Stadtleben-Kolumne: „Fack ju Göhte“ statt Unterricht

Stadtleben-Kolumne : „Fack ju Göhte“ statt Unterricht

Es geht auf die Urlaubszeit zu. Für GA-Redakteur Richard Bongartz Grund genug, um etwas über die Vorbereitung auf die Ferien zu schreiben.

Der Countdown für die Ferien läuft: Das merkt man daran, dass die Gespräche über die andauernde Hitzewelle und das damit verbundene Blumengießen auf dem Balkon ab sofort davon begleitet werden, dass jemand seufzt: „Ich bin jetzt aber auch wirklich urlaubsreif.“ Das hört sich nicht nach großer Vorfreude auf die Tage am Strand an. Wie soll die aber auch aufkommen, wenn im Fernsehen anstatt schöner Reiseziele ständig nur die prognostizierten Staus vorgestellt werden? Die Kinder laden sich mittlerweile schon ganze Serienstaffeln aufs Tablet, die sie sich während der zahllosen bevorstehenden Stop-and-go-Stunden wohl komplett anschauen können.

Filme sind hoch im Kurs, da in den vergangenen Wochen statt Unterricht verstärkt der Beamer angeworfen wird – meist vom Technikfreak der Klasse, da die Lehrer damals wie heute keine Ahnung davon haben. Wer Pech hat, quält sich in Geschichte durch eine 300-minütige Schwarz-Weiß-Dokumentation über den Ersten Weltkrieg. Spannender wird’s in Bio bei einer Reportage über Fleischproduktion. Richtig Schwein hat aber die 8 a, wo Herr Schulze „Fack ju Göhte“ laufen und in der Doppelstunde die Klasse alleine lässt, weil er vor den Zeugniskonferenzen noch ein paar Korrekturen machen muss.

Bevor es so richtig losgeht, merken wir, dass die Tage wieder kürzer werden. Auch weil in den Geschäften Shorts und Shirts und schon wieder weggeräumt werden, um den ersten Schals und Wintermänteln Platz zu machen. So verbleibt auch weniger Zeit für die letzten Reisevorbereitungen: Vor der Abfahrt das Auto waschen, das am Urlaubsziel wieder völlig verdreckt sein wird. Der Nachbar braucht die Schlüssel für Briefkasten und Wohnung, Zeitungsabo abbestellen nicht vergessen und schon mal H-Milch für die Zeit nach der Rückkehr kaufen.

Dann kommt der Tag der Abfahrt: Ausgeschlafen und munter morgens um halb drei sollen die letzten Taschen in den Kofferraum, in dem aber wegen des Schlauchboots kaum noch Platz ist. Dann kann's aber schließlich doch losgehen. „Mann, bin ich urlaubsreif!“

Mehr von GA BONN