Vier Meter hohes Kunstwerk in Bonn: Einkaufstasche auf Beinen soll auf Friedensplatz kommen

Vier Meter hohes Kunstwerk in Bonn : Einkaufstasche auf Beinen soll auf Friedensplatz kommen

Die Stiftung für Kunst und Kultur will eine Skulptur von Erwin Wurm auf den Friedensplatz stellen. Laut Künstler handelt es sich dabei um eine ironisierte Idealvorstellung von Schönheit. Wie ist Ihre Meinung? Kommentieren Sie im Artikel.

Eine riesige Einkaufstasche, ein sogenannter Birkin-Bag von Hermès auf dünnen Füßchen, in der Fußgängerzone: Geht es nach der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur soll das vier Meter hohe Kunstwerk „Walking Bag“ des international renommierten Künstlers Erwin Wurm ab Mitte 2019 auf dem Friedensplatz an der Ecke Sternstraße stehen.

„Das Werk ironisiert die Idealvorstellung von Schönheit und Accessoires, die man haben muss“, sagt Walter Smerling, Geschäftsführer der Stiftung, über die Figur mit den dünnen Beinen und der „Hermès-orangenen“ Einkaufstasche. „Das passt gut in die Fußgängerzone. Das ist eine ironische Nummer“, ergänzt er. Vor einem Jahr hat er als Direktor des Duisburger Museums Küppersmühle eine Werkschau des österreichischen Bildhauers und Objektkünstlers gezeigt. Im Bonner Kunstmuseum waren 2010 in einer großen Wurm-Retrospektive unter anderem Arbeiten zu sehen, die an „Walking Bag“ erinnern.

Erwin Wurm, der gerne mit Maßstabsverschiebungen operiert, sagt zu seiner Arbeit: „Ich zeige eine Person, die auf ihre Accessoires reduziert ist: Tasche und Schuhe. Das mag paradox wirken, doch unsere Realität ist viel verrückter als jede absurde Perspektive es für möglich hält. Nicht die Fantasie ist unser Problem, sondern die Realität.“

In der Projektskizze der Stiftung, die der städtischen Kunstkommission vorgelegt wurde, ist zu lesen: „Zwischen dem Sieg der Modeindustrie und Medien über unsere Geschmacksbildung und der Unmündigkeit des Kunden liegt eine gewaltige Grauzone mit Assoziationen von Kaufrausch bis Magersucht.“

"Walking Bag"

Die Kunstkommission tagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit, trotzdem sickerten Details der Beratungen über Wurms „Walking Bag“ durch. Man gab demnach die Empfehlung, das Werk nicht zu realisieren. Und zwar aus Gründen des unvorteilhaften Standorts. Die vorangegangenen vier Projekte der Stiftung hatte die Kommission durchgewunken. Wie es mit „Walking Bag“ weitergeht, ist noch nicht klar. Das städtische Presseamt weißt darauf hin, dass das Votum der Kommission nur empfehlenden Charakter habe, das letzte Wort der Bezirksvertretung vorbehalten sei. Eine Beschlussfolge gebe es im Fall der Wurm-Kunst noch nicht.

Aktuelle Mitglieder der hochkarätig besetzten Kommission sind unter anderem Oberbürgermeister Ashok Sridharan (Vorsitz), Kulturdezernent Martin Schumacher, vier Mitglieder des Kulturausschusses, Kunstmuseumsintendant Stephan Berg, der Intendant der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs, die Direktorin des Bonner Kunstvereins, Michelle Cotton, der Direktor des Museum Ludwig in Köln, Yilmaz Dziewior, sowie die Direktorin des Museum Abteiberg in Mönchengladbach, Susanne Titz.

Smerling will nach der „Hommage an Beethoven“ von Markus Lüpertz im Bonner Stadtgarten, „Mean Average“ von Tony Cragg auf dem Remigiusplatz, dem „Arc `89“ von Bernar Venet an der B9 und der Anfang September enthüllten „Hommage an August Macke“ von Stephan Balkenhol auf der Hofgartenwiese hinter dem Akademischen Kunstmuseum das fünfte Skulpturenprojekt in Bonn realisieren: Wurms „Walking Bag“.

Skulpturen-Projekte nicht unumstritten

Mehr als ein Dutzend Skulpturen sollen in den nächsten Jahren bis 2030 im öffentlichen Raum aufgestellt werden. Ähnliches hat die Stiftung bereits in Salzburg realisiert. Für Bonn schwebt Smerling „ein urbanes Museum als Zeichen für kulturelle Vielfalt“ vor.

„Wir würden den Wurm gerne machen“, sagte Smerling dieser Zeitung, „die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind erfüllt.“ Wunschtermin wäre Mai/Juni nächsten Jahres. Wie die vorangegangenen Arbeiten des Stiftungsvereins im öffentlichen Raum solle auch „Walking Bag“ vollständig privat finanziert werden, wie Smerling bekräftigt. Das infrage kommende Grundstück am Friedensplatz sei in privater Hand. Allenfalls 40 Zentimeter öffentlicher Grund seien tangiert.

Wie man aus der Kunstkommission hört, sind die Skulpturen-Projekte von Smerlings Verein nicht unumstritten. Darauf angesprochen sagte Smerling: „Wir wollen niemanden zwangsbeglücken. Das, was wir machen, soll mit Freude und interessanten Auseinandersetzungen zu tun haben“. Smerling hat bereits weitere prominente Namen für Bonner Kunstprojekte im Köcher: Anselm Kiefer, Katharina Grosse, Jorinde Voigt und Michael Sailstorfer.

Was halten Sie von einer laufenden Tasche auf dem Friedensplatz? Kommentieren Sie gerne unter diesem Artikel.

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