Familientheater in Dransdorf: Ermutigendes Gleichnis mit Lehmklumpen

Familientheater in Dransdorf : Ermutigendes Gleichnis mit Lehmklumpen

Joachim Torbahn sitzt im Stadtteilcafé Dransdorf vor einer backblechgroßen Lehmplatte. Vor ihm Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren, überwiegend aus dem Flüchtlingsheim, die den etwas verstrubbelten Künstler aus Franken erwartungsvoll anschauen.

Kaum hat Torbahn dem Kinderpublikum eine Kugel aus Lehm präsentiert, ist aus dem Runden schon das Eckige geworden, das – schwupps – hoch wächst und gleich wieder platt wird. Der Knetmann“, wie ihn der fünfjährige Mohammed aus Somalia nach dem Kunstabenteuer nennen wird, kratzt Spuren, bohrt Löcher, rollt Stämmchen und Kügelchen, die er lakonisch zu Linden und Eichen erklärt, schabt, schmiert und knetet wie wild. Und zack stürzt sich ein riesiger Drache auf die friedliche Idylle und frisst alles auf. Die Kinder sind fasziniert von dem Auf und Ab kreativer Erfindungen wie dem rasanten Knet- und Klopffinale, in dem die Garten-Prinzessin Lilofee zu einem Apfelstrudel mutiert.

Die archaische Schöpfungsgeschichte vom Entstehen und Vergehen der kleinen Lehmwelten erweist sich als kindgerechtes Gleichnis: Nichts bleibt, wie es ist, und man muss nichts hinnehmen wie es ist. Da kann sogar ein bisher plattes Volk den gierig sich ausbreitenden Tyrannen über- und einrollen. Letzteres kommt bei den Eltern aus Syrien besonders gut an. „So muss es sein“ meint Beram Mahov aus Aleppo. „Einfach toll, was man mit dieser besonderen Erde alles machen kann“, loben Eva Wygand und Anke Espenhayen, die mit ihren Kindern dem Künstler aus Nürnberg applaudieren. „Das war so schön. Der Knetmann war sehr groß“, meint Mohammed und zupft dabei strahlend an seinem Trikot von Jogis Jungs.

Mehr von GA BONN