Konzertkritik der 8. Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung: Erstklassiger Gesang

Konzertkritik der 8. Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung : Erstklassiger Gesang

Künstler und Künstlerinnen mit Weltklasseniveau durften die Besucher der 8. Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung erleben.

Am Schluss sprang der Götterfunke über. Als Schlussnummer der 8. Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung stand Beethovens „Ode an die Freude“ auf dem Programm. Den „größten Chor der Welt“ hatten sich die Veranstalter gewünscht und aufgefordert, Smartphones zu zücken, um das Event in alle Welt hinauszutragen.

Gesagt, getan. So mancher allerdings war mehr mit der technischen Realisierung des privaten Livestreams beschäftigt als damit, sich mit seiner Stimme „in den Jubel einzumischen“, wie es bei Schiller heißt.

Nichtsdestotrotz fasste dieses engagierte und fröhliche Public-Singing, unterstützt vom Opernchor und dem Beethoven Orchester Bonn (BOB), noch einmal aufs Schönste die Stimmung zusammen, die diesen langen Abend getragen hatte. Kunst und Engagement, im Kunstwerk selbst nicht immer die besten Partner, verbanden sich wieder einmal ausgezeichnet. Das Engagement gilt der Sache, der Tatsache nämlich, dass Aids nach wie vor nicht heilbar ist und Therapien sowie Prävention weiterhin Geld brauchen, die Kunst, in diesem Fall konzertante Operndarbietung auf Weltklasseniveau, schmeichelt Sponsoren und Publikum, um nicht nur die Herzen, sondern auch die Portemonnaies zu öffnen (Konzeption: Alard von Rohr).

Künstler bieten einen Höhepunkt nach dem anderen

Und so konnte die Moderatorin Anja Bröker vor der Kulisse der laufenden Elektra-Inszenierung einen Höhepunkt nach dem anderen ansagen. Den Countertenor Nils Wanderer etwa, der Händels Arie des Caesar „va‘ tacito e nascosto“ wunderbar elegant ausführte und dabei auch eine Stippvisite in die VIP-Reihe direkt an der Bühne unternahm.

Mehrmals im Einsatz war Lilly Jorstad. Ob als Angelina (in Rossinis „La Cenerentola“), als Julia (in Bellinis „I Capuleti“) oder in dem fabelhaften Duett aus Rossinis „L’Italiana in Algeri“: die Norwegerin mit russischen Wurzeln sang sich mit atemberaubend leichtfüßigem Koloraturgesang in die Herzen des Publikums. Auf gleichem Niveau: die ukrainische Sopranistin Olena Tokar. Mit Puccinis „Mi chiamano Mimi“ (aus „La Bohème“) gelang ihr ein anrührendes und differenziertes Rollenporträt.

Weitere Repertoireklassiker: Donzettis „Una furtiva lagrima“ und Massenets „Pourquoi me réveiller“ (kraftvoll: der Tenor Airam Hernandez), Verdis „Pace, pace“ und Puccinis „Vissi d’arte“ (leidenschaftlich: Veronika Dzhioeva), Offenbachs Arie vom Zwerg Zack (prägnant und witzig: der Tenor Andrei Danilov), Mozarts „Hai giá vinta la causa“ (mit Buffocharme: der Bariton Mattia Olivieri) oder Beethovens „Hat man nicht auch Gold beineben“ (etwas behäbig: der Bass Alexander Roslavets). Daneben gab es auch Unbekannteres wie „Me llaman la primorosa“ aus dem „Barbier von Sevilla“ von Giménez (Bravourgesang der Extraklasse: Ruth Iniesta). Das Tanzpaar Thea Delbrück und Ivan Smetkin, gerade frisch getraut, boten geschmackvolle Walzerfiguren zu Schostakowitsch‘ berühmtem Varietéwalzer. Allen war das BOB – dessen Dirigent, GMD Dirk Kaftan, als der „große Veränderer“ angekündigt wurde – ein aufmerksamer und wendiger Begleiter.

Milos Karadaglic als heißester Gitarrist angekündigt

Auch für zwei Arrangements („Libertango“ und „Here comes the sun“), die Milos Karadaglic beisteuerte. Warum er den Titel „heißester Gitarrist“ der Welt trägt, wie angekündigt wurde, blieb allerdings ein Geheimnis. Das ließ sich aber vielleicht beim anschließenden „Get together“ auf der Bühne lüften.

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