Historisches Ausflugslokal: Erinnerungen an die alte Casselsruhe in Bonn

Historisches Ausflugslokal : Erinnerungen an die alte Casselsruhe in Bonn

Vor 30 Jahren wurde das Hotel nahe des Kessenicher Plateaus mit bestem Blick über Bonn eröffnet, erst als Steigenberger, später als Dorint. Die älteren Bonner kennen diese Örtlichkeit noch als Casselsruhe und meinen damit das frühere Ausflugslokal. Ein Blick in die Zeit um die Jahrhundertwende.

Lang ist's her auf dem Venusberg. Vor 30 Jahren wurde das Hotel nahe des Kessenicher Plateaus mit bestem Blick über Bonn eröffnet, erst als Steigenberger, später als Dorint. Die älteren Bonner kennen diese Örtlichkeit jedoch noch als Casselsruhe und meinen damit das frühere Ausflugslokal mit Terrasse und angrenzendem Minigolfplatz, wohin es junge und alte Bonner damals zum Spazierengehen und zur Einkehr zog. Es war etwas los auf dem Venusberg zu dieser Zeit.

Harald Voit hat dort oben seine Kindheit und Jugend verbracht. Seine Mutter Liesel war die Schwester des damaligen Wirts Rudolf Kessel. Beide bewirtschafteten das Haus gemeinsam, es gab neben der gut besuchten Terrasse ein Restaurant sowie 14 Hotelzimmer und zwei Tagungsräume. Und es gab Tanzveranstaltungen in einem Tanzsaal. Gewohnt haben die Voits in einem kleinen Bungalow gleich daneben.

Der junge Harald lernte früh, zu kochen, zu backen und im Betrieb dort mit anzupacken, wo er gebraucht wurde. „Ich habe meine Jugend im Tanzlokal und auf dem benachbarten Fußballplatz verbracht“, erinnert er sich. Und natürlich auf dem Minigolfplatz, wo er jede der 18 Bahnen kannte. „Ich habe da eine 28 gespielt, weil ich genau wusste, wo die Macken der Bahn waren.“

„Die alte Kiefer steht ja immer noch vor der Terrasse“

Wie die Kessels auf den Venusberg kamen, ist eine ganz eigene Geschichte. Die damalige Großfamilie hatte Wäschereien und weitere Geschäfte in Poppelsdorf. Mit seinem Erbe kaufte Voits Urgroßvater Jean die Casselsruhe. Insofern war der heutige Dorint-Hoteldirektor Marko Markovic sehr neugierig, die Geschichten von damals zu hören und Voit kennenzulernen.

„Angeblich sollen noch einige Sachen von der damaligen Casselsruhe in einem Raum in der Tiefgarage liegen“, berichtet er. „Aber gefunden haben wir nichts.“ Dafür hängen im Eventrestaurant im Souterrain des Hotels noch alte Bilder, und Voit erkannte auf einem davon sofort seinen Großvater Jean wieder: „Die Ähnlichkeit sieht man doch sofort“, meinte er und fasste sich an die charakteristische Nase.

Der Junge von damals erkannte auch Jahre später noch einiges andere wieder: „Die alte Kiefer von damals steht ja immer noch vor der Terrasse“, bemerkte Voit sofort. Eine zweite ist irgendwann gefällt worden. „Und diese alte Eichenhecke vor der Terrasse gab es auch schon damals, sogar das alte Geländer ist noch da“, bemerkte Voit. Mehr noch. Der heute 68-Jährige erinnerte sich noch ganz genau, damals im Winter mit dem Schlitten den Berg bis Kessenich hinab gefahren zu sein.

Aber der Ausblick war damals ein anderer. „Früher wurde mehr freigeschnitten.“ Man konnte nicht nur in Richtung Süden nach Bad Godesberg schauen, sondern auch über den Wald nach Norden auf den Rhein. „Aber der Förster hat das Freischneiden irgendwann verboten, dabei wäre das bis heute ein Traumblick.“ Verziehen hat er ihm das bis heute nicht.

Die Speisekarte im Hotel-Restaurant Casselsruhe

Dann übernahm Emil Steigenberger die Casselsruhe

Das Idyll endete damals mit dem Tod seines Onkels Rudolf, der 1979 bei einem Lawinenunfall in Kitzbühl starb. Der Betrieb war ohne ihn nicht mehr zu halten. Voit nahm sich als junger Mann mit Ende 20 der Sache an, „und ich bin durch Europa gereist, um das Projekt anzubieten“. Dabei lernte er auch den Firmengründer Emil Steigenberger kennen, der später den Zuschlag für die Casselsruhe bekam, dort einen Neubau errichtete und ihn 1988 an der heutigen Stelle bezog.

Doch es war auch noch das Swiss Hotel im Rennen, erzählt Voit. Aber weil die Schweizer hundert Zimmer bauen wollten und das Gebäude auf beiden Seiten fünf Meter länger geworden wäre, versagte die Stadt die Baugenehmigung. „Und für die Immobilie, die letztlich hier entstand, habe ich ein Gerüst im Maßstab 1:1 aufgebaut, und die Stadtverordneten haben aus der Rheinaue mit Ferngläsern überprüft, ob es nicht zu hoch sei.“ Gebaut wurde es schließlich durch den Bonner Architekten Ralph Schweitzer, immerhin.

Voit selbst blieb der Gastronomie treu, lernte Hotelkaufmann und führte 25 Jahre mit einem Kompagnon das Brauhaus Bönnsch. Inzwischen betreibt er mit seiner Tochter Christina das aus Ruinen auferstandene V-Hotel am Haager Weg, das zuvor lange Jahre leer stand.

Markovic hörte diese Geschichten mit großen Augen. Er ist erst seit zwei Jahren Direktor des Hotels, aber es war Liebe auf den ersten Blick. „Als ich gefragt wurde, ob ich es leiten möchte, habe ich sofort Ja gesagt.“ Wer der wahre Ideengeber des Hauses ist, daran ließ Voit jedoch keinen Zweifel. Als er zum Termin, den der GA mit den beiden verabredet hatte, von Markovic begrüßt wurde, sagte Voit ganz spontan: „Ich bin der Verursacher.“

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