Bahnverkehr zwischen Bonn und Köln: Fahrgäste beschweren sich über Ausfälle und Verspätungen

Bahnverkehr zwischen Bonn und Köln : Fahrgäste beschweren sich über Ausfälle und Verspätungen

Bei Fahrgästen der Bahn regt sich Unmut wegen Zugausfällen und Verspätungen im Nahverkehr zwischen Bonn und Köln. In der Kritik steht der Betreiber National Express. Der aber verweist auf eine Sommerbaustelle der Deutschen Bahn.

Später Nachmittag, Bonner Hauptbahnhof. Endlich rollt sie los, die Regionalbahn (RB) 48 nach Köln. Erleichterung macht sich auf den Sitzen breit, obwohl man angesichts der Verspätungsdauer gar nicht mehr genau weiß, ob es sich nicht vielleicht schon um den nächsten Zug im Fahrplan handelt.

Der Grund für die Panne: unklar. Aber egal, jetzt läuft's ja. Regenreste tropfen von Jacken und Haaren auf den Boden des Großraumwaggons, und sogar Unterhaltung wird geboten: „Dies ist ein außerplanmäßiger Halt“, sagt die Männerstimme vom Band – und das gleich mehrmals auf der 33 Kilometer langen Strecke. In Höhe Tannenbusch. Dann bei Roisdorf. Irgendwo vor Brühl. Und schließlich noch einmal, als der Zug schon zur Hälfte in den Kölner Hauptbahnhof eingefahren ist. Stirnrunzeln, Augenverdrehen, Stöhnen.

Es ist beileibe nicht alles Gold, was da derzeit weißblau lackiert auf den Schienen des Regionalverkehrs glänzt. „National Express“ (NX) heißt das Privatunternehmen, das sich in den vergangenen Wochen bei Fahrgästen im Nahverkehr des Rheinlands nicht nur Ruhm erworben hat.

Übernahme im vergangenen Dezember

An der Frage, wer an dem Holperstart die Schuld trägt, scheiden sich die Geister. Tatsache ist: Im vergangenen Dezember hat die Kölner Firma den Betrieb der Bahnlinien RE 7 (von Rheine durchs Ruhrgebiet und über Köln nach Krefeld) und RB 48 (Bonn-Wuppertal) übernommen hat.

Deren Präsentation zwei Wochen vor Heiligabend klang so verlockend wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk: Neue Züge, mehr Infos und Pünktlichkeit, so hatte es geheißen. Pendlerherz, was willst du mehr? Und wirklich: Wohltuend, ja geradezu befremdlich sauber sind sie, die NX-Züge vom Typ Talent 2. Einzig mit den beiden anderen Postulaten hapert es noch. Denn immer wieder fallen Züge aus, viele Passagiere sind frustriert.

Ihr Verdruss muss in in den vergangenen Tagen derart massiv gewesen sein, dass sich die Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR) zum Handeln gezwungen sah. Am Dienstag hat sie Vertreter von „National Express“ zum Krisengespräch geladen. Dass die NVR die Sachlage aus ihrer Sicht unmittelbar nach dem Rapport per Pressemitteilung in die Welt blies, darf wohl als unverständliches Druckmittel verstanden werden.

Vielzahl von Kundenbeschwerden

Und was die NVR so schildert, klingt mit den Ohren des so hoffnungsvoll gestarteten Privatunternehmens nicht gerade schmeichelhaft: Von einer „Vielzahl von Kundenbeschwerden über die mangelhafte Betriebsqualität der Zuglinien RB 48 und RE 7“ wird ebenso unverhohlen berichtet wie von dem Umstand, dass „NX die vertraglich festgelegten Leistungen auf der RB 48 insbesondere in der vergangenen Woche nur ungenügend“ habe erbringen können. Ungenügend, so nennt man in der Schule eine glatte Sechs. „Eine Vielzahl von Leistungen fiel aus“, so die NVR. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Züge der RE 7 hätten zwischen Krefeld und Köln Messe/Deutz nur mit einer Einfach- statt mit einer Doppeleinheit verkehrt. Die Folge: In den Zügen wurde es eng.

Woran also hapert's? Dazu sagt NX-Sprecher Marcel Winter: „Bedingt durch die Sommerbaustelle der DB Netz AG und der daraus resultierenden Fahrzeug- und Personalmehrung, den Sommerferien und zusätzlichen kurzfristigen Krankmeldungen kam es zu Ausfällen einzelner Umläufe.“ Winter zufolge sind die Schwierigkeiten eigentlich schon überwunden: „Durch interne Maßnahmen konnten diese seit Mitte letzter Woche allerdings nahezu kompensiert werden“, sagt er. Und: Zum 1. August seien „zusätzliche Lokführer“ eingestellt worden.

Weil eine hinreichende Anzahl an Lokführern noch keinem Bahnbetrieb geschadet hat, werden die Fahrgäste dies gern hören. Ebenso wie die NVR, deren Geschäftsführer Heiko Sedlaczek sagt: „Obwohl wir annehmen, dass NX alles tut, um die Zahl der Zugausfälle so gering wie möglich zu halten und der Betrieb durch die große Sommerbaustelle zwischen Opladen und Solingen erschwert wird, können wir die aktuellen Probleme im Sinne unserer Kunden nicht tolerieren. NX muss mit einem griffigen Personalkonzept und einer transparenten Kundeninformation auf die Ausfallserie reagieren“.

Es bleiben also noch einige Aufgaben für das junge Unternehmen. Positivistisch veranlagte Fahrgäste können erst einmal durchatmen: Vorerst bleibt das Bahnfahren aufregend. Was hatte noch einmal der Slogan auf der NX-Internetseite versprochen: „Spannende Events mit National Express“.

Wie läuft bei Ihnen der Weg zur Arbeit und zurück? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen in Form von Kommentaren oder per E-Mail an online@ga-bonn.de.

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