Jubelkommunion: Erinnerung an das erste große Fest im Bonner Münster

Jubelkommunion : Erinnerung an das erste große Fest im Bonner Münster

Seit dem Tag ihrer Erstkommunion sind schon 50, 60 oder sogar 80 Jahre vergangen. Nun trafen sich 22 der Kommunionsjubilare auf Einladung der katholischen Citypastoral zu einer Messe in der Münsterbasilika.

Sie erinnerten sich gemeinsam beim anschließenden Empfang im Münster-Carré an den Tag, an dem sie mit der Feier der Eucharistie das neben Taufe und Firmung wichtigste Initiationssakrament der katholischen Kirche empfangen hatten. Dieser Tag, den in den vergangenen Wochen auch 771 Kinder aus den elf Seelsorgebereichen des Bonner Stadtdekanats gefeiert haben, sollte die Jubilare an den Beginn ihrer engen Beziehung zu Jesus Christus durch den Empfang der ersten heiligen Kommunion erinnern. In der festlichen Messe im Bonner Münster begrüßte Stadtdechant Wilfried Schumacher die Jubilare und richtete auch seine Predigt auf den Empfang der Erstkommunion aus. „Es war das erste große Fest in ihrem Leben“, begann der Stadtdechant. „Vieles hat sich seit dieser Zeit verändert.“ Persönlich, gesellschaftlich und auch an der Kirche sei die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen.

Genau 62 Tage bevor das Bonner Münster wegen seiner Generalsanierung geschlossen wird, wurde der Empfang der Jubilare der vorerst letzte für die nächsten zwei bis drei Jahre. Viele der 22 „Kommunionskinder“ aus den vergangenen 80 Jahren kannten sich und nutzten das Zusammentreffen zum Austausch von Erinnerungen und Erfahrungen.

Paul Witting, der sein 60-jähriges Jubiläum beging, konnte einen Schwarz-Weiß-Film seines Schwagers vorführen, der 1956 eine private Kommunionsfeier aufgenommen hatte. Der Film vermittelte einen Eindruck davon, wie viele Menschen sich damals vor dem Münster zur Feier einer Erstkommunion trafen. Von mehr als 200 Kommunikanten konnten die Anwesenden erzählen. „2009“, ergänzte Schumacher, „waren es nur noch drei Kommunionskinder in der Münsterpfarre, die 1970 noch 12 000 Menschen zählte. Heute sind es 3000, von denen 75 Prozent Singles sind.“

Dass die Zeiten vor 75 Jahren vollkommen andere waren, konnte eindrucksvoll der Bonner Jurist Ludwig Klassen berichten. Er erinnert sich vor allem an die Priester, die er als „prächtige Menschen“ in Erinnerung behielt, die den Kindern in der Nazizeit Halt gaben. Insbesondere ist ihm auch noch Gräfin von Spee im Bewusstsein, die er heute als eine „Lichtfigur“ in schweren Zeiten beschreibt. „Ich liebe die Münsterkirche“, sagt Klassen, für den sein Glaube schon ein Leben lang „eine feste Burg“ ist. „Ohne Glauben möchte ich nicht leben“, sagt er.

Auch Rosemarie Biedermann (79) aus Bonn bestätigt: „Den lieben Gott braucht man einfach im Leben.“ Sie ging 1947 im Bonner Münster zur Kommunion und hat einige Tiefschläge und Verluste im Leben erlitten, bei denen ihr der Glaube sehr geholfen hat.

Die Freundinnen Gisela Grütter-Probst und Helga Heydweiller, beide 60 Jahre alt, erinnern sich gerne an die besonderen Feierlichkeiten, von denen beide noch ihre Kommunionsuhr besitzen. Auch das Sammelbesteck, mit dem Gisela Grütter-Probst damals eher wenig anfangen konnte, erfreut sie heute.