Bilderbuchkino der Bücherei St. Laurentius: "Es gibt für jede Stimmung das passende Buch"

Bilderbuchkino der Bücherei St. Laurentius : "Es gibt für jede Stimmung das passende Buch"

Einmal im Monat kleben die Kinder aus Lessenich und den umliegenden Stadtteilen an ihren Lippen: Gabriele Göbel organisiert seit mehr als 15 Jahren das Bilderbuchkino in der Bücherei St. Laurentius.

Dort arbeitet sie schon seit 55 Jahren. Mit ihr sprach Stefan Knopp.

Wann war Ihr erster Kontakt mit der Lessenicher Bücherei?
Gabriele Göbel: Wir sind 1956 nach Bonn gekommen. Ich war hier in der Grundschule und kam dadurch in Kontakt mit dem Rektor Gottschling, der auch die Bücherei geleitet hat. Es war damals eine große Ehre für einen Schüler, wenn man ausgewählt wurde mitzuarbeiten. Natürlich unter ganz strengen Vorzeichen: Was der Lehrer sagte, wurde auch gemacht. Und die Bücher wählte der Lehrer für die Leser aus. Der Lehrer war damals eine Respektsperson, und wenn der das so wollte, wurde das auch so gemacht.

Jetzt leiten Sie die Bücherei zusammen mit Renate Güsgen. Funktioniert der Betrieb?
Göbel: Wir ergänzen uns ganz gut. Frau Güsgen macht die rechnerischen Sachen und das Organisatorische. Ich kann mit den Kindern umgehen, Bücher vorlesen und Schulklassen beschäftigen. Wir haben etwa 25 Mitarbeiter. Hauptsächlich, leider Gottes, Leute in meinem Alter oder noch älter. Jugendliche haben wir nur wenige. Es ist sehr schwierig, junge Leute zur Mitarbeit in der Bücherei zu motivieren.

Und Sie veranstalten einmal im Monat das Bilderbuchkino.
Göbel: Ich zeige das Bilderbuch im Dia und lese nicht vor, sondern erzähle es mit meinen eigenen Worten und stelle Fragen. Die Kinder können dann ihren Kommentar dazu abgeben.

Gibt es weitere Angebote für junge Leser?
Göbel: Ja, zum Beispiel Bibfit für die Vorschulkinder. Sie kommen an drei verschiedenen Terminen zu uns, und ich erzähle ihnen alles, was ich für den Leser als wichtig ansehe, wie man mit Büchern umgeht. Am Ende bekommen die Kinder einen Führerschein, der zeigt, dass sie sich in der Bibliothek zurechtfinden. Und die Zusammenarbeit mit der Schule ist natürlich auch gegeben. Da kommen Lehrer mit ihren Klassen zur Schnupperstunde.

Die Bücherei hat also auch einen pädagogischen Auftrag?
Göbel: Ich fühle mich da nicht so sendebewusst. Ich mache das einfach, weil es mir Spaß macht, weil ich Bücher gern habe. Es gibt Schlimmeres, als ein Buch zu lesen. Das ist eine sehr schöne Art, sich die Zeit zu vertreiben und gleichzeitig noch etwas zu lernen. Und es gibt für jede Stimmung auch ein Buch. Das erzähle ich den Kindern auch.

Was bedeutet Ihnen das Ehrenamt?
Göbel: Wenn mir jemand sagt, toll, was Sie da für die Bücherei tun, dann denke ich immer, eigentlich tut die Bücherei viel mehr für mich. Es ist ein Ehrenamt, obwohl wir oft hören: Was kriegen Sie denn dafür? Die Leute sind ganz überrascht, dass wir das aus Jux und Dollerei machen.