagabend diskutieren auf Einladung der Brost-Stiftung in Bonn über die Gefahr von Fake News diskutiert.

Die Erde ist doch eine Scheibe. Im Internet würde diese Nachricht vermutlich mehr Leser finden als der hier folgende Bericht über eine Diskussion von Journalisten und Politikern über mögliche Gefahren durch gezielte Falschmeldungen. Dafür gibt es aus Sicht von Tanit Koch einen einfachen Grund: „Fake News sind häufig unterhaltsamer als echte Meldungen“, sagt die Chefredakteurin der Zentralredaktion der RTL-Gruppe am Dienstagabend in einer Podiumsdiskussion auf Einladung der Brost-Stiftung in der Bonner Akademie für praktische Politik (BAPP).

Dass Fake News trotz aller Auswüchse das Fundament der demokratischen Gesellschaft nachhaltig unterhöhlen, glaubt von den Diskutanten trotzdem niemand. Trotz der kritischen Nachfragen von Moderator Michael Krons (phoenix) geben sich die Diskutanten erfrischend unaufgeregt. In diesem Zusammenhang prägen Stereotype von tumben Unterschichten, die bösartigen Hetzern ins Netz gehen, die üblichen Debatten. Koch betont dagegen, Akademiker seien genauso empfänglich dafür. So habe ein falscher Tweet von Donald Trump vor seiner Wahl zum US-Präsidenten unter vielen Intellektuellen unhinterfragt die Runde gemacht.

GA-Chefredakteur Helge Matthiesen wiederum erklärt, jüngere Mediennutzer seien nach seiner Wahrnehmung häufig besser informiert als ältere, auch wenn sie keine Tageszeitung läsen oder die Tagesschau einschalteten. Und „Spiegel“-Reporter Lukas Eberle aus Düsseldorf berichtet, Mediennutzer würden bei kostenpflichtigen Inhalten seiner Redaktion im Netz vermehrt längere, informative Texte statt Schlagzeilen einfordern.

Alles also ein Sturm im Wasserglas? Nicht ganz. So unterschiedlich die vertretenen Medien auf dem Podium auch sein mögen: Deutlich wird doch, dass alle noch einem Weg suchen, journalistische Informationsangebote ins Internet-Zeitalter zu retten. In der Erlöskrise bei sinkenden Auflagen und Einschaltquoten sehen ihre Macher die eigentliche Gefahr für die demokratische Meinungsbildung.

Dem pflichtet auch Alexander Schweitzer, Fraktionschef der SPD im rheinland-pfälzischen Landtag, bei. Natürlich sei es verlockend, fertige Statements an nicht-journalistische Internetportale zu verschicken, die sie unredigiert veröffentlichen. Schweitzer twittert auch regelmäßig, obwohl sich fast nur andere Politiker und Journalisten in dem Netzwerk tummelten. Aber eine differenzierte Berichterstattung sei ihm dennoch lieber. Die wirklich relevanten Themen im Land würden schließlich immer noch analog verhandelt, berichtet er. Eine Verantwortung der Politik für den Erhalt der Medienvielfalt negiert er indessen. Stattdessen sollten auch Internet-Anbieter künftig stärker reguliert werden.

Koch und Eberle sehen indessen auch selbstkritisch Defizite im Journalismus, wenn sie den Metropolen-Blick bzw. die mangelnde soziale wie ethnische Durchmischung der Journalisten bemängeln. Presse, Funk und Fernsehen – so die These – berichten damit womöglich viel zu selektiv und lassen ganze Regionen oder Bevölkerungsgruppen kaum zu Wort kommen. Es sei zudem erschreckend, dass viele Bürger abweichende Meinungen gar nicht mehr zulassen wollten.

Das Podium in Bonn bleibt ebenfalls unter sich. Eine Diskussion mit dem Publikum sieht die Moderation nicht vor. Gerade einmal zehn Minuten bleiben für vier Nachfragen. So bleiben die Journalisten und der Politiker auf dem Podium auch an diesem Abend bequem in ihrer Blase.