Projekt der Sparkasse KölnBonn: Erstmals werden die restaurierten Reste der Heinrich-Bastion gezeigt

Projekt der Sparkasse KölnBonn : Erstmals werden die restaurierten Reste der Heinrich-Bastion gezeigt

Bonn im Barock? Das muss für die Bewohner keine gemütliche Zeit gewesen sein. Das war beleibe nicht nur Feiern in den Prachtbauten, der heutigen Universität und dem Poppelsdorfer Schloss. Nur ein Blick auf die massigen Mauersteine der Heinrich-Bastion belehrt eines Besseren.

Deren frisch restaurierte Funde unterhalb des Friedensplatzes werden heute erstmals in der Tiefgarage des dortigen Sparkassen-Neubaus bei einem Pressetermin gezeigt. Christoph Siemons wird dabei Bürgermeister Helmut Joisten eine virtuelle Rekonstruktion für die Bürger übergeben, denn die Mauerreste bleiben im nicht öffentlich zugängigen Garagenteil. Zumindest virtuell werden die Bonner so die Nöte ihrer Vorfahren hautnah nacherleben können. Denn die dürften hier hinter ihrem riesigen Schutzwall über Jahrhunderte Blut und Wasser geschwitzt haben. In Europa tobten die Nachbeben des mörderischen Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648).

"Das gräuliche Schießen, das Klappern der Harnische, die Schreie der Verwundeten und dazu die Trommeln, Trompeten und Pfeifen - das alles ergab eine grausige Musik", beschreibt mit Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen einer der großen deutschen Dichter in seinem "Simplizissimus"-Roman 1669 das, was die Städter damals am meisten fürchteten: den Moment, wenn die endlosen Belagerungen in Gemetzel, Plünderung und Vergewaltigung endeten. Kurfürst Ferdinand hatte die Stadt am Rhein dank eines kolossalen Bastionsrings vom Süden her zwar schon ohne größeren Schaden durch den Krieg gebracht. Bis 1664 fügte sein Nachfolger Maximilian Heinrich vor dem Sterntor die Heinrich-Bastion hinzu, deren Teile eben 2011 bei Ausschachtungsarbeiten für den Sparkassen-Neubau entdeckt wurden.

Doch schon im Schreckensjahr 1689 wurde auch diese Festung nach dreimonatiger Belagerung von feindlichen Heeren überrannt. Chaos und Elend brachen über Bonn herein. "Da lagen Köpfe, die ihre natürlichen Herren verloren hatten, und Leiber, denen die Köpfe fehlten. Manchen hingen die Eingeweide aus dem Leib, anderen war das Hirn zerspritzt", schildert von Grimmelshausen deftig die Massaker der Zeit. Was die Bonner schließlich auf die einzig mögliche Weise beantworteten: Sie bauten alle ihre Bastionen schnellstens wieder auf. "Die aufgefundenen Reste der Heinrich-Bastion sind denn auch ein wichtiges bauliches Zeugnis für die Geschichte der Stadt. Gerade im Bereich entlang des Florentiusgrabens haben sich zahlreiche auch übertägige Reste der Festung erhalten", erklärt Stadtkonservator Franz-Josef Talbot dem General-Anzeiger.

Seitdem beim Erdaushub 2011 die Bagger der Bastion gefährlich nah gekommen waren, ist Talbot in Kooperation mit der Sparkasse ganz nah am Geschehen. Die gesamten Fundstücke waren bei einem Neubauprojekt dieser Größenordnung nicht zu erhalten. "Unter den gegebenen Umständen ist die gefundene Lösung aber die für alle Seiten beste", sagt Franz-Josef Talbot heute. Insbesondere in der virtuellen Aufarbeitung der gesamten Festung werde die Bedeutung der erhaltenen Reste sehr deutlich.

Fünf Tage lang wird Bonn nun ab heute in einem Projekt der Sparkasse KölnBonn mit anderen Bonner Institutionen im Zeichen des Barock stehen. Aus Anlass der Renovierung der Heinrich-Bastion werden Stadt- und Filmvorführungen, ein Konzert und Vorträge sowie eine komplette Tagung der Universität Bonn zu "Krieg und Kriegserfahrungen am Rhein" die Welt der Menschen vor über 300 Jahren wieder lebendig werden lassen. Die Zeiten also, als unsere Vorfahren in den Bonner Stadtfesten an der wuchtigen Heinrich-Bastion noch um ihr Leben zitterten.

Kurz gefragt

Ebba Hagenberg-Miliu

Über den Sinn des Erhalts von Mauerresten, mittelalterliche Bauten und historische Funde in Bonn sprach Ebba Hagenberg-Miliu mit dem Bonner Stadtkonservator Franz-Josef Talbot.

Warum ist es überhaupt wichtig, dass Mauerreste aus dem 17. Jahrhundert erhalten bleiben?

Franz-Josef Talbot: Das aufgedeckte Fundamentstück ist von Bedeutung, da es den Übergang von der Bastion Heinrich zu dem sich nach Westen anschließenden Mauerzug, der sogenannten Kurtine, dokumentiert.

Was haben Sie selbst durch die Mauerreste über Bonns Stadtgeschichte noch dazugelernt?

Talbot: Dass für den Festungsbau zahlreiche Überreste mittelalterlicher Bauten verwendet wurden, die für den Bau einer kleinen Kasematte verwendet wurden, von der aus die Flanke beschossen werde konnte. Darüber hinaus konnten wir noch zahlreiche Detailinformationen über die Bautechnik, die Fundamentierung und die Architektur der Festungsmauern erlangen.

Und was kann man im Umfeld oder überhaupt in Bonn noch für spannende Funde erwarten?

Talbot: Gerade der unerwartete Fund der Bastionsflanke beim Neubau der Sparkasse zeigt, dass man vor Überraschungen nie sicher sein kann. Im Hinblick auf Bodenfunde wird es wahrscheinlich beim Bau des Viktoriakarrees nochmals spannend. Durch die Bebauung nach dem Zweiten Weltkrieg ist hier zwar schon vieles von der ursprünglich vorhandenen Substanz vernichtet worden. Trotzdem erwarten wir hier, angefangen von den Spuren der römischen Besiedlung über Reste der mittelalterlichen Bebauung bis hin zu den Resten der Vorkriegsbebauung, alles, was die weit zurückreichende Geschichte der Stadt Bonn dokumentiert.

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