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Abschied des langjährigen SPD-Fraktionschef: Ernesto Harder verlässt Bonn

Abschied des langjährigen SPD-Fraktionschef : Ernesto Harder verlässt Bonn

Die Umzugskisten sind gepackt und wurden wie die Möbel aus der Wohnung am Legionsweg in den Umzugswagen verfrachtet. Wenn Ernesto Harder seiner Frau Claudia Bogedan nach Bremen folgt, verlässt der ehemalige, langjährige Vorsitzende der Bonner SPD die Stadt mit einem weinenden und einem lachenden Augen.

Endgültig Abschied zu nehmen, fällt ihm schwer, sagt Harder, dessen Frau in der Hansestadt zur Senatorin für Kinder und Bildung gewählt worden ist (der GA berichtete). Schließlich ist der Deutsch-Spanier in Bonn aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat hier studiert. Bis zu seinem Rücktritt nach sieben Jahren als Unterbezirksvorsitzender galt der 38-Jährige als Hoffnungsträger bei vielen Bonner Sozialdemokraten.

Harder, seit elf Jahren Ratsmitglied und zuletzt neben Bärbel Richter Fraktionsvorsitzender, wollte Anfang des Jahres als OB-Kandidat für seine Partei ins Rennen gehen. Er unterlag jedoch bei der Kandidatenkür deutlich seinem Kontrahenten Peter Ruhenstroth-Bauer, zog daraus die Konsequenzen und trat zurück. Mit ihm warfen auch Kassierer Bodo Buhse, ein langjähriger Weggefährte Harders, und Schriftführer Martin Pfafferott das Handtuch. Schon einmal war Harder zuvor als OB-Kandidat im Gespräch gewesen: 2008, als die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Harder, gerade 30 Jahre alt, zog da zugunsten Jürgen Nimptschs zurück.

Die Schlappe gegen Ruhenstroth-Bauer hat er abgehakt, sagt er. "Für mich ist meine Arbeit als SPD-Vorsitzender entscheidend." Und da habe er mit anderen viel für die Partei erreicht. "Das waren super gute Jahre für die SPD", sagt er und verweist auf die Wahlsiege der SPD-Abgeordneten in Bund und Land sowie für Nimptsch. "Ich hoffe für meine Partei, dass es für sie so erfolgreich weitergeht." Ein Satz zu Ruhenstroth-Bauer war ihm indes nicht zu entlocken.

Der 38-Jährige will nach vorne schauen. Erstes Ziel ist für ihn, in Bremen einen neuen Job zu finden. Den alten in Bonn hat der Vater eines dreijährigen Sohnes gekündigt. Er lacht, als er gefragt wird, ob er in Bremen politisch tätig werden will. "Das kann ich mir natürlich vorstellen. Aber ich gehe es erst einmal langsam an." Nicht nur seine Genossen, auch Vertreter anderer Parteien bedauern den Weggang Harders. Er hinterlasse eine große Lücke in der Kommunalpolitik. In Bremen wird Harder auf ein vertrautes Gesicht treffen: Die Bonner SPD-Bezirksverordnete Miriam Schmidt zieht es ebenfalls in die Hansestadt. Sie wird im Hause Bogedans als Referentin arbeiten und gibt ihr Mandat in Bonn ebenfalls auf. Nachfolgerin im Rat wird für Harder die Röttgener Sozialdemokratin Elisabeth Zaun.