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Europäische Wetterbehörde: Bundesregierung bewirbt sich mit Bonn

Bewerbung der Bundesregierung : Europäische Wetterbehörde könnte nach Bonn kommen

Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage soll nach Bonn kommen. Die Bundesregierung bewirbt sich mit der Bundesstadt offiziell für eine geplante Niederlassung bei der Europäischen Union.

Die Bundesregierung bewirbt sich mit der Bundesstadt offiziell für eine geplante Niederlassung bei der Europäischen Union, wie das Bonner Presseamt am Montag bekanntgab. Außer Deutschland haben sich auch Österreich und Frankreich beworben. Der EZMW-Rat wird über den künftigen Sitz im Dezember entscheiden.

Derzeit hat die Behörde ihren Hauptsitz in Großbritannien. Aufgrund des Brexits benötigt sie eine zusätzliche Niederlassung im Gebiet der EU. „Bonns Vorzüge als Standort international ausgerichteter Organisationen und Unternehmen haben sich in der Vergangenheit vielfach gezeigt“, betonte Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) am Montag. Dafür sei die kontinuierlich wachsende Zahl der Einrichtungen der Vereinten Nationen ein sichtbarer Beleg. „Die mögliche Ansiedlung steht im Einklang mit dem Ziel des Bundestagsbeschlusses von 1991, Institutionen von internationaler Bedeutung nach Bonn zu holen“, so Sridharan weiter. Deshalb wolle er  mit der Stadt Bonn „an der Ausarbeitung einer chancenreichen Bewerbung intensiv“ mitwirken.

Für die Ansiedlung gibt es bereits konkrete Pläne. Für die Niederlassung ist ein Neubau vorgesehen, der auf einem bundeseigenen Grundstück in Bad Godesberg-Nord an der Ludwig-Erhard-Alle nahe dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit entstehen soll. Zunächst finden dort laut Mitteilung der Stadt Bonn 320 Mitarbeiter Platz. „Die Dimensionen des Neubaus sollen sich dabei am neuen Hochhaus des UN-Klimasekretariats im UN Campus mit einem zusätzlichen Konferenzzentrum orientieren“, teilte die Stadt mit. Mit der Stadtbahn-Haltestelle Robert-Schuman-Platz gebe es eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.

An dem neuen Standort sollen zunächst Aufgaben ausgeführt werden, die das EZMW innerhalb des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus übernimmt. Dabei handelt es sich um die Programme Copernicus Climate Change Service und Copernicus Atmosphere Monitoring Service. Durch sie werden täglich Informationen zur globalen Zusammensetzung der Atmosphäre bereitgestellt. Dies betrifft etwa Treibhausgase, reaktive Gase, Ozon und Aerosole. Von politischen Entscheidungsträgern werden die Daten genutzt, um die Einhaltung des Montrealer Protokolls über Stoffe, die zu einem Abbau der Ozonschicht führen, sicherzustellen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Bewerbung für den Standort Bonn. Sie sei ein überzeugendes Angebot an die europäischen Partner. „Nordrhein-Westfalen freut sich darauf, sich im engen Schulterschluss mit der Bundesregierung und der Stadt Bonn nach Kräften für diese Bewerbung einzusetzen.“ Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist ebenfalls voll des Lobes. Der CSU-Politiker sehe es als zentrales Anliegen, die Arbeitsfähigkeit des EZMW vom ersten Tag an zu stärken und es optimal für die Zukunft aufzustellen.

Die Entscheidung über den künftigen Sitz der Organisation will der Rat der Behörde voraussichtlich im Dezember 2020 treffen. Sollte die Wahl auf die Bundesstadt fallen, zögen die ersten Beschäftigten schon im ersten Halbjahr 2021 nach Bonn an einen Interimsstandort. Der gesamte Umzug solle dann in der zweiten Jahreshälfte 2023 abgeschlossen werden.