Kommentar zum Kreisparteitag der Bonner CDU: Es braucht mehr Visionen

Kommentar zum Kreisparteitag der Bonner CDU : Es braucht mehr Visionen

Es ist absolut richtig, dass der CDU-Kreisvorstand die Lösung der Verkehrsprobleme in Bonn auf die Agenda der Partei setzt, meint GA-Redakteurin Bettina Köhl.

Es ist absolut richtig, dass der CDU-Kreisvorstand die Lösung der Verkehrsprobleme in Bonn auf die Agenda der Partei setzt. Die bevorstehenden Brückensanierungen, der prognostizierte Zuzug und natürlich die Unternehmen und Behörden, die nach dem Regierungsumzug viele hochwertige Arbeitsplätze geschaffen haben, zwingen dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Bonn habe als Kleinstadt die Verkehrsprobleme einer Großstadt, beschrieb es treffend der CDU-Europaabgeordnete Axel Voss am Rande des Parteitags. Man konnte es in der vergangenen Woche live erleben: ein Baukran auf einer Abbiegespur am Kreisverkehr an der Museumsmeile, ein bisschen Grünpflege an der Reuterstraße, dazu die Baustelle auf der Nordbrücke, und der Verkehr bricht zusammen. Angesichts der Probleme war das Interesse der Christdemokraten am Parteitag allerdings gering, und das obwohl das Reizthema Südtangente auf der Agenda stand.

Die meiste Redezeit gehörte natürlich der Südtangente, obwohl hier vor 2030 ohnehin nicht mit einer Umsetzung und somit auch nur langfristig mit einer Entlastung des verstopften Verkehrsnetzes zu rechnen ist. Als schlichte Planungskosten stehen 100 Millionen Euro im Raum. Man muss sich schon fragen, ob dieses Geld richtig angelegt wäre, wenn am Ende vielleicht ein – dann sehr gut begründetes – Nein zum Projekt steht.

Wie komplex das Thema Verkehr in Bonn ist, zeigte sich an den anderen Punkten des Kreisvorstands, vom Lärmschutz an den Bahnstrecken über die angespannte Parkplatzsituation in der Innenstadt bis hin zu Radwegen, Carsharing und Elektromobilität. Die Seilbahn zum Venusberg hat die CDU als „Vision“ aufgenommen.

Es braucht mehr solcher Visionen, damit die Bonner und die zahlreichen Pendler mit Beginn der Brückensanierungen 2018 nicht im Dauerstau stehen. IHK, Handwerker, Dax-Unternehmen und Verkehrsexperten müssen mit ins Boot, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Der öffentliche Nahverkehr spielt dabei sicher eine Rolle, ebenso die (Arbeits-)Zeiten in der Stadt. Größere Fenster für Gleitzeit, andere Lieferzeiten und eine bessere Koordination von Tagesbaustellen und Grünschnitt könnten zum Beispiel dafür sorgen, dass es auf den Straßen etwas flüssiger rollt.

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